Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bonner Fossilforscher lassen Ölquellen sprudeln

23.03.2007
Frankreich, England, Schweden, Indonesien, Libyen, USA: Aus der ganzen Welt kommen mehr als 20 Fachleute aus Forschung und Industrie, die vom 27. bis 31. März am Institut für Paläontologie der Universität Bonn zu Gast sind. Ihr Ziel: Die noch vorhandenen Ölvorkommen genauer zu lokalisieren und besser zu nutzen. Dabei helfen ihnen winzige versteinerte Einzeller.

Bereits zum vierten Mal bietet Professor Dr. Martin Langer zusammen mit Partnern der Explorationsindustrie eine Ausbildung in "Angewandter Mikropaläontologie" an. Neben Masterausbildungen in London und Texas ist es der weltweit einzige Intensivkurs. Wissenschaftler und Industrielle reisen jährlich aus der ganzen Welt an - in steigender Zahl: "In diesem Jahr hatte ich fast 80 Anmeldungen auf dem Tisch", erzählt Professor Langer. Den Explorationsfirmen mangelt es nämlich an Fachleuten, die eine alte Kunst beherrschen: Die Analyse winziger Mikrofossilien, die Hinweise auf Ort, Verlauf und Größe von Öl- und Gaslagerstätten geben.

Der globale Energiebedarf und damit der Druck, Erdöl und Erdgas zu finden, steigen stetig, und eine optimale Ausbeutung der Lagerstätten ist heute wichtiger denn je: Die Produktionskapazitäten bewegen sich auf ihren Peak zu, allmählich werden die natürlichen Ressourcen knapp. "Die fossilen Rohstoffe liefern wahrscheinlich noch 60 bis 80 Jahre lang überlebensnotwendige Energie. Mit optimalen Strategien kann das Produktionsmaximum hinausgezögert werden", so Professor Langer.

Die Erdölindustrie besinnt sich mit der Nutzung der Mikropaläontologie auf ihre Wurzeln: Früher beschäftigten alle Explorationsfirmen eigene Fossilexperten. Zu Beginn der achtziger Jahre versprach man sich durch den Einsatz der Seismik bessere Erträge. Um den begehrten Energieträger aufzuspüren, schicken die Firmen dabei seismische Wellen in den Untergrund. Ähnlich einem Ultraschallbild liefert deren Ausbreitung und Reflexion ein tomographisches Bild vom Schichtverlauf der Gesteine und zeigt dem geschulten Auge mögliche Lagerstätten. Zahlreiche Mikropaläontologen wurden entlassen; entsprechend schlecht steht es heute um den Nachwuchs.

Die neue Technik hielt aber nicht, was sie versprach: "Die Auflösung der Seismik liegt nur bei etwa 100 Metern. Meist sind die Lagerstätten nur 20 bis 30 Meter mächtig", erklärt Professor Langer. "Außerdem lagern die erdölführenden Gesteinsschichten nicht immer horizontal, oft sind sie gefaltet, in unterschiedlich große Reservoire fragmentiert oder sogar plötzlich um mehrere Zehnermeter gegeneinander versetzt." Die Firmen bohren also oft in der falschen Tiefe oder können dem Verlauf der ölführenden Schicht nicht folgen. "Das kostet nicht nur Zeit sondern verschlingt enorme Mengen Kapital", weiß Langer. "Gelangt die Bohrung aus dem Reservoir in "trockenes" Gestein wird die Lagerstätte häufig zu früh aufgegeben. Fragmentierte Lagerstätten werden so nicht erreicht und die gesamte Quelle nur teilweise genutzt".

Ganz andere Methoden wendet die Mikropaläontologie an: Der Fachmann untersucht während der Bohrung ständig Proben des Gesteins, das nach oben befördert wird. Mikrofossilien verraten die Lage, Ausdehnung und Position der ölführenden Schichten, die in mehreren Kilometern Tiefe durch Druck und Temperatur aus organischem Material entstanden sind. An Hand der schichtweisen Zusammensetzung und Verteilung dieser versteinerten Mikroorganismen weiß der Experte auch, ob die Bohrung höher oder tiefer platziert oder umgelenkt werden muss, wenn sie plötzlich in trockenem Gestein steckt. So ist es möglich, der Lagerstätte bis auf einen Meter genau zu folgen.

Der Bedarf an entsprechend ausgebildeten Fachleuten ist enorm. "Es wird in Zukunft einen großen Bedarf an gut ausgebildeten Mikropaläontologen geben", freut sich Professor Langer. "Die Industrie besinnt sich wieder um und der Erfolg gibt uns Recht". Die Mikropaläontologie der Universität Bonn ist so zu einem internationalen Anlaufpunkt für diese fast vergessene Forschungsrichtung geworden. Im Jahr 2010 wird Bonn sogar Austragungsort des größten Mikropaläontologenkongresses für Fachleute aus Industrie und Forschung.

Kontakt:
Professor Dr. Martin Langer
Institut für Paläontologie
Telefon: 0228/73-4026
E-Mail: martin.langer@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Bohrung Gestein Mikropaläontologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie