Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Expeditionsteam entdeckt 150 Dodoknochen in einem "Dodo Massengrab" auf Mauritius

16.08.2007
Bei einer Ausgrabung durch ein gemeinschaftliches europäisch-mauritianisches Forschungsteam wurden im Rahmen des Dodo-Forschungsprogramms in Mare aux Songes auf Mauritius beinahe 150 fossile Knochen des Dodo entdeckt.

Diese Knochen stellen nur einen Teil der mehr als 4000 Knochen dar, die von einer ausgestorbenen Wirbeltierspezies auf Mauritius stammen. Zu dieser Spezies gehören der Riesenpapagei (Lophopsittacus), der Riesenskink (Didosaurus) und die rote Ralle (Aphanapteryx).

Zwei beinahe vollständige Dodo-Skelette und zwei teilweise gegliederte, ausgestorbene Riesenschildkröten wurden an dem Ausgrabungsort gefunden. Dies lässt vermuten, dass das fossile Material bei Mare aux Songes besonders gut erhalten ist und als solches einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis der Geschichte und Entwicklung der auf Mauritius einheimischen Flora und Fauna darstellt. Zusätzliche Funde umfassen einen kompletten Unterkiefer eines Dodo und ungewöhnliches Schädelmaterial der ausgestorbenen Papageien.

Neben der Identifikation des Materials für die morphologische Analyse wurden Knochenproben entnommen, die mit althergebrachten DNS- und Massenspektrometrie-Methoden analysiert wurden. Das Ziel ist das Studium der DNS-Erhaltung in Mare aux Songes und Einblick in den Abbau der DNS im Laufe der Zeit zu gewinnen; eine Frage, die vor allem in feuchten tropischen Gebieten brisant ist.

... mehr zu:
»Ausgrabung »Knochen »Mare »Mauritius »Songes

In Zusammenarbeit mit MSIRI wurden Wasser-, Boden- und mikrobiologische Proben entnommen, um die Bedingungen für die aussergewöhnlich gute fossile Erhaltung in Mare aux Songes zu untersuchen. Neben fossilen Knochen wurden auch versteinerte Baumstämme, Äste und Wurzeln ausgegraben, zu denen ausgestorbene oder aktuell bedrohte Arten auf Mauritius gehören.

Zur Rekonstruktion der Vegetation und Ökologie in Mare aux Songes-Gebiet von vor 4000 Jahren wird eine holzanatomische Untersuchungsmethode eingesetzt. Wachstumsringe im Holz bieten wertvolle Hinweise auf das Klima in der Vergangenheit im Gebiet des Indischen Ozeans. Die Ausgrabung war so erfolgreich und brachte soviel Material zutage, dass die Ressourcen zur Bearbeitung fehlten.

Die Ausgrabung wurde daher vorzeitig abgebrochen.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass es sich beim Schutzgebiet von Dodofossilien bei Mare aux Songes um eine der weltweit ergiebigsten Fossilablagerungen auf einer Insel im Ozean handelt. Der Standort ist nur mehrere tausend Jahre alt und ist das jüngste ungestörte Ökosystem der Welt. Das Schutzgebiet der Dodofossilien ermöglicht es Forschern, einen einzigartigen Einblick in die Funktionalität eines nativen Ökosystems zu einer Zeit zu erhalten, die vor der Besiedlung durch den Menschen liegt.

Dr. Beth Shapiro von der Oxford University (GB) und The Pennsylvania State University (USA) sammelten in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Mauritius Museums Council zusätzliche Proben von vorherigen Ausgrabungen auf Mauritius, um diese DNS-Untersuchungen zu unterziehen. Dazu gehörte eine Probe des einzigen gänzlich vollständigen Dodoskeletts, das sich im Naturhistorischen Museum auf Mauritius befindet. Weitere Proben wurden von dem kürzlich entdeckten, beinahe vollständig erhaltenen, Dodoskelett "Fred" entnommen. Man hofft, dass diese Proben, zusammen mit denen in Mare aux Songes Ausgegrabenen, hochqualitative DNS ergeben, um die Entwicklungs- und Populationsstruktur des Dodo mit modernen genetischen Techniken nachzuvollziehen.

Mithilfe der Geological Service of the Netherlands-TNO wurde die Ausgrabung mit einer holländischen Koog-Entwässerungsmethode ermöglicht. Mit dieser Methode konnte der Wasserspiegel gesenkt und die fossilen Schichten in situ freigelegt werden. Dadurch konnten die wissenschaftlichen Informationen in ihrem geologischen und umweltbestimmten Kontext erfasst werden. Dank dieses Systems können Ausgrabungen vom Festland mehr als 1 Meter unterhalb des natürlichen Wasserspiegels vorgenommen werden.

Die Ausgrabung wird vom WWF Niederlande, dem National Natural History Museum Naturalis, MTMD, University of Amsterdam-IBED, der British Royal Society, dem Percy Sladen Centenary Fund, von BotanicAll und vom Geological Survey of the Netherlands/TNO finanziert. Die Ausgrabung wurde vom Natural Heritage Fund of Mauritius sowie von den Landbesitzern der MTMD genehmigt.

Susanne van Straaten | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.naturalis.nl

Weitere Berichte zu: Ausgrabung Knochen Mare Mauritius Songes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise