Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Stück Würfelzucker im Bodensee nachweisen

22.04.2002


AWI-Messgerät auf der Analytica 2002

Auf der diesjährigen Analytica, die vom 23. bis 26. April in München stattfindet, stellt das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) ein neu entwickeltes wissenschaftliches Analysegerät vor. Am Stand der Firma Perkin Elmer, mit der das AWI schon lange zusammen arbeitet, zeigt die Arbeitsgruppe Geophysik die neue Probenkammer "Cryolac", die eine sehr nachweisstarke und hochauflösende Elementanalyse gefrorener Eisproben erlaubt. Entwickelt und gebaut wurde das Gerät am AWI mit dem Ziel, Eisbohrkerne in einer besseren Auflösung als bisher zu untersuchen. Inzwischen meldete das AWI die Kammer zum Patent an. Bei der Firma Ludolph in Bremerhaven kann sie nun bestellt werden.

Anlass für den Bau des Gerätes war die Notwendigkeit, die in Grönland erbohrten Eiskerne zu untersuchen. Das alte Eis in der Tiefe enthält winzige Mengen an Spurenstoffen, die Auskunft geben über die Klimaverhältnisse früherer Zeiten. Je tiefer die Eisschicht, aus der eine Probe stammt, um so stärker ist das Eis zusammen gedrückt. Deshalb wurde nach einer Methode gesucht, eine möglichst kleine Menge Eis auf Spurenstoffe zu untersuchen.

Bisher mussten für eine Analyse etwa fünf Gramm Eis geschmolzen werden. Das neue Verfahren erfordert nur noch eine Probenmenge von 1,5 Milligramm, was fünfzehn hundertstel Gramm entspricht. Diese Eismenge wird in der auf -45°C tiefgekühlten Probenkammer mit einem Infrarot-Laser von der Probenoberfläche abgetragen und in einem 10000°C heißen Plasma ionisiert. Die Ionen werden dann in einem Massenspektrometer auf bewährte Weise gezählt.

Das Verfahren heißt "Laserablation induktiv gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie" (LA-ICP-MS). Damit können geringste Elementgehalte in Eisproben mit einer bisher nicht erreichten Auflösung auch in tiefen Eisschichten gemessen werden. Zur Kalibration des Systems wurden Lösungen in verschiedenen Konzentrationen nach einem speziellen Präparationsweg eingefroren. Mit den hergestellten Eisstandards konnten erfolgreich quantitative Analysen für 62 Isotope direkt aus dem Feststoff durchgeführt werden. Die erreichten Nachweisgrenzen betragen je nach Element ein Nanogramm Spurenstoff pro Kilogramm Eis.
"Damit können wir im Prinzip ein Stück Würfelzucker im Bodensee nachweisen", beschreiben Dr. Michael Kriews und Dr. Heiko Reinhardt, Chemiker am AWI, das Erreichte. Nur eine so hohe Auflösung ermöglicht es, mit extrem kleinen Probenmengen zu arbeiten.

Mit dieser neuen Methode sind in Zukunft auch Untersuchungen an biologischen Materialien vorgesehen, die zu diesem Zweck tiefgefroren werden. Die räumliche Verteilung von Spurenelementen in Gewebeproben kann so gemessen werden. Eine interessante Anwendung ist die Messung des Metallabriebs künstlicher Gelenke. Auch in der Tumorforschung und in der Gerichtsmedizin sind Anwendungen denkbar.

Dipl.-Ing. Margarete Pauls | idw

Weitere Berichte zu: AWI Bodensee Spurenstoff Würfelzucker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klimawandel: Bäume binden im Alter große Mengen Kohlenstoff
17.08.2017 | Universität Hamburg

nachricht Neue Grundlagen für die Verbesserung von Klima-und Vegetationsmodellen
08.08.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten