Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesteine unter Wasserdruck

09.08.2007
Geothermische Stromerzeugung. Experiment am Geothermielabor Groß Schönebeck: mit hydraulischem Druck wird der unterirdische Wasserzufluss verstärkt.

Experiment am Geothermielabor Groß Schönebeck

Das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) startet am heutigen Donnerstag, dem 09. 08. 2007, eine neue Experimentserie am Geothermieforschungsstandort Groß Schönebeck.

Bei den sogenannten hydraulischen Stimulationsexperimenten werden große Mengen Wasser unter hohem Druck in einer 4,4 km tiefen Bohrung in den Untergrund verpresst. Natürlich vorhandene Klüfte und Risse im Gestein sollen so durch den Wassserdruck erweitert und zusätzliche Fließwege erzeugt werden. Die Dauer dieser Experimente wird etwa sechs Wochen betragen. Bereits 2003 fanden nach diesem Konzept erfolgreiche Tests in einer am Standort vorhandenen zweiten Bohrung statt, bei der seinerzeit 12 Millionen Liter Wasser in den Untergrund gepumpt wurden.

Das Geothermieexperiment in Groß Schönebeck hat als Ziel, die Erdwärme nicht einfach zum Heizen, sondern zur Stromerzeugung zu benutzen. Dafür soll das im Gestein enthaltene natürliche Tiefenwasser aus einem Bohrloch gefördert, im zukünftigen Geothermiekraftwerk genutzt und dann im zweiten Bohrloch wieder hinuntergepumpt werden - ein geschlossener Wasserkreislauf.

"Erst in einer Tiefe von mehr als 4 Kilometern trifft man unter hiesigen geologischen Bedingungen auf die zur Stromerzeugung erforderlichen Mindesttemperaturen von 150 °C. Um unter diesen Bedingungen eine Stromerzeugungsanlage erfolgreich betreiben zu können, muss möglichst viel Tiefenwasser aus dem heißen Gestein gefördert werden", erklärt der Projektleiter Dr. Ernst Huenges vom GFZ Potsdam. "Je durchlässiger das Gestein, desto mehr Wasser fließt durch das Reservoir zur Förderbohrung."

Die Stimulation wird in drei Injektionsphasen in verschiedenen Gesteinsschichten durchgeführt. Dass es bei dieser Aktion zu schwachen Erdbeben kommt, hält Ernst Huenges für ausgeschlossen: "Wir haben ein solches Experiment ja schon 2003 an diesem Standort mit seinem für das Norddeutsche Becken typischen Sedimentgesteinen durchgeführt - ohne spürbare seismische Aktivität." Routinemäßig wird der Fortgang des Hydrofrac-Experiments mit hochsensiblen seismischen Messgeräten überwacht. Ein über Monate dauerndes Langzeitexperiment zwischen den beiden Bohrungen soll anschließend den Erfolg der Stimulation überprüfen und den erhöhten Wassserzufluss dokumentieren.

Am GFZ-Geothermielabor in Groß Schönebeck werden seit 2001 wissenschaftliche Experimente und Untersuchungen zur Nutzung der Erdwärme für die Stromversorgung durchgeführt. Dazu wurde zuerst eine frühere Erdgasbohrung aus den 90er Jahren vom GFZ Potsdam wieder geöffnet und auf 4,3 Kilometer Tiefe erweitert. Im Januar 2007 wurde eine zweite 4,4 Kilometer tiefe Bohrung abgeschlossen, in der jetzt die Stimulationsarbeiten stattfinden.

Franz Ossing | idw
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/news/foto/Geothermielabor/inhalt.html

Weitere Berichte zu: Bohrung GFZ Gestein Stimulation Stromerzeugung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Grazer Forscher stellen Methode zur dreidimensionalen Charakterisierung vulkanischer Wolken vor
14.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Rest-Spannung trotz Megabeben
13.12.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik