Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

9,3 Millionen Euro für Kieler Meeres- und Klimaforschung

22.11.2007
Neuer Sonderforschungsbereich untersucht Interaktionen zwischen Klima und Sauerstoffhaushalt des tropischen Ozeans

Kiel als einer der führenden deutschen Standorte für Meeres- und Klimaforschung wird jetzt noch weiter ausgebaut: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat der Christian-Albrechts-Universität (CAU) gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) den neuen Sonderforschungsbereich (SFB) 754: "Klima – Biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean" bewilligt. Damit verbunden sind 9,3 Millionen Euro für die erste vierjährige Förderphase. Offizieller Start ist am 1. Januar 2008.

Über 70 Wissenschaftler des IFM-GEOMAR und der CAU werden in 14 Teilprojekten die Wechselwirkungen zwischen Klima, Ozeanzirkulation und Biogeochemie des tropischen Ozeans untersuchen. "Der Schwerpunkt unseres Projekts ist der Sauerstoff", erklärt der Sprecher des neuen SFB, Professor Douglas Wallace vom IFM-GEOMAR. "Sauerstoff fungiert im Ozean als Schalter, der den Nährstoffhaushalt kontrolliert. Dieser ist wiederum die Basis der marinen Nahrungskette und des Kohlenstoffhaushalts. Der Klimawandel kann diesen Schalter über Änderungen von physikalischen, chemischen und biologischen Prozessen verstellen."

Die Sauerstoffkonzentration in der Atmosphäre ist überall gleich. Im Ozean jedoch verteilt sich der Sauerstoff sehr unterschiedlich, das Zusammenwirken der Einflussfaktoren ist noch nicht vollständig erforscht. Aus der geologischen Vergangenheit sind Zeitabschnitte mit dramatisch reduziertem Sauerstoffgehalt im Ozean bekannt, die extreme Auswirkungen auf die damaligen marinen Ökosysteme hatten. Heute findet man ozeanische Regionen mit geringen Sauerstoffkonzentrationen, so genannte Sauerstoffminimumzonen, nur in den tropischen Ozeanen. Die durch den Klimawandel bedingten Änderungen in den physikalischen und biologischen Prozessen könnten die Größe und Intensität dieser Gebiete drastisch beeinflussen. "Der zukünftige Ozean könnte sich stark biogeochemisch verändern mit positiven und negativen Rückkoppelungseffekten auf das Klima, deren Intensität und Konsequenzen bisher nicht vorhersagbar sind", so Wallace. Der neue SFB soll zum besseren Verständnis dieser Mechanismen beitragen und helfen, eine quantitative Basis zu definieren. Kernfragen sind: Wie reagieren tropische Sauerstoffminimumzonen auf Klimaänderungen und Änderungen in der Ozeanzirkulation? Wie verhalten sich Senken und Quellen von Nährstoffen bei Veränderungen im Sauerstoffgehalt? In welchem Ausmaß und in welcher Zeit veränderte und verändert sich der ozeanische Sauerstoff- und Nährstoffhaushalt?

Diese Fragen klären Ozeanographen, Marine Ökologen, Molekularbiologen, Biogeochemiker, Paläoozeanographen und Geologen sowie Klimaforscher. "Die Expertise in diesem Bereich ballt sich in Kiel", betont der Rektor der Kieler Universität, Professor Thomas Bauer. "Zuletzt mit dem Exzellenzcluster 'Ozean der Zukunft' und jetzt mit dem neuen SFB wird unser Forschernetzwerk immer dichter."

Weitere internationale Kooperationen, insbesondere auch mit Forschern auf den Kapverden und in Peru, den Hauptarbeitsgebieten dieses SFB, sollen die Projekte ergänzen. "Die Kieler Meeresforschung ist erstklassig aufgestellt, global ausgerichtet und bestens vernetzt, was uns international zu einem führenden und gefragten Partner macht", ergänzt Professor Peter Herzig, Direktor des IFM-GEOMAR.

"Mit der Einwerbung dieses – mittlerweile siebten aktuellen – Sonderforschungsbereichs für Kiel wird die Exzellenz des Wissenschaftsstandorts Schleswig-Holstein ein weiteres Mal bestätigt. Gleichzeitig ist es ein großer Beitrag zum Ausbau der Expertise und zur Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern", so Wissenschaftsminister Dietrich Austermann. Die Hälfte der Forschungsmittel ist für zusätzliches Personal vorgesehen, das die Kieler Forscher bei der Verwirklichung unterstützen wird.

Ein Sonderforschungsbereich ist ein langfristiger, bis zu 12 Jahre laufender Forschungszusammenschluss einer Hochschule, in der Wissenschaftler im Rahmen fachübergreifender Forschungsprogramme zusammenarbeiten. Zwei Sonderforschungsbereiche zum Thema Ozean wurden bzw. werden bereits von der Uni Kiel und dem IFM-GEOMAR gemeinsam verfolgt: von 1996 bis 2006 der SFB 460 zu Schwankungen der Wassermassenbildungs- und Transportprozesse im subpolaren Nordatlantik und seit 2003 der SFB 574 zu gekoppelten Prozessen an den Subduktionszonen vor der mittelamerikanischen Küste. Zusätzlich hatte die DFG im Oktober 2006 den Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" für Kiel bewilligt, in dem ebenfalls im großen Stil interdisziplinär am Thema Ozean gearbeitet wird.

Kontakt:
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR
Prof. Dr. Douglas W. R. Wallace
Tel.: 0431/600-4200, Fax: 0431/600-4202
E-Mail: dwallace@ifm-geomar.de
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse und Kommunikation, Leiterin: Susanne Schuck, Text: Sandra Ogriseck
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de, Internet: www.uni-kiel.de
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR
Leitungsangelegenheiten und Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Andreas Villwock Wischhofstr. 1-3, D-24148 Kiel, Telefon: (0431) 600-2802,
Telefax: (0431) 600-2805
E-Mail: avillwock@ifm-geomar.de, Internet: www.ifm-geomar.de
Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes
Schleswig-Holstein
Pressesprecher, Harald Haase
Telefon: (0431) 988-4420, Telefax: (0431) 988-4705, E-Mail: harald.haase@wimi.landsh.de

Internet: www.wirtschaftsministerium.schleswig-holstein.de

Sandra Ogriseck | Christian-Albrechts-Universität
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de
http://www.uni-kiel.de
http://www.wirtschaftsministerium.schleswig-holstein.de

Weitere Berichte zu: IFM-GEOMAR Meereswissenschaft Ozean

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Forscher gehen Sumatra-Erdbeben auf den Grund
29.05.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht Neue Erkenntnisse zum Meeresspiegel-Anstieg
26.05.2017 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise