Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie reagiert der Golfstrom auf den Klimawandel?

16.03.2007
Neue Erkenntnisse aus Langzeitstudie im subpolaren Nordatlantik

Seit 1996 führen Ozeanographen vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 460 "Dynamik Thermohaliner Zirkulationsschwankungen" Messungen der Meeresströmungen im Nordatlantik durch.


Oberflächennahe Zirkulation in einem hochauflösenden Modell des IFM-GEOMAR. Die Farben symbolisieren die Stärke der Strömung. Quelle: IFM-GEOMAR

Als Schlüsselregion bestimmt dieser Bereich des Weltozeans nicht nur das Klima in Nordeuropa, sondern hat globale Fernwirkungen. Im Rahmen eines internationalen Symposiums stellen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse vom 19.-21. März in Kiel vor. Die wichtigste Erkenntnis: die großen Meeresströmungen im Nordatlantik (das Golfstrom-System) unterliegen starken natürlichen Schwankungen, weisen aber bislang keine Abschwächungstendenzen auf. Mit dieser Schlussfolgerung setzt Kiel einen deutlichen Akzent in einer internationalen Fachdebatte über die Entwicklung des Golfstroms und die zu erwartenden Klimaänderungen.

"Nahezu alle Klimamodelle zeigen, dass sich der Golfstrom in Zukunft abschwächen wird und einige unserer ausländischen Kollegen meinten, erste Anzeichen dafür in Messdaten erkennen zu können", so Prof. Dr. Claus Böning, Ozeanograph am IFM-GEOMAR und Sprecher des SFB 460. "Dies konnte aber in den von uns durchgeführten Langzeitbeobachtungen nicht bestätigt werden", so Böning weiter. Der nördliche Nordatlantik ist für das Weltklima eine kritische Region. Das Absinken von Wassermassen in große Tiefen treibt eine globale Ozeanzirkulation an, die über den verlängerten Arm des Golfstroms zu einem angenehm milden Klima in Nordeuropa beiträgt. Dieser Prozess ist aber auch eine sehr empfindliche Stellschraube im Klimasystem und war in der Vergangenheit schon für rasche und einschneidende globale Klimaänderungen verantwortlich. Im Kieler Sonderforschungsbereich sammelten Meereswissenschaftler eine Vielzahl an Daten, die, zusammen mit hoch auflösenden Modellsimulationen, für ein wesentlich verbessertes Verständnis der komplexen Prozesse in dieser Region führten.

... mehr zu:
»Golfstrom »IFM-GEOMAR »Nordatlantik »Ozean

"Selbst wenn sich die Vorhersagen der Klimamodelle bestätigen sollten, werden wir hier in Europa nicht über kurz oder lang in eine Eiszeit rutschen", unterstreicht auch Prof. Jürgen Willebrand, einer der Autoren des jüngst veröffentlichten IPCC-Klimaberichtes, Bönings Aussage. "Bestenfalls wird die zu erwartende Klimaerwärmung in Nordeuropa etwas moderater ausfallen", so Willebrand weiter.

In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit insgesamt 16 Millionen Euro geförderten Programm gab es durchaus überraschende Ergebnisse. Anders als erwartet zeigten die Strömungsmessungen am Ausgang der Labradorsee zwar große Schwankungen über Zeiträume von Wochen und Monaten, aber bislang keine dramatischen langfristigen Trends, die auf eine Abnahme der Golfstromzirkulation hindeuten würden. Die Beobachtungen decken sich mit den Computersimulationen des sehr feinmaschigen Kieler Ozeanmodells, das mit Beobachtungsdaten der Atmosphäre angetrieben wurde. Dennoch bieten Messdaten wie Modellsimulationen noch Spielraum für Interpretationen, und so werden die derzeitigen Ergebnisse sicherlich auf der Abschlussveranstaltung des Kieler SFBs auch kontrovers diskutiert. "Wir werden diese Schlüsselregion für das globale Klima auf jeden Fall weiter im Auge behalten", so Prof. Dr. Martin Visbeck vom IFM-GEOMAR. Die Bedeutung wird auch von den Förderorganisationen wie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erkannt. Das BMBF hat einem Verbund von Kieler, Hamburger und Bremer Meereswissenschaftlern im letzten Jahr ein Forschungsprogramm zugesprochen, in dem es um den Aufbau eines "Frühwarnsystems" für Änderungen des Golfstrom-Systems geht.

In diesem auf 3 Jahre angelegten Projekt können die Untersuchungen fortgesetzt werden. Die Ergebnisse sind auch für das Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" von großer Bedeutung, das in den nächsten 5 Jahren die Chancen und Risiken, die die Ozeane darstellen, mit neuen multidisziplinären Forschungsansätzen intensiv beleuchten wird.

Kontakt:
Prof. Dr. Claus Böning (IFM-GEOMAR), Tel.: 0431-600-4003, cboening@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (Öffentlichkeitsarbeit), Tel.: 0431-600-2802, avillwock@ifm-geomar.de
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=subpolar-gyre - Symposium
http://www.ifm-geomar.de/index.php?sfb460 - SFB 460
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=physoz - Physikalische Ozeanographie des IFM-GEOMAR

http://www.ozean-der-zukunft.de/a4/index.shtml - Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft": Veränderungen der Ozeanzirkulation

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Berichte zu: Golfstrom IFM-GEOMAR Nordatlantik Ozean

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie