Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Endlagerung radioaktiver Abfälle

26.03.2007
Unabhängige Expertengruppe begrüßt Schweizer Verfahren zur Endlagerauswahl
BfS leitet Expertengruppe Schweizer Tiefenlager

Das von der Schweiz im Entwurf vorgelegte Konzept für die Suche nach Endlagern für radioaktive Abfälle entspricht dem derzeit gültigen internationalen Stand von Wissenschaft und Technik.

Dieses Fazit zieht die vom deutschen Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) geleitete Expertengruppe Schweizer Tiefenlager in einem Gutachten, das die Experten im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) erarbeitet und jetzt der Begleitkommission für die Schweizer Endlagersuche übergeben haben.

"Das von der Schweiz erarbeitete Konzept ist klar strukturiert und verspricht ein transparentes und ergebnisoffenes Verfahren, wie es schon in ähnlicher Art und Weise in Schweden und Finnland durchgeführt wurde, erklärte Ulrich Kleemann, Leiter der Expertengruppe, heute in Salzgitter. Die Experten attestieren dem Konzept insgesamt, die notwendigen Schutzziele innerhalb internationaler Bandbreiten und auf vergleichsweise hohem Sicherheitsniveau zu berücksichtigen.

Zentraler Ausgangspunkt des vom Schweizerischen Bundesamt für Energie erarbeiteten und jetzt von der Expertengruppe Schweizer Tiefenlager bewerteten Konzeptes zum "Sachplan geologische Tiefenlager" ist die Entsorgung radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen. Das Konzept sieht weiter vor, die Zahl alternativer Standorte auf Basis wissenschaftlich-technischer und planerischer Erwägungen einzuengen. Bei der Endlagerwahl werden neben sicherheitstechnischen Kriterien als oberster Priorität auch eine Reihe weiterer Aspekte berücksichtigt wie z.B. Raumplanung, Sozioökonomie und Ökologie. Wesentliche Elemente des von der Schweiz ausgearbeiteten Verfahrens sind zudem die enge Zusammenarbeit mit der Bevölkerung sowie die Anhörung der Öffentlichkeit in den verschiedenen Auswahlschritten. Ulrich Kleemann: "Damit wendet es den mittlerweile üblichen internationalen Standard an, in einem schrittweisen und transparenten Verfahren aus mehreren Alternativen einen Standort auszuwählen".

Neben Bewertungen enthält die Stellungnahme der Experten auch konkrete Empfehlungen. So hält es die Expertengruppe für erforderlich, die geplante Begleitgruppe gleich zu Beginn des Verfahrens unter Beteiligung Deutschlands als potenziell betroffenem Nachbarstaat zu etablieren, die das Verfahren von Anfang an kompetent und kritisch begleiten und verschiedene Interessen wirkungsvoll ausbalancieren kann. Des Weiteren empfiehlt die Stellungnahme, das Ergebnis der Kriterienfestlegung und -gewichtung zur Gewährleistung des ergebnisoffenen Verfahrens durch ein internationales Peer Review bewerten zu lassen.

Der vom Schweizer Bundesamt für Energie erarbeitete Entwurf eines Konzeptes wird noch bis zum 20. April 2007 einer kritischen Anhörung durch Bürgerinnen und Bürger sowie von der Endlagerung potenziell betroffenen Nachbarstaaten unterzogen. Die endgültige Formulierung des Sachplans soll die Ergebnisse dieser Anhörung, zu der auch die Bewertung der Expertengruppe gehört, berücksichtigen. Der Schweizer Bundesrat wird voraussichtlich im Sommer 2007 über den Sachplan abschließend entscheiden. Danach beginnt die Standortauswahl, die in einem dreistufigen Einengungsprozess erfolgen soll.

Die vollständige Stellungnahme der Expertengruppe kann im Internet unter www.escht.de heruntergeladen werden.

Hintergrundinformation:
Für die langfristig sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle plant das Nachbarland Schweiz ein mehrstufiges Auswahlverfahren, das auf Basis eines zuvor zu erstellenden "Sachplans geologische Tiefenlagerung" durchgeführt werden soll. Beim Auswahlverfahren soll gewährleistet werden, dass Standorte für geologische Tiefenlager in einem fairen und transparenten Verfahren bewertet und ausgewählt werden. Der Sachplan, der seit dem Jahr 2005 unter der Federführung des Schweizer Bundesamtes für Energie erarbeitet wird, besteht aus einem Konzeptteil und einem Umsetzungsteil.

Das vorliegende Konzeptteil legt fest, nach welchen Regeln die Standortsuche verlaufen soll. Dabei werden Kriterien definiert, die ein Standort erfüllen muss und die Vorgehensweise bestimmt, nach der das Auswahlverfahren durchgeführt werden soll.

Wegen der Möglichkeit, dass potenzielle Endlagerstandorte im Grenzgebiet zur Bundesrepublik Deutschland liegen, besteht insbesondere in den der Schweiz benachbarten Gebieten ein hohes Interesse an unabhängiger fachlicher Beratung. Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) im Jahr 2005 die Begleitkommission als Gremium für interessierte deutsche Gebietskörperschaften und andere Interessenvertreter eingerichtet. Zu deren fachlicher Beratung wurde 2006 die Expertengruppe Schweizer Tiefenlager berufen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat die Leitung der Expertengruppe übernommen.

Annagret Kriewald | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfs.de

Weitere Berichte zu: Abfall Anhörung Endlagerung Tiefenlager

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Einfluss der Sonne auf den Klimawandel erstmals beziffert
27.03.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit