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Das Larsen - Schelfeis zerfällt

25.03.2002


Freiburger Antarktisforscher beobachten den wärmsten Sommer seit langem

Erneut haben Forscher weltweit den Abbruch einer riesigen Schelfeistafel am Ostrand der Antarktischen Halbinsel beobachtet. Wissenschaftler am Institut für Physische Geographie der Universität Freiburg untersuchen die Entwicklung von Gletscher und Eisflächen. Sie sind im Rahmen des internationalen Forschungsverbundes GLIMS (Global Land Ice Measurement from Space) verantwortlich für den gesamten Bereich der Antarktischen Halbinsel, in dem der jüngste, spektakuläre Hinweis auf die Klimaänderung in der Antarktis stattfand.

Der außerordentlich rasche Zerfall des Larsen-Schelfeises innerhalb der vergangenen Wochen war jedoch keineswegs überraschend, sondern ein weiteres Glied in einer langen Kette von Ereignissen: Bereits seit 1995 wird die dramatische, nach Süden hin fortschreitende Auflösung der Eistafel beobachtet. Insgesamt verkleinerte sich dabei das Larsen-Schelfeis um annähernd 10.000 km² - rund die zwanzigfache Fläche des Bodensees. Der Kollaps des Larsen-Schelfeises ist jedoch nur das spektakulärste Zeichen des Klimawandels im Bereich der Antarktischen Halbinsel.

Die meteorologischen Aufzeichnungen der wenigen Messstationen belegen für die vergangenen 50 Jahre einen kontinuierlichen Anstieg der Temperaturen um rund 2.5°C auf der Antarktischen Halbinsel. Damit zählt das Gebiet zu den sich am schnellsten erwärmenden Regionen der Erde. Für weite Bereiche der unzugänglichen Halbinsel liegen jedoch keine Temperaturmessungen vor, weshalb die Spezialisten am Institut für Physische Geographie Satellitenbilder zur Analyse der Klimaentwicklung verwenden.

Im Rahmen dieser Forschungsaktivitäten beobachten sie neben dem Zerfall der Schelfeise zahlreiche weitere Signale eines sich beständig wandelnden Klimas in diesem Raum. Anders als die spektakulären Großereignisse tragen weniger auffällige Entwicklungen wie verstärkte Schmelzprozesse während der Sommermonate und die weiträumig zu verzeichnenden Gletscherrückzüge sehr wohl zum globalen Meeresspiegelanstieg bei.

Die bisherige Entwicklung legt den Schluss nahe, dass der gegenwärtige Zerfall des Larsen-Eisschelfs noch nicht abgeschlossen ist, sondern in den kommenden Jahren nach Süden hin fortschreiten wird.

Die Änderungen in der Antarktis haben jedoch nicht nur Konsequenzen auf die klimatischen und glazialen Teilsysteme der Region selbst, sondern lassen erhebliche Auswirkungen für das weltweite Wetter- und Klimasystem erwarten. Die genaue Bestimmung dieser Abhängigkeiten ist deshalb dringend erforderlich um verlässliche Aussagen über die Klimaänderungen in besiedelten Regionen und den besonders gefährdeten Küstenregionen treffen zu können.


Kontakt:

Prof. Dr. Hermann Goßmann
Frank Rau
Dr. Helmut Saurer
Steffen Vogt

Institut für Physische Geographie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Werderring 4
79085 Freiburg
Tel.: 0761/203-3550
Fax: 0761/203-3596
E-Mail: frank.rau@ipg.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipg.uni-freiburg.de
http://www.ipg.uni-freiburg.de/forschung/ap3/antarctica

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