Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tuberkulose plagt Menschen seit 500.000 Jahren

07.12.2007
Forscher finden TBC-Spuren in Human-Fossil

Ein internationales Forscherteam berichtet, in einem humanen Fossil in der Türkei Spuren von TBC gefunden zu haben. Das Fossil wird mit einem Alter von rund 500.000 Jahren datiert. Damit wären diese Spuren die ältesten TBC-Funde, so die Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins American Journal of Physical Anthropology. Bisher waren die Forscher davon ausgegangen, dass die Erkrankung vor wenigen tausend Jahren das erste Mal aufgetreten ist. Hinweise auf TBC wurden in Mumien in Peru und Ägypten gefunden.

Das gefundene Skelett stammt von einem jungen männlichen Homo erectus, der nach Stand der Wissenschaft von Afrika auswanderte. Das Forscherteam um den Anthropologen John Kappelman von der University of Texas, dem auch Wissenschaftler aus der Türkei und Deutschland angehörten, hatten seit Jahren Spuren des Frühmenschen im Westen der Türkei untersucht. An der Innenseite des Schädels fanden die Forscher deutliche Spuren einer tuberkulösen Leptomeningitis, die das Hirn angreift.

Die Experten gehen davon aus, dass der dunkelhäutige Homo erectus für die Erkrankung aufgrund eines Vitamin-D-Mangels besonders anfällig war, denn er wanderte aus einer Region aus, in der er wesentlich mehr Sonnenlicht ausgesetzt war als am Fundort. Dunkelhäutige produzieren weniger Vitamin D als Weißhäutige, da das Pigment Melanin die UV-Strahlung, die für die Bildung von Vitamin D nötig ist, abblockt. "Die Produktion des Vitamin D in der Haut gehört zu den wichtigsten Abwehrfunktionen des Menschen, der gegen eine ganze Reihe von Infektionen und Erkrankungen wirkt", so Kappelman. Auch für die Tuberkulose-Bakterien des Homo erectus könne der Mangel die Tür geöffnet haben, vermuten die Forscher.

... mehr zu:
»Homo »TBC »Tuberkulose

Simon Mays, Experte für humane Skelette der English Heritage http://www.english-heritage.org.uk erklärt, dass der älteste TBC-Fall in einem italienischen Skelett, das etwa 5.000 Jahre alt ist, gefunden wurde. "Der nunmehr vorliegende Bericht datiert die Erkrankung um mehr als 450.000 Jahre früher, daher ist es notwendig sicherzustellen, dass die Läsionen auch tatsächlich auf TBC zurückzuführen sind und nicht auf etwas anderes", so der Fachmann.

"Tuberkulose ist weltweit immer noch die häufigste Infektionskrankheit. Zwei bis drei Mrd. Menschen sind infiziert, bei fünf bis zehn Prozent bricht die Erkrankung auch aus", so Alexander Indra vom Institut für medizinische Mikrobiologie in der Agentur für Gesundheit und Ernährung AGES http://www.ages.at gegenüber pressetext. Vor allem schlechte Ernährung und HIV sorgen für sehr hohe Infektionsraten, erklärt der Experte. "In Mitteleuropa konnte die Erkrankung deutlich zurückgedrängt werden. Hier sind nur etwa zehn bis zwölf pro 100.000 Menschen davon betroffen." Sehr hohe Infektionsraten gebe es auch in Russland, wo es zunehmend zu Multiresistenzen gegen die Erreger kommt. "Eine normale TBC ist mit einer sechs- bis neunmonatigen Antibiotika-Behandlung heilbar", so Indra. Bei multiresistenten Erregern könne sich die Behandlungsdauer aber auf 24 Monate und sogar länger erstrecken, meint der Mediziner abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.english-heritage.org.uk
http://www.ages.at

Weitere Berichte zu: Homo TBC Tuberkulose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie