Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

25 Jahre Forschung in den Eismeeren mit dem Forschungsschiff Polarstern

22.11.2007
Das Eis brechende Forschungsschiff Polarstern feiert am 9. Dezember 2007 sein 25-jähriges Dienstjubiläum.

Das leistungsfähigste Polarforschungsschiff der Welt ist seit 1982 für das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft in der Arktis und Antarktis unterwegs. 7600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 36 Nationen haben an Bord von Polarstern Erkenntnisse über die Polarmeere gewonnen, ohne die das heutige Verständnis des Systems Erde nicht möglich wäre.

Polarstern bietet internationalen und interdisziplinären Forscherteams optimale Arbeitsmöglichkeiten und einen sicheren Transport in den Eismeeren. Zurzeit ist Polarstern im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/08 auf dem Weg in die Antarktis. Die Geburtstagsfeier wird am 28. November im Museum für Naturkunde in Berlin mit einer Festrede von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel stattfinden.

Eine Fülle von Erkenntnissen, beispielsweise über das vergangene Klima oder die weitgehend unerforschte Tiefsee, verdankt die internationale Forschung dem Einsatz von Polarstern. Das größte deutsche Forschungsschiff wurde vom damaligen Bundesministerium für Forschung und Technologie finanziert und wird vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung betrieben. "Expeditionen an Bord von Polarstern liefern seit 25 Jahren wissenschaftliche Ergebnisse, die unser Verständnis für wichtige Teilbereiche des Systems Erde vorangebracht haben", so Prof. Dr. Karin Lochte, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts. Polarstern-Expeditionen sind international und interdisziplinär angelegt, um durch einen optimalen Wissensaustausch und Datengewinn das Verständnis für die Polargebiete voranzutreiben. Polarstern bietet Platz für bis zu 55 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die außer einer Koje moderne Labors, Aquarien und Messgeräte vorfinden aber auch eigene Geräte mitbringen und rund um die Uhr arbeiten können. Auf den langen Forschungsreisen muss Polarstern völlig autark sein und die Besatzung muss aufwändigere Reparaturarbeiten durchführen können. Polarstern versorgt auch die ganzjährig betriebene Neumayer-Station in der Antarktis mit Lebensmitteln, Material und Treibstoff.

Polarforschung ist Klimaforschung
Trotz der immensen Bedeutung der Polargebiete für das Klima und umfassender Forschungsaktivitäten in der Vergangenheit sind in den polaren Ozeanen noch viele Fragen unbeantwortet. Nur mit einer zuverlässigen Logistik ist es möglich, diese lebensfeindlichen Gegenden zu bereisen und zu untersuchen. Polarstern ist weltweit das einzige Schiff, das ganzjährig gezielte Forschung in den Polarmeeren ermöglicht. "Nur wenn wir Langzeitdaten aus diesen schwer zugänglichen Regionen haben, können wir Veränderungen erkennen und Prognosen erstellen. Die Daten aus den Ozeanen, aus dem Meereis und der darüber liegenden Atmosphäre erlauben internationalen Wissenschaftlerteams Modelle zu erstellen, die wir benötigen, um uns auf die zukünftige Lebenssituation auf der Erde einzustellen", sagt Dr. Eberhard Fahrbach, wissenschaftlicher Koordinator der Polarstern-Expeditionen. Studenten und Doktoranden sind regelmäßig auf Polarstern im Einsatz, um Polarforschung in der Praxis zu erlernen und Daten für Diplom- und Doktorarbeiten zu erheben. Um auch die Öffentlichkeit an der Polarforschung teilhaben zu lassen, begleiten hin und wieder Medienvertreter, Lehrer und Künstler einzelne Polarstern-Fahrten.
Ergebnisse aus 25 Jahren Polarstern-Expeditionen
Die bislang 45 Polarexpeditionen haben einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der Umwelt geliefert. Die faszinierenden Lebensgemeinschaften in der Tiefsee wurden mit Hilfe von Robotern untersucht, die auf Polarstern zum Einsatz kamen. Nachdem in der Antarktis ein 10.000 Quadratkilometer großes Stück des Larsen-Schelfeises abgebrochen war, konnten Meeresbiologen im Winter 2006/2007 erstmals einen Blick in den bis dahin völlig unbekannten Lebensraum unter dem Eis werfen.

Verankerte und driftende Messplattformen, die auf Expeditionen im Arktischen und Südlichen Ozean ausgesetzt wurden, liefern über mehrere Jahre Daten über Salzgehalt, Temperatur und Strömung, auch im Winter und unter dem Meereis. Ozeanographen am Alfred-Wegener-Institut untersuchen an Hand dieser Daten, welche Auswirkungen die momentanen Klimaänderungen auf die polaren Ozeane und auf die weitere globale Klimaentwicklung haben werden. Der Betrieb dieser Beobachtungssysteme setzt eine kontinuierliche Wartung und ein zuverlässiges Polarforschungsprogramm voraus.

Großes Aufsehen haben die Winterexpeditionen erregt. Normalerweise ist Polarstern im europäischen Sommer in der Arktis (arktischer Sommer) und im Winter in der Antarktis (antarktischer Sommer) unterwegs, jedoch wurden auch mehrere Forschungsfahrten im Winter der jeweiligen Polarregion durchgeführt. Diese Untersuchungen sind technisch sehr aufwändig, aber von essentieller Bedeutung, da nur so ein ganzer Jahreszyklus in den polaren Lebensräumen beobachtet werden kann. Zuletzt hat Polarstern 2005/2006 ein ganzes Jahr in der Antarktis verbracht, um die Entwicklung des Meereises und der damit verbundenen Lebensgemeinschaften zu erforschen. Ein wichtiger Teil der polaren Tierwelt ist der Antarktische Krill. Diese Krebstierart ist nicht nur die wichtigste Nahrungsgrundlage vieler Meeressäuger, sondern birgt auch kommerzielle Nutzungsmöglichkeiten.

Die Geowissenschaftler verdanken ihre heutigen Erkenntnisse über die Entstehung der polaren Ozeane den seismischen Untersuchungen mit der Polarstern. Die Öffnung und Schließung von Meeresbecken hatte einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Lebens und des Klimas in den jeweiligen Erdzeitaltern. Sedimentkerne, die an Bord von Polarstern gewonnen wurden, eröffnen einen Blick in die Klimageschichte der Erde.

Polarstern im Internationalen Polarjahr 2007/08
Gegenwärtig ist Polarstern im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/08 im Einsatz. Im Polarjahr beschäftigen sich über 50.000 Wissenschaftler und Techniker in mehr als 230 internationalen Forschungsprojekten mit drängenden Fragen der Polar- und Klimaforschung. Viele dieser Forschungsvorhaben sind auf Polarstern als Arbeitsplattform angewiesen.

Am 26. Oktober 2007 hat Polarstern Bremerhaven in Richtung Kapstadt verlassen. Auf dieser Überfahrt untersuchen Meeresbiologen die Artenzusammensetzung und Verteilung von kleinen, im Wasser schwebenden Tieren, dem so genannten Zooplankton. Diese mikroskopisch kleinen Organismen sind die Nahrungsgrundlage vieler Fische und damit ein essentieller Bestandteil des Nahrungsnetzes im Meer. Die Meeresbiologen erwarten, dass sie im Rahmen des Projekts "Census of Marine Zooplankton" zahlreiche neue Planktonarten entdecken werden. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kapstadt wird Polarstern am 28. November 2007 in Richtung Antarktis aufbrechen.

Polarstern - 25 Jahre Forschung in Arktis und Antarktis
Anlässlich des Jubiläums erscheint Ende November das Buch "Polarstern - 25 Jahre Forschung in Arktis und Antarktis" im Delius Klasing Verlag (ISBN Nummer 978-3-7688-2433-0). Herausgeber sind mit Dieter Karl Fütterer und Eberhard Fahrbach zwei Wissenschaftler, die zahlreiche Expeditionen in die Arktis und Antarktis geleitet haben. Sie haben über 50 Polarsternreisende aus Crew und Wissenschaft zusammen gebracht, um vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Ergebnisse die schönsten, aufregendsten und auch schwersten Momente an Bord von Polarstern festzuhalten.

Hinweise für Redaktionen:

Ihre Ansprechpartner sind Dr. Eberhard Fahrbach (Tel. 0471/4831-1820, E-Mail: Eberhard.Fahrbach@awi.de) und Dr. Dieter Fütterer (Tel. 0471/4831-1202, E-Mail: Dieter.Fuetterer@awi.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Susanne Diederich (Tel. 0471/4831-1376, E-Mail: Susanne.Diederich@awi.de).

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an der Jubiläumsveranstaltung mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am 28. November um 18.30 Uhr im Naturkundemuseum Berlin teilzunehmen. Um 18.30 Uhr wird es einen kurzen Fototermin vor dem Modell der Polarstern geben. Eine Anmeldung mit Angabe von Name, Vorname und Geburtsdatum ist erforderlich bis Freitag, 23. November, 12 Uhr, bei: Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742, E-Mail: Angelika.Dummermuth@awi.de).

Eine Pressemitteilung zu der Antarktisexpedition, die am 28.11. beginnt, versenden wir am 26.11.2007.

Rezensionsexemplare des Buches "Polarstern - 25 Jahre Forschung in Arktis und Antarktis" erhalten Sie beim Verlag Delius Klasing bei Christian Ludewig (Tel. 0521/559902, E-Mail: c.ludewig@delius-klasing.de).

Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter: http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/

Sendefähiges Filmmaterial senden wir Ihnen auf Anfrage gerne zu. Weitere Informationen zu Polarstern und den aktuellen Expeditionen finden Sie unter:

http://www.awi.de/de/infrastruktur/schiffe/polarstern/

Technische Daten Polarstern
Bau: Howaldtswerke/ Deutsche Werft, Kiel
Werft: Nobiskrug, Rendsburg
Eisbrechkonzept: Hamburgische Schiffbau-Versuchsanstalt
Länge über alles: 118 Meter
Breite auf Spanten: maximal 25 Meter
Seitenhöhe bis Hauptdeck: 13,6 Meter
Tiefgang: maximal 11,2 Meter
Verdrängung bei maximalem Tiefgang: 17.300 Tonnen
Leergewicht: 11.820 Tonnen
Motorleistung (4 Maschinen): circa 14.000 Kilowatt (20.000 PS)
Reisegeschwindigkeit: 12 Knoten
Mit dem Schiffsbetrieb beauftragt: Reederei F. Laeisz
Expeditionsdaten Polarstern
Kosten der Herstellung (1982): 100 Millionen Euro
Betriebskosten pro Tag: 54.000 Euro
Besatzung: maximal 44 Personen
Wissenschaft: maximal 55 Personen
Arktisreisen: 22
Antarktisreisen: 24 (am 26. Oktober 2007 hat die 24. Antarktisreise begonnen)
Zurückgelegte Seemeilen: 1.252.330 beim Einlaufen in Kapstadt am 26. November
Expeditionsteilnehmer: 7600 Personen aus 36 Ländern
Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de/de/infrastruktur/schiffe/polarstern/
http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/

Weitere Berichte zu: Antarktis Arktis Expeditionen Forschungsschiff Ozean Polarjahr Polarstern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise