Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimageschichte der Sahara: Blühende Landschaften in der Wüste

30.09.2008
Forscher zeichnen in Nature Geoscience die Klimageschichte der Sahara nach

Rund 120.000 Jahre haben Dr. Rik Tjallingii, Prof. Dr. Martin Claussen und Kollegen in der Klimageschichte der Sahara zurückgeschaut - weiter als alle Forschergruppen vor ihnen. Herausgefunden haben sie Erstaunliches: In der Vergangenheit hat sich die größte Sandwüste der Welt mehr als einmal in ein ausgedehntes Grasland verwandelt. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher jetzt in der Oktober-Ausgabe von Nature Geoscience.

"Andere Forschergruppen haben bisher nur die Zeit vor gut 10.000 bis 5.500 Jahren untersucht, in der die Sahara deutlich grüner war als heute. Wir haben weiter in die Vergangenheit zurückgeschaut und auch die Periode von vor 85.000 bis 120.000 Jahren betrachtet. Dabei konnten wir feststellen, dass es in dieser Zeit mehrmals Feuchtperioden gab, in denen sich die Wüste zurückzog.", erklärt Dr. Rik Tjallingii, der am MARUM seine Doktorarbeit zu diesem Thema abgeschlossen hat und nun im Rahmen des Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft" am Institut für Geowissenschaften der Universität Kiel forscht.

Die Feuchtperioden fallen mit Zeiten zusammen, in denen aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse die Sonneneinstrahlung in der Nähe des Äquators besonders stark war. Es verdampfte mehr Wasser aus den Meeren, wodurch wiederum der afrikanische Monsunregen stärker wurde. "In der Sahara reicht schon eine geringe Zunahme der Niederschlagsmenge, um das Pflanzenwachstum drastisch zu steigern", so Rik Tjallingii.

Die Kreiselbewegung der Erdachse vollzieht sich in regelmäßigen Intervallen von etwa 23.000 Jahren. Die Feuchtperioden traten allerdings seltener auf: Innerhalb der letzten etwa 120.000 Jahre begannen sie etwa vor 110.000 Jahren, 85.000 Jahren und 10.000 Jahren und dauerten jeweils rund 5.000 Jahre. Während der letzten Eiszeit, die vor 75.000 Jahren einsetzte und rund 60.000 Jahren andauerte, fielen die Feuchtperioden aus, weil das Klima weltweit deutlich kälter und trockener war. Der westafrikanische Monsun zog nicht weit genug nach Norden, um die Sahara zu erreichen. Allerdings war das Klima der Eiszeit sehr abwechslungsreich. Es gab kräftige und abrupte Änderungen der großen Eisschilde, die auch im Wasserkreislauf der Sahelzone nachzuweisen sind.

Um herauszufinden, wann während der vergangenen Jahrtausende in der Sahara Feucht- oder Trockenperioden herrschten, haben Forscher des Bremer MARUM und des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven Staubpartikel in einem Bohrkern vom Meeresboden vor Nordwest-Afrika untersucht. Aus dem Verhältnis der Anzahl der Partikel, die vom Wind transportiert wurden, und der Partikel, die Flüsse ins Meer schwemmten, konnten die Wissenschaftler Vegetationsdichte bzw. die Regenmengen abschätzen, die über Nordwest-Afrika zu einem bestimmten Zeitraum niederging.

Die Bohrkerndaten bestätigen Computersimulationen, die Forscher um Prof. Dr. Martin Claussen, Sprecher des Exzellenzclusters 'Integrierte Klimasystemanalyse und -vorhersage' der Universität Hamburg und Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie, erstellt haben: Sie hatten bereits vor gut zwei Jahren "vorhergesagt", wie sich die Sahara im Laufe der letzten Jahrhunderttausende hätte verändern können. Nun jedoch liegen zum ersten Mal Daten vor, mit denen man die Modellrechnung vergleichen kann. "Die gemessenen Daten stimmen sehr gut mit der Simulation überein", so Rik Tjallingii. "Das zeigt nicht nur, dass unsere Interpretation richtig ist, sondern bestätigt auch das Computermodell." "Eine schönes Beispiel für gute Zusammenarbeit zwischen den norddeutschen Ozean- und Klimaexzellenzclustern", so Claussen.

Das mit den Daten der Vergangenheit überprüfte Modell erlaubt auch einen Blick in unsere Klimazukunft. Demnach sollte die Sahara schrumpfen, falls der von den Menschen angestoßene Klimawandel zu einer kräftigen Erwärmung der Erde führt. "Ob die Sahara tatsächlich grüner wird als heute, können wir aber immer noch nicht mit Bestimmtheit sagen", meint Claussen. "Noch haben wir nicht sämtliche Prozesse, die für die Dynamik des Sahels und der Sahara wichtig sind, im Klimamodell dargestellt. Und wie der Mensch auf eine sich langsam zurückziehende Sahara reagiert, das können wir nicht vorhersagen."

Weitere Informationen:

Dr. Rik Tjallingii
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
Department of Sedimentology,
Coastal & Shelf Geology
Tel. 0431-880-2877
Email: rtj@gpi.uni-kiel.de
Prof. Dr . Martin Claussen
Universität Hamburg und
Max-Planck-Institut für Meteorologie
Tel. 040-41173-225
Email: martin.claussen@zmaw.de
Sandra Ogriseck
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
Stabsstelle Presse und Kommunikation
Tel.: 0431-880-7110
Email: sogriseck@uv.uni-kiel.de

Albert Gerdes | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de
http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo289.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde
23.01.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie