Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hofmeyr-Schädel unterstützt "Out of Africa"-Theorie

12.01.2007
Schädeldatierung liefert den ersten fossilen Hinweis, dass der moderne Mensch zuerst in Afrika entstanden ist

Vor mehr als 50 Jahren wurde nahe der Stadt Hofmeyr in der südafrikanischen Provinz Ostkap ein menschlicher Schädel gefunden. Einem internationalen Forscherteam um Frederick Grine (Stony Brook University, New York), Richard Bailey (Oxford University) und Katerina Harvati vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie ist es nun gelungen, diesen Schädel zu datieren. Das Ergebnis, ein Alter von etwa 36.000 Jahren, bestätigt genetische Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass der moderne Mensch vom subsaharischen Teil Afrikas aus vor etwa 40.000 Jahren die "Alte Welt" besiedelte - die "Out of Africa"-Theorie."Der Hofmeyr-Schädel vermittelt erste Einblicke in die Morphologie dieser subsaharischen Population. Aus dieser Population stammen die Vorfahren aller heute lebender Menschen ab." so Teamleiter Grine. (Science, 12. Januar 2007)


Der Hofmeyr-Schädel. Wissenschaftler datierten den Schädel jetzt auf ein Alter von 36.000 Jahren. Die große Ähnlichkeit dieses Schädels mit gleichalten Schädeln, die in Eurasien gefunden wurden, bestätigt die "Out of Africa"-Hypothese. Der moderne Mensch brach also vor etwa 40 000 Jahren aus seinem Ursprungsgebiet - Afrika südlich der Sahara - auf und besiedelte die Welt. Bild: Frederick E. Grine

Obwohl der Schädel bereits vor einem halben Jahrhundert gefunden wurde, konnte seine tatsächliche Bedeutung erst jetzt erkannt werden. Mittels einer neuen Datierungsmethode, die von Teammitglied Richard Bailey und seinen Kollegen von der Oxford University entwickelt worden war, hatten die Forscher untersucht, wie viel radioaktive Strahlung von den Sandkörnern, die den Hofmeyr-Schädel ausfüllten, absorbiert worden war. So konnten sie das Alter des Schädels auf etwa 36.000 Jahre datieren. Damit schließt der Fund eine wesentliche Lücke bei den im subsaharischen Afrika gefundenen menschlichen Fossilien, die aus der Zeit von vor etwa 70.000 bis 15.000 Jahren stammen. Für das afrikanische Gebiet wird diese Zeitperiode als "Later Stone Age" bezeichnet - auf Europa bezogen sprechen Archäologen von der Zeit des Jungpaläolithikums , Typisch für diese Zeit im südlich der Sahara gelegenen Afrika sind ausgeklügelte Werkzeuge und Kunstwerke aus Stein und Knochen. Zeitgleich erscheint der anatomisch moderne Mensch erstmalig in Europa und Westasien.

Um mögliche Ähnlichkeiten des Hofmeyr-Schädels mit anderen Schädeln feststellen zu können, nahm Teammitglied Katerina Harvati vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie dreidimensionale Ausmessungen des Schädels vor, mit deren Hilfe man auch moderne menschliche Populationen entsprechend ihrer geographischen Verteilung und genetischen Verwandtschaft voneinander unterscheiden kann. Sie verglich den Hofmeyr-Schädel mit etwa gleich alten Schädeln aus dem Europa des oberen Paläolithikums und mit heute in Eurasien und im subsaharischen Afrika lebenden Menschen, darunter den Khoe-San (Buschmänner). Da auch in der jüngeren archäologischen Geschichte Südafrikas Khoe-San-Schädel als Funde auftreten, erwarteten die Wissenschaftler, dass sie eine große Ähnlichkeit mit dem ebenfalls aus Südafrika stammenden Hofmeyr-Schädel aufweisen sollten. Stattdessen stellten sie fest, dass der Hofmeyr-Schädel sich stark von den Schädeln heute lebender subsaharischer Afrikaner, einschließlich der Khoe-San, unterscheidet. Er ist hingegen den europäischen Funden aus dem oberen Paläolithikum sehr ähnlich.

Die Paläoanthropologie ist für ihre kontroversen Debatten bekannt und eine davon, die bereits seit Jahren andauert, dreht sich um die evolutionären Ursprünge des modernen Menschen. Eine Reihe von genetischen Untersuchungen, insbesondere die von mitochondrialer DNA heute lebender Menschen, weist darauf hin, dass sich der moderne Mensch im subsaharischen Teil Afrikas entwickelte und von dort aus vor etwa 65.000 bis 25.000 Jahren aufbrach und die "Alte Welt" besiedelte. Andere genetische Untersuchungen, hauptsächlich die von Zellkern-DNA, widersprechen dieser Theorie. Sie legen nahe, dass andere nicht-afrikanische Gruppen, wie zum Beispiel die Neandertaler, einen bedeutenden Beitrag zum Erbgut der modernen Menschen in Eurasien geleistet haben. Bisher konnten die beiden konkurrierenden Modelle zur Evolution des Menschen nicht durch paläontologische Funde getestet werden, da Fossilien des entsprechenden Alters aus dem subsaharischen Afrika bisher gefehlt hatten.

Der Hofmeyr-Schädel ändert diese Situation. Die überraschende Ähnlichkeit zwischen einem fossilen Schädel aus dem südlichsten Teil Afrikas und etwa gleich alter Schädel aus Europa bestätigt die auf genetischen Untersuchungen fußende "Out of Africa"-Theorie. Diese besagt, dass Menschen, die denen ähnlich waren, die im oberen Paläolithikum in Eurasien lebten, auch vor etwa 36.000 Jahren im subsaharischen Teil Afrikas gelebt haben müssten. Der Schädel aus Südafrika ist nun der erste fossile Beweis, der diese Theorie unterstützt.

Originalveröffentlichung:

F.E. Grine, R.M. Bailey, K. Harvati, R.P. Nathan, A.G. Morris, G.M. Henderson, I. Ribot, A.W.G. Pike

Late Pleistocene Human Skull from Hofmeyr, South Africa and Modern Human Origins. Science, 12. Januar 2007

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Hofmeyr-Schädel Paläolithikum Population Schädel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Umrüstung auf LED-Beleuchtung spart Energie und Geld, führt aber zu steigender Lichtverschmutzung
23.11.2017 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an
23.11.2017 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung