Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kult oder Bestattung? Kopfüber vergrabenes Skelett gefunden

17.04.2002


Alles andere als routinemäßig ist eine Ausgrabung unter der Regie des Lehrstuhls für Vor- und Frühgeschichte der Uni Würzburg verlaufen: In der Kreisgrabenanlage von Ippesheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) kamen die Überreste eines Menschen zutage, der vor ungefähr 6.700 Jahren kopfüber eingegraben wurde.

"Wir haben den Schädel und die Hände gefunden. Der Rest des Skeletts ist durch die Jahrhunderte lange Beackerung und die damit verbundene Erosion verloren gegangen", so Prof. Dr. Wolfram Schier, der die Grabung mit seiner Assistentin Dr. Gabriele Albers und 18 Studierenden durchgeführt hat.

Ein Mensch, der in grauer Vorzeit mit dem Kopf nach unten in eine enge Grube gesteckt wurde - das regt die Phantasie doch ungemein an: Wurde der Mann - oder die Frau - auf diese Weise einfach nur bestattet? Oder handelte es sich um ein kultisches Opfer? Wurde der Mensch vielleicht sogar bei lebendigem Leibe vergraben?

Professor Schier bremst alle vorschnellen Spekulationen: "Sicher ist bislang nur, dass dieser Mensch etwa 4600 oder 4700 Jahre vor Christi Geburt eingegraben wurde. Das können wir schon jetzt so genau sagen, weil bei dem Skelett ein Tongefäß lag, das sich zeitlich einordnen lässt." Auffällig sei allerdings, dass sich das Skelett genau in der Mitte der Kreisgrabenanlage befand - das könnte man als Hinweis auf eine Kulthandlung deuten.

Die Kreisgrabenanlage von Ippesheim, an der die Würzburger Vor- und Frühgeschichtler seit einigen Jahren arbeiten, datiert auf die Zeit um 4800 vor Christus und hat einen Durchmesser von 65 Metern. Weitere Anlagen dieser Art existieren im Südosten Mitteleuropas, die Ippesheimer ist die am weitesten westlich gelegene.

Die Kreisgrabenanlagen bestanden aus bis zu drei konzentrisch angeordneten kreisförmigen Gräben mit jeweils nach Norden, Osten, Süden und Westen ausgerichteten Erdbrücken. Bei manchen dieser Anlagen, so auch bei der Ippesheimer, waren zusätzlich zu den Gräben Palisaden aus senkrecht stehenden Holzpfosten errichtet.

"Bis heute ist unklar, ob es sich um Kult- oder Verteidigungsanlagen handelte", sagt Schier. Vielleicht bringt hier ja das Skelett von Ippesheim neue Erkenntnisse: Es wurde nach seiner Bergung ins Nürnberger Landesamt für Denkmalpflege gebracht. Nun soll ein Anthropologe eingeschaltet werden. Dieser Spezialist kann laut Prof. Schier zum Beispiel klären, ob der Mensch bereits tot war, als er in die Grube gelegt wurde. Die Untersuchungen werden mehrere Wochen dauern.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Wolfram Schier, T (0931) 31-2800, Fax (0931) 888-7051, E-Mail: 
wolfram.schier@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Bestattung Kreisgrabenanlage Skelett

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde
23.01.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie