Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der älteste Krebs

04.10.2007
In 520 Millionen Jahre alten Gesteinen des Unterkambriums in der chinesischen Provinz Yunnan wurden fossile Überreste einer neuen Tierart gefunden, die den bislang ältesten Repräsentanten der modernen Krebse, Crustacea darstellt.

Zu dieser fast 100.000 Arten zählenden Gliedertiergruppe zählen u. a. Garnelen, Hummer, Krabben, Seepocken und Wasserflöhe. Die Fossilien sind außergewöhnlich gut erhalten. Man kann außer dem dreidimensional überlieferten Körper auch Augen, Beinanhänge und sogar die Borsten an den Beinen erkennen.

Die neue Art, die durch mehrere Wachstumsstadien vertreten ist, war sehr kleinwüchsig, die Überreste deuten auf eine Größe von wenigen Millimetern. Crustacea sind erdgeschichtlich seit knapp 480 Millionen Jahren nachgewiesen, also bis ins frühe Ordovizium, einige seltene Funde sind sogar dem ausgehenden Kambrium, also einer Zeit vor rund 505 Millionen Jahren zugeordnet. Der neue Fund aus dem unteren Kambrium stellt damit den ersten unzweifelhaften modernen Krebs dar. Dies lässt sich insbesondere an der Beinmorphologie, aber auch vielen anderen Übereinstimmungen mit bestimmten Formen innerhalb der heutigen Krebse, wie den Kiemenfüßern, Ruderfußkrebsen oder den winzigen, blinden Cephalocarida begründen.

Die neue Art wurde nach der ethnischen Minderheit der 'Yi' Yicaris dianensis benannt, die im südlichen China in historischer Zeit im Königreich Dian lebten, in dessen Region die Fundstellen der Fossilien liegen. Das hohe Alter von Yicaris und seine verwandtschaftliche Nähe zu den heutigen Vertretern der Krebse ist ein neuerlicher Hinweis darauf, dass die Wurzeln der Gliederfüßer insgesamt weit vor dem Kambrium lagen, also in einer Zeit, aus der immer noch keine körperlichen Tierfossilien vorliegen. Ein bedeutendes Detail des neuen Fundes sind kleine blattartige Auswüchse außen an den Körperbeinen. Nach Ansicht einiger Autoren sollen die Flügel der Fluginsekten aus derartigen Strukturen hervorgegangen sein. Der kambrische Nachweis solcher extrem weicher und bisher nicht an Fossilien gefundenen Anhängen ist daher ein wichtiger Beitrag in der Debatte um die Evolution der geflügelten Gliederfüßer, die heute die Mehrzahl aller tierlichen Lebewesen darstellen.

Die Studie der Wissenschaftler aus Kunming, Leicester und Ulm ist unter dem Titel "An epipodite-bearing crown-group crustacean from the Lower Cambrian"
Xi-guang Zhang, David J. Siveter, Dieter Waloszek & Andreas Maas
in der Zeitschrift Nature veröffentlicht (Nr.449 vom 4.Oktober 2007) .
Prof. Waloszek von der AG Biosystematische Dokumentation an der Universität Ulm meint dazu: "Dieser außergewöhnliche paläontologische Fund aus einer neuen Fundstelle in sogenannter 'Orsten'-Erhaltung (das sind dreidimensional erhaltene Fossilien) verlängert den Nachweis von Krebsen um mehr als 10 Millionen Jahre an die Grenze zum Kambrium. Dies ist für die Evolution der größten Tiergruppen, der Gliederfüßer und der Tiere insgesamt von großer Bedeutung und ein weiterer Beleg gegen die Hypothese von einer "kambrischen Explosion"."
Weitere Informationen: Prof. Dr. Dieter Waloßek und Dr. Andreas Maas
Universität Ulm, AG Biosystematische Dokumentation
Helmholtzstraße 20, 89081 Ulm, Tel. 0731-5031000

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nature/journal/v449/n7162/full/nature06138.html

Weitere Berichte zu: Evolution Fossilien Fund Gliederfüßer Kambrium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie