Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was der Gang über Läufer und Betrachter verrät: Geschlecht, Alter und sexuelle Orientierung

23.04.2008
Von Cowboys und Prinzessinnen

Punktmännchen bringen es an den Tag: Schon ab vier Jahren unterscheidet sich der Gang von Jungen und Mädchen. Und nicht nur das haben die Untersuchungen von Dipl.-Psych. Andrej König (Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie, Prof. Dr. Axel Schölmerich) ergeben: Anhand des Gangs können wir nicht nur das Geschlecht, sondern auch das Alter des Gehenden ablesen. Und in Abhängigkeit davon finden wir den Gehenden attraktiv oder nicht.

Im Umkehrschluss lässt die Einschätzung der Attraktivität Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung des Betrachters zu. Von Bedeutung kann das etwa bei der Therapie von Pädophilie sein. Darüber berichtet RUBIN, das Forschungsmagazin der Ruhr-Universität.

Wie man einen Kerl erkennt

... mehr zu:
»Geschlecht »RUBIN

So einen richtigen Kerl erkennt man am Gang: raumgreifende Schritte, ausladende Oberkörperbewegungen, abgespreizte Ellbogen. Damenhaft dagegen werden die Arme eng am Körper gehalten, die Knie geschlossen, die Füße voreinander gesetzt. Man sieht es gleich: Hier schreitet eine Prinzessin. Wie jedes Klischee hat auch dieses einen wahren Kern. Die Gangbilder von Männern und Frauen lassen sich recht einfach unterscheiden. Ab welchem Alter das so ist, ob der Gang "angeboren" ist oder erst erlernt, wollte Andrej König wissen. Er konfrontierte Versuchspersonen beiderlei Geschlechts mit Punktmännchen, die er aus der Aufzeichnung von Läufern verschiedenen Alters gewonnen hatte, deren Körper an den entscheidenden Stellen mit weißen Punkten markiert worden waren. Die Versuchspersonen konnten schon bei Vierjährigen das Geschlecht am Gang erkennen, ebenso konnte das der Computer anhand eines Algorithmus.

Einschätzung lässt Schluss auf sexuelle Orientierung zu

König wollte mehr wissen: Wie attraktiv finden Menschen den Gang anderer? Auffällig war, dass die Probanden den Gang von Kindern durchweg unattraktiv einschätzen. Erst ab einem Alter von 20 wirkt das Gangbild attraktiv. Danach wird der weibliche Gang wieder unattraktiver, bei Männern sinkt die Anziehungskraft des Gangbilds erst ab ca. 30 wieder leicht. Homosexuelle Versuchspersonen fanden jeweils den Gang gleichgeschlechtlicher Läufer attraktiv, Heterosexuelle das des jeweils anderen Geschlechts. König, der seit langem in der Forensik arbeitet, konfrontierte auch pädophile Straftäter mit den Gangbildern. Ergebnis: In ca. 80 Prozent der Fälle gab das Ergebnis der Attraktivitätsbewertung Aufschluss über die sexuelle Orientierung der Straftäter - das kann zwar keine gründliche Diagnosestellung ersetzen, ist aber möglicherweise ein guter Ansatzpunkt, um in einer Therapie mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen.

Themen in RUBIN Frühjahr 2008

Den gesamten Beitrag lesen Sie in RUBIN Frühjahr 2008, wo sie folgende Themen finden: Geschichtenvorleser gefragt: Entwicklungspsychologen untersuchen das Potenzial "Familie" für den Schulerfolg der Kinder; Warum dopen?: Individuelles Training im Rhythmus des Hormonzyklus könnte Sportlerinnen natürliche Leistungssteigerungen bringen; Ferromagnetische Halbleiter: Traum oder Wirklichkeit?; Kein Kabelgewirr und kein Blechschaden mehr: Ingenieure entwerfen integrierten Schaltungen im Gigabit-pro-Sekunde-Bereich für Funkkommunikation und mehr Sicherheit im Straßenverkehr; Erstarrung in der Schwebe: Köln - Bochum: Materialwissenschaften zwischen Himmel und Erde; Frisches Blut in der Hundezucht: Wie sich die genetische Vielfalt bestimmen und erhalten lässt; Sushi American Style: Wie sich die japanische und die amerikanische Kultur vermischen; Gift aus dem Wasserhahn: Die Folgen von PFT im Trinkwasser; Von Cowboys und Prinzessinnen: Was der Gang über Läufer und Betrachter verrät; Der Kurs im eigenen Kiez: Die Sozialraumanalyse ergründet, wer sich warum wo weiterbildet; Schlanke Giganten: Vision Aufwindkraftwerk: Die technischen Voraussetzungen sind da, Bochumer Bauingenieure sind an der Entwicklung eines Prototyps beteiligt. RUBIN ist in der Pressestelle der RUB, UV 3/368, Tel. 0234/32-22830 erhältlich und steht im Internet unter http://www.rub.de/rubin

Weitere Informationen

Dipl.-Psych. Andrej König, Lehrstuhl Entwicklungspsychologie der RUB (Prof. Dr. Axel Schölmerich), Tel. 0234/32-28672, E-Mail: andrej.koenig@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin

Weitere Berichte zu: Geschlecht RUBIN

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie