Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationales Polarjahr soll Licht ins Klima-Dunkel bringen

27.02.2007
Ab 1. März: Mehr als 50.000 Forscher aus 60 Staaten beteiligt

Mehr als 50.000 Wissenschaftler aus mehr als 60 Ländern werden im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/08 in die entlegendsten Regionen der Erde reisen, um neue Erkenntnisse über das Klima zu gewinnen. Das Polarjahr beginnt am 1. März 2007 mit Eröffnungsveranstaltungen in Japan, Australien, China, Brasilien und Europa. Ziel des Internationalen Polarjahres ist es, die Rolle der Arktis und Antarktis für das Klima und die Ökosysteme der Erde zu untersuchen.

"Grundsätzlich geht es um drei wissenschaftliche Aufgabengebiete im Polarjahr 2007/08. Der erste Punkt betrifft die Zustandserfassung, der zweite die Veränderungsprozesse und der dritte die globalen Auswirkungen der Geschehnisse in den Polarregionen", so Reinhard Dietrich von der Deutschen Kommission für das Internationale Polarjahr im pressetext-Interview. Es gehe darum, zunächst den Momentan-Zustand der Atmosphäre, des Ozeans, der Gletscher bis hin zur Flora und Fauna einschließlich der Menschen, die in diesen Regionen leben zu studieren.

"Der zweite Punkt betrifft die Veränderungsprozesse, die derzeit im Gang sind, genau zu erforschen", erklärt der Forscher, der das Institut für planetare Geodäsie an der TU-Dresden leitet. Dazu bedient man sich den Daten, die aus Eiskernen oder aus den Sedimenten vom Meeresboden abgelesen werden können. "Damit sollen in Zukunft Klimaänderungen genauer vorhersagbar werden", erklärt der Wissenschaftler. Das Abschmelzen der Eismassen der Arktis führt dazu, dass die dort lebenden Menschen und Tiere ihre gewohnten Lebensweisen aufgeben müssen. Eisbären finden weniger Eisschollen, die Rentierherden der Nomadenvölker versinken im Schlamm. Allerdings werden auch neue Seewege erschlossen, die bislang von Meereis versperrt waren.

Ein weiterer Punkt bezieht sich auf die Wirkung der Polargebiete auf die restliche Welt. "Wir können heute sagen, dass das Abschmelzen des Grönland-Eises auch dramatische Folgen für den Anstieg des Meeresspiegels in den Tropen haben wird." Das sei nur eines der Beispiele dafür, welche Schlüsselrolle die Polargebiete für das System Erde und Klima einnehmen. "Dass gerade jetzt eine der größten international koordinierten Forschungskampagnen in den Polargebieten stattfindet, ist eine einmalige Chance. Nur wenn wir das globale Klima verstehen, können wir gute Vorhersagen machen und uns auf mögliche Veränderungen angemessen vorbereiten", meint der Forscher. "Im Polarjahr wird es aber auch einen Vorstoß in bisher unbekannte Regionen wie etwa in die Tiefsee geben", so Dietrich. Ein Schwerpunkt ist der Einsatz so genannter autonomer Vehikel. Großes wissenschaftliches Interesse bestehe beispielsweise an der Erforschung der polaren subglazialen Seen, die tief unter der Eisdecke liegen, erklärt Dietrich. Hier stelle die Verhinderung einer Kontaminierung des Wassers eine der größten Hürden dar.

Trotz ihrer großen Bedeutung sind die Polargebiete immer noch weitgehend unerforscht. "Dies liegt zum einen am hohen logistischen Aufwand, der notwendig ist, um in den lebensfeindlichen Gebieten der Arktis und Antarktis zu leben und zu arbeiten. Zum anderen gibt es zwischen einzelnen Staaten manchmal unterschiedliche Prioritäten, die eine Zusammenarbeit erschweren können", führt der Experte aus. Das Polarjahr 2007/08 biete nun eine einmalige Gelegenheit, das Wissen, das Können und die logistischen Möglichkeiten von Instituten und Universitäten aus mehr als 60 Ländern zu bündeln, um gemeinsam einen wissenschaftlichen Durchbruch in der Polar- und Klimaforschung zu erreichen. Die Koordination des Internationalen Polarjahres obliegt dem International Council of Science http://www.icsu.org und der World Meteorological Organization http://www.wmo.int . Die gewonnenen Daten werden für alle zugänglich und einsehbar sein. "Erstmals werden in großem Ausmaß die Öffentlichkeit und besonders die Schulen mit in die Forschungskampagnen eingebunden. Damit soll nicht nur ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie bedeutend die Polargebiete für unser Klima sind, sondern auch eine neue Generation von Wissenschaftlern für die Forschung begeistert werden", berichtet das Alfred-Wegener-Institut für Meeresforschung http://www.awi.de zum aktuellem Polarjahr.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.polarjahr.de
http://www.ipy.org
http://www.tu-dresden.de/ipg

Weitere Berichte zu: Abschmelzen Antarktis Arktis Polargebiet

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Satellitenblick auf die Dürre in Kenia
28.06.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Bisher unbekanntes Aussterben grosser Meerestiere entdeckt
27.06.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive