Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Norddeutsches Wattenmeer im Klimawandel

07.03.2007
Im norddeutschen Wattenmeer sind deutliche Anzeichen des Klimawandels zu erkennen.

Zu diesem Ergebnis kommen 25 Umweltwissenschaftler, die sich in der Wattenmeerstation Sylt des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung trafen, um die Veränderungen im nördlichen Wattenmeer über die letzten Jahrzehnte zusammen zu fassen.

Besorgt registrieren die Forscher einen Rückzug des Schlickwatts und eine Ausdehnung grobkörniger Sandböden. Darin sehen sie Anzeichen einer langfristig problematischen Entwicklung. Weil sich genügend neue Sedimente ablagerten, vermochte das Watt über Jahrtausende dem langsamen Anstieg des Meeresspiegels zu folgen. Doch dieses Mitwachsen des Wattbodens scheint nun gestört. Der Meeresspiegel steigt schneller. "Das verändert nicht nur die Ökologie des Wattenmeeres. Auch der Mensch muss seine Besiedlung an der Küste dieser neuen Situation anpassen", so Prof. Dr. Karsten Reise, Leiter der Wattenmeerstation Sylt.

Die Klimaerwärmung verändert schon jetzt das Plankton. Die Sommersaison ist um einen Monat länger geworden und verlagert die Planktonproduktion bis in den Herbst. Dann nützt sie vor allem den zu Kulturzwecken eingeführten Pazifischen Austern, die jetzt viele Muschelbänke überwachsen. Vor zwanzig Jahren glaubte man noch, diese Austern können sich im kalten Nordseewasser nicht vermehren. Doch durch die Erwärmung der Nordsee nahm die Invasion der Austern ihren Lauf.

Erfreulich sind die rückläufigen Nährstoffeinträge. Noch vor zwanzig Jahren zeigten die Küstengewässer Auswirkungen einer gravierenden Überdüngung. Massive Algenmatten treten im Watt zwar immer noch auf, aber die Seegrasbestände scheinen sich zu erholen. Das wird sich allerdings nur so lange fortsetzen, bis der Klimawandel durch höhere Wasserstände und mehr Seegang das Seegras in die ökologische Enge treibt. Seegraswiesen sind ein bedeutender Lebensraum und als Kinderstube vieler Fische eine Schlüsselkomponente im Ökosystem. "Solche Analysen sind eine Voraussetzung für solide Trendabschätzungen, wie es mit dem Ökosystem Wattenmeer weitergehen wird", erläutert Reise.

Das flache Wattenmeer reagiert äußerst sensibel auf den Klimawandel und die dadurch kommenden höheren Wasserstände. Die Warnsignale von der Küste geben einen Hinweis auf die Notwendigkeit, die Emissionen an Treibhausgasen drastisch zu verringern.

Aktueller Hinweis:
Am Mittwoch, den 7. März wird Prof. Dr. Karsten Reise im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven (Hans-Scharoun-Platz 1) in einem Vortrag aktuell über den Lebensraum Wattenmeer berichten. Zusätzlich gibt es am Donnerstag, den 8. März, die Möglichkeit, Karsten Reise im Haus der Wissenschaft in Bremen (Sandstr. 4/5) zu hören. Beide Vorträge beginnen um 19:30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos. Die Vorträge sind Veranstaltungen im Rahmen der Bremerhavener Pier der Wissenschaft.
Hinweise für Redaktionen:
Ihre Ansprechpartner an der Wattenmeerstation Sylt sind Dr. Justus van Beusekom (Tel. 04651/956-151; E-Mail: justus.van.beusekom@awi.de) und Prof. Karsten Reise (Tel. 04651/956-110; E-Mail: karsten.reise@awi.de) und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471/4831-2008; E-Mail: medien@awi.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter http://www.awi.de.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de

Weitere Berichte zu: Austern Klimawandel Wattenmeer Wattenmeerstation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie