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Jugend 2003: Affinität zu Sekten und Esoterik

09.07.2003


Psychologie-Kongress zeichnet karriereorientiertes Bild der jungen Generation


Das Bildnis der "neuen Jugend" unterscheidet sich deutlich von der "Null-Bock-Generation" der 80-er und 90-er Jahre. Zu diesem Schluss kommen Experten beim 8. Europäischen Kongress für Psychologie, der derzeit in Wien stattfindet. Große Affinität zu Esoterik und Sekten bildet offensichtlich eine Antipode zur Leistungsgesellschaft. 80 Prozent der Befragten geben an, dass Sterne ihr Leben beeinflussen.

Eine Studie der Universität Klagenfurt hat ergeben, dass in den Coolness-Konzepten von 14- bis 20-Jährigen heute auch das Erbringen von Leistung als "cool" gelten kann. Die Wissenschaftler sehen darin eine Trendwende zu den 80-er und 90-er Jahren. "Damals galten gute Schulnoten fast als suspekt", so Philipp Mayring, Professor für Psychologie an der Universität Klagenfurt. "Bei der derzeitigen Generation von Jugendlichen kann es auch als cool gelten, wenn in bestimmten Freizeit-Bereichen oder in der Schule herausragende Leistungen erbracht werden", erklärt Mayring das Ergebnis der Befragung. Wenig Gefühle zu zeigen sowie ruhig und selbst kontrolliert zu handeln seien Verhaltensweisen, die unter Jugendlichen bereits in den 80er-Jahren einen hohen Stellenwert hätten, meint der Experte. "Im Rahmen der Entwicklungspsychologie wurde die Bedeutung von Coolness jedoch bislang noch relativ wenig untersucht." Der Psychologe sieht die Notwendigkeit ein grundlegendes Verständnis dafür zu entwickeln, was bei Heranwachsenden als "cool" gelte. Das sei auch eine Basis, um Interventionen bei Drogenmissbrauch oder in der Verkehrserziehung durchzuführen. Der Psychiater rät dazu, dass auch Eltern sich bemühen sollten die Welt ihrer Kids und deren Drang ab einem bestimmten Alter anders und cool sein zu wollen, besser zu verstehen. "Sonst kann es leicht geschehen, dass in der Pubertät der Kontakt zu den Kindern abbricht", warnt Mayring.


Ein Gegentrend zur neuen "coolen" Leistungsgesellschaft ist aus einer anderen Studie ablesbar, die von der Gesellschaft gegen Sekten- und Kultgefahren in Kooperation mit der Universität Wien fertig gestellt wird. Dazu wurden mehr als 2.400 Jugendliche in Wien und Niederösterreich befragt. "Diese Erhebung zeigt unter anderem, dass das Interesse der Heranwachsenden für Esoterik und Sekteninhalte zugenommen hat", so Brigitte Rollett, Leiterin des Bereiches Entwicklungspsychologie an der Universität Wien. Es scheine eine Tendenz zu geben, sich einem Bereich zuzuwenden, in dem die heutigen Leistungs-Prinzipien scheinbar keine Gültigkeit haben, da "Lebenserfolg" in weitesten Sinne auch auf anderen Wegen erzielbar ist. Eines der interessantesten Resultate der Forschungsarbeit war, dass rund 80 Prozent der Befragten der Ansicht sind, dass die Sterne ihr Leben tatsächlich beeinflussen könnten.

"Wir leben heute in einer neuen Gesellschaft, die vor allem auf das Erzielen von möglichst hohem Einkommen ausgerichtet ist", erklärt Rollett. Um während der Ausbildung und später am Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein, sei es häufig nicht mehr wesentlich, tatsächlich Leistungen zu erbringen, sondern es müsse vor allem ein gutes "Image" gepflegt werden. "Die meisten Jugendlichen trachten bereits danach, Zeugnisse mit guten Noten zu erwerben". Dass hinter diesen Zeugnissen echtes Wissen steht, ist für die Heranwachsenden und in der Gesellschaft jedoch immer weniger von Bedeutung, führt die Expertin aus.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.psycongress.at
http://www.uni-klu.ac.at

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