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Punktmännchen bringen es an den Tag: Schon ab vier Jahren unterscheidet sich der Gang von Jungen und Mädchen. Und nicht nur das haben die Untersuchungen von Dipl.-Psych. Andrej König (Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie, Prof. Dr. Axel Schölmerich) ergeben: Anhand des Gangs können wir nicht nur das Geschlecht, sondern auch das Alter des Gehenden ablesen. Und in Abhängigkeit davon finden wir den Gehenden attraktiv oder nicht.
Im Umkehrschluss lässt die Einschätzung der Attraktivität Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung des Betrachters zu. Von Bedeutung kann das etwa bei der Therapie von Pädophilie sein. Darüber berichtet RUBIN, das Forschungsmagazin der Ruhr-Universität.
Wie man einen Kerl erkennt
So einen richtigen Kerl erkennt man am Gang: raumgreifende Schritte, ausladende Oberkörperbewegungen, abgespreizte Ellbogen. Damenhaft dagegen werden die Arme eng am Körper gehalten, die Knie geschlossen, die Füße voreinander gesetzt. Man sieht es gleich: Hier schreitet eine Prinzessin. Wie jedes Klischee hat auch dieses einen wahren Kern. Die Gangbilder von Männern und Frauen lassen sich recht einfach unterscheiden. Ab welchem Alter das so ist, ob der Gang "angeboren" ist oder erst erlernt, wollte Andrej König wissen. Er konfrontierte Versuchspersonen beiderlei Geschlechts mit Punktmännchen, die er aus der Aufzeichnung von Läufern verschiedenen Alters gewonnen hatte, deren Körper an den entscheidenden Stellen mit weißen Punkten markiert worden waren. Die Versuchspersonen konnten schon bei Vierjährigen das Geschlecht am Gang erkennen, ebenso konnte das der Computer anhand eines Algorithmus.
Einschätzung lässt Schluss auf sexuelle Orientierung zu
König wollte mehr wissen: Wie attraktiv finden Menschen den Gang anderer? Auffällig war, dass die Probanden den Gang von Kindern durchweg unattraktiv einschätzen. Erst ab einem Alter von 20 wirkt das Gangbild attraktiv. Danach wird der weibliche Gang wieder unattraktiver, bei Männern sinkt die Anziehungskraft des Gangbilds erst ab ca. 30 wieder leicht. Homosexuelle Versuchspersonen fanden jeweils den Gang gleichgeschlechtlicher Läufer attraktiv, Heterosexuelle das des jeweils anderen Geschlechts. König, der seit langem in der Forensik arbeitet, konfrontierte auch pädophile Straftäter mit den Gangbildern. Ergebnis: In ca. 80 Prozent der Fälle gab das Ergebnis der Attraktivitätsbewertung Aufschluss über die sexuelle Orientierung der Straftäter - das kann zwar keine gründliche Diagnosestellung ersetzen, ist aber möglicherweise ein guter Ansatzpunkt, um in einer Therapie mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen.
Themen in RUBIN Frühjahr 2008
Den gesamten Beitrag lesen Sie in RUBIN Frühjahr 2008, wo sie folgende Themen finden: Geschichtenvorleser gefragt: Entwicklungspsychologen untersuchen das Potenzial "Familie" für den Schulerfolg der Kinder; Warum dopen?: Individuelles Training im Rhythmus des Hormonzyklus könnte Sportlerinnen natürliche Leistungssteigerungen bringen; Ferromagnetische Halbleiter: Traum oder Wirklichkeit?; Kein Kabelgewirr und kein Blechschaden mehr: Ingenieure entwerfen integrierten Schaltungen im Gigabit-pro-Sekunde-Bereich für Funkkommunikation und mehr Sicherheit im Straßenverkehr; Erstarrung in der Schwebe: Köln - Bochum: Materialwissenschaften zwischen Himmel und Erde; Frisches Blut in der Hundezucht: Wie sich die genetische Vielfalt bestimmen und erhalten lässt; Sushi American Style: Wie sich die japanische und die amerikanische Kultur vermischen; Gift aus dem Wasserhahn: Die Folgen von PFT im Trinkwasser; Von Cowboys und Prinzessinnen: Was der Gang über Läufer und Betrachter verrät; Der Kurs im eigenen Kiez: Die Sozialraumanalyse ergründet, wer sich warum wo weiterbildet; Schlanke Giganten: Vision Aufwindkraftwerk: Die technischen Voraussetzungen sind da, Bochumer Bauingenieure sind an der Entwicklung eines Prototyps beteiligt. RUBIN ist in der Pressestelle der RUB, UV 3/368, Tel. 0234/32-22830 erhältlich und steht im Internet unter http://www.rub.de/rubin
Weitere Informationen
Dipl.-Psych. Andrej König, Lehrstuhl Entwicklungspsychologie der RUB (Prof. Dr. Axel Schölmerich), Tel. 0234/32-28672, E-Mail: andrej.koenig@ruhr-uni-bochum.de
Dr. Josef König | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.rub.de/rubin
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