Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaskeptiker: Erwärmung wegen kosmischer Strahlung

16.02.2007
Kieler Forscher weisen Kohlendioxid-Anstieg in der Tiefsee nach

Kaum ist der jüngste IPCC-Klimabericht veröffentlicht, melden sich die Skeptiker zu Wort, die versuchen mitzuteilen, dass die globale Erwärmung bei weitem nicht so schlimm ausfällt wie befürchtet. Jüngstes Beispiel ist ein Bericht in der Times, der die kosmische Strahlung und vor allem die Sonne für die Klimaerwärmung verantwortlich macht.

"Es war ja zu vermuten, dass nach dem Medienrummel um den AR4 IPCC Bericht nun wieder die Skeptiker sich zu Wort melden werden", meint der Wiener Klimaforscher Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur http://www.boku.ac.at im pressetext-Interview. Deshalb habe der Klimaexperte Stefan Rahmstorf von der Universität Potsdam http://www.pik-potsdam.de einen umfassenden Bericht über die Argumente der Klimaskeptiker verfasst, der für die Münchner Rück http://www.muenchnerrueck.de , einer der größten Rückversicherer der Welt, abgefasst wurde.

In der Times kritisiert der dänischen Forschers Henrik Svensmark gemeinsam mit dem Journalisten Nigel Calder, dass die Erderwärmung nur eine Episode und der Mensch daran gar nicht schuld sei. Zudem sei die Hyperaktivität der Sonne verantwortlich für die vorübergehende Wärmephase, die es in ähnlicher Form auch im Mittelalter gegeben habe. Allerdings sind auch die Untersuchungsergebnisse von Svensmark nicht wirklich neu, sondern wurden bereits vor fünf Jahren in ähnlicher Form aufgestellt. Allerdings weist Rahmstorf daraufhin, dass die ursprüngliche Sonnenkurve, die als Hauptargument verwendet wurde, von ihrem Autor öffentlich als Fehler zurückgenommen wurde.

Svensmark habe vor zehn Jahren die Daten von Wettersatelliten ausgewertet und Korrelationen zwischen der Häufigkeit von Wolken und atomaren Partikeln aus dem All herstellen können. "Für dieses Argument wurde eine Reihe von statischen Korrelationen ins Feld geführt, die sich aber bislang alle bei näherer Analyse mit weiteren Daten nicht bestätigt haben", so Rahmstorf. Es sei unbestritten, dass Schwankungen der Sonnenaktivitäten in der Vergangenheit zu Klimaschwankungen beigetragen haben - etwa zu kühleren Klimaten um 1700. "Berücksichtigt man die Schwankungen der Sonnenaktivität, die sich aus den Isotopendaten rekonstruieren lassen, in Modellrechnungen, kann man die Klimaschwankungen der abgelaufenen tausend Jahre recht gut reproduzieren", schreibt Rahmstorf. Diese Sonnenschwankungen wären aber nicht in der Lage, die Erwärmungen im 20. Jahrhundert zu erklären. Zum einen, weil ihre Stärke zu gering sei und die Strahlungswirkung der vom Menschen produzierten Treibhausgase inzwischen um ein Mehrfaches stärker sei. Zum anderen, weil die Rekonstruktionen der Sonnenaktivität zwar einen Anstieg bis 1940, seither aber keinen signifikanten Trend aufweisen. Das gelte auch für die Messungen der kosmischen Strahlung.

Rahmstorf hat in dem "Klimaskeptiker-Bericht" fünf Kernaussagen getätigt, die wissenschaftlich bewiesen sind. Demnach ist die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre seit ca. 1850 stark angestiegen - von dem für Warmzeiten seit mindestens 400.000 Jahren typischen Wert von 280ppm auf inzwischen 380ppm. Die zweite Kernaussage bezieht sich auf die Aktivitäten des Menschen. Dieser ist in erster Linie durch Verbrennung fossiler Brennstoffe und durch Abholzung der Wälder dafür verantwortlich, dass es zum Anstieg dieser CO2-Konzentration gekommen ist. Der dritte Punkt betrifft die klimarelevanten Eigenschaften des Kohlendioxids: Der Anstieg der Konzentration führt zu einer Erwärmung der oberflächennahen Temperaturen. Bei einer Verdoppelung der Konzentration liegt die Erwärmung im globalen Mittel sehr wahrscheinlich zwischen 1,5 und 4,5 Grad. Das Klima hat sich im 20. Jahrhundert deutlich erwärmt - und zwar um 0,6 Grad. Die Temperaturen der vergangenen zehn Jahre waren global die wärmsten seit Beginn der Messungen im 19. Jahrhundert und seit mindestens mehreren Jahrhunderten zuvor. Als letzten Punkt schreibt der Experte: "Der überwiegende Teil dieser Erwärmung ist auf die gestiegene CO2-Konzentration und andere anthropogene Gase zurückzuführen - ein kleiner Teil auf natürliche Ursachen wie der Schwankung der Sonnenaktivität.

In der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Proceedings of the National Acedemy of Sciences PNAS http://www.pnas.org berichten Forscher des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) http://www.ifm-geomar.de darüber, dass es zu einer Zunahme von CO2 aus der Atmosphäre in einer Tiefe von 3.000 bis 4.500 Metern im Nordatlantik gekommen ist. Messdaten haben dies belegt. Mit einer neuen, am IFM-Geomar entwickelten Methode, konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass der Anstieg des Treibhausgases durch die Nutzung fossiler Brennstoffe dazu geführt hat, dass deutlich mehr CO2 in tieferen Schichten des Ozeans gespeichert wird als bisher angenommen. Die Erkenntnisse sind nicht nur für den globalen Kohlenstoffkreislauf von Bedeutung, sondern auch für andere Prozesse wie die Versauerung der Ozeane.

Georg Bitter | agentanews
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de
http://www.pnas.org

Weitere Berichte zu: CO2 Erwärmung Klimaskeptiker Sonnenaktivität Strahlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie