Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUBIN Geowissenschaften: Ballermann war besser für Mallorca

03.04.2007
Ballermann war besser
Missverstanden: Nachhaltiger Tourismus auf Mallorca
RUBIN Geowissenschaften ist erschienen

Ballermann, Betonburgen, Billigtourismus: Von diesem Negativimage will Mallorca weg, hin zum umweltverträglicheren, hochwertigen und teuren Qualitätstourismus auf einer grünen, behüteten Insel. 50.000 Menschen haben kürzlich gegen den Massentourismus auf Mallorca demonstriert. Aber ist der Qualitätstourismus tatsächlich verträglicher als der Massentourismus? Langjährige Studien zur Landschaftsveränderung auf Mallorca zeigen das Gegenteil, wie Prof. Dr. Thomas Schmitt (Geographisches Institut, Landschaftsökologie und Biogeographie) in RUBIN Geowissenschaften berichtet. Die aktuelle Sonderausgabe des Wissenschaftsmagazins der RUB ist jetzt erschienen.

Beitrag mit Bildern im Internet

Den gesamten Beitrag mit Bilder finden Sie im Internet unter: http://www.rub.de/rubin

Ausverkauf der Insel

Der Vergleich von Luftbildern aus den 1960er, den 1990er Jahren und 2004 illustriert die erschreckende Entwicklung besser als alle Zahlen. Wo ursprünglich Wälder, Steilküsten, Garrigue (Strauchheiden) und Macchie (Gebüschformationen) zu finden waren, reihen sich heute die Zweitwohnsitze mit ihren zahllosen Swimmingpools und machen sich Golfplätze breit. Das bedeutet nicht nur den Verlust ursprünglicher Biotoptypen als Lebensraum und Erholungswert - auch für Touristen -, sondern auch einen Ausverkauf der Insel. In einigen Gemeinden beträgt der Anteil der Zweitwohnsitze über 60 Prozent. Darüber hinaus kämpft Mallorca seit Jahren mit einem ernsten Wasserproblem.

Jedem Haus sein Pool, jedem Ort sein Golfplatz

Wo jeder Ferienhausbesitzer seinen Rasen bewässert und seinen eigenen Pool füllt, wo Golfplätze satt grün sein sollen, steigt der Wasserverbrauch: Während viele der ländlichen Gemeinden nur einen Pro-Kopf-Verbrauch von weit weniger als 100 l Wasser pro Tag verzeichnen, beläuft sich der Konsum in zahlreichen touristischen Gemeinden auf mehr als 250 l pro Kopf und Tag, gelegentlich sogar über 400 l. Der tägliche Wasserbedarf eines Golfplatzes von bis zu 2000 cbm entspricht dem Tagesverbrauch eines Ortes mit ca. 8000 Einwohnern.

Der Wasserverbrauch ist in touristisch geprägten Gemeinden im Sommer doppelt so hoch wie im Winter. "Das ökologische Gleichgewicht von Grundwasserneubildung und Grundwasserentnahme ist auf Mallorca auf lange Sicht verloren", stellt Prof. Schmitt fest. Aufgrund des sinkenden Grundwasserspiegels dringt Meerwasser in die Brunnen ein; der Salzgehalt des Trinkwassers erreichte bedenkliche Konzentrationen. Erst der Bau einer Meerwasserentsalzungsanlage schaffte Abhilfe. "Man darf aber nicht vergessen, dass die Versorgung mit dem elementarsten 'Lebensmittel' in Abhängigkeit von einer Hightech-Anlage geraten ist", so Schmitt.

Massentourismus ist ökologisch und ökonomisch besser

Unter ökologischen Aspekten war der pure Massentourismus aufgrund seiner räumlichen Beschränkung eindeutig umweltverträglicher als das mallorquinische Modell des Qualitätstourismus, das landschaftlich und ökologisch zerstörerisch wirkt und daher auch ein enormes ökonomisches Schadenspotenzial in sich birgt, haben langjährige Studien des Geographen ergeben. "Der große Unterschied zwischen traditionellem Massen- und neuem Prestigetourismus besteht darin, dass der Massentourismus sehr viel höhere Einnahmen bei gleichzeitig sehr viel geringerem Landschaftsverbrauch erzielt", fasst Prof. Schmitt zusammen. "Eine bessere Lösung als die Erschließung immer neuer Gebiete für den Tourismus wäre die Qualitätsverbesserung in bestehenden Gebieten mit dem Ziel gleich bleibender Gästezahlen."

Themen in RUBIN Geowissenschaften

In der Sonderausgabe RUBIN Geowissenschaften finden Sie folgende Themen. Klimawandel in der Erdgeschichte: Kreidezeit war Treibhauswelt; Damit der Salat nicht so schwer im Magen liegt: Schadstoffe im Boden festsetzen; Qualitätstourismus auf Mallorca: "Ballermann" war besser; Von hohen Löslichkeiten in tiefer Erde: Des Wassers steinerne Fracht; Erdbebenschäden in über zehn Kilometer Tiefe: Gesteine mit Erinnerungsvermögen; Oberfläche bestimmt Kristalleigenschaft: Gesichtsverlust und Stachelaufbau; Stadtstruktur und Wasserqualität: Chinas Megacities geht das Wasser aus. RUBIN Geowissenschaften ist zum Preis von 5 Euro im Dekanat der Fakultät für Geowissenschaften erhältlich und steht im Internet unter: http://www.rub.de/rubin.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Thomas Schmitt, Geographisches Institut der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28377, E-Mail: thomas.schmitt@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin

Weitere Berichte zu: Geowissenschaft Mallorca Massentourismus Qualitätstourismus RUBIN

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

nachricht Unterschiedliche Erwärmung von Arktis und Antarktis: Forscher sieht Höhenunterschied als Ursache
18.05.2017 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten