Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaerwärmung killt Fischbestände

05.01.2007
Wärmebedingte Sauerstoffunterversorgung beeinflusst Bestandsdichte entscheidend

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven haben erstmals entdeckt, wie sich die Meereserwärmung auf die physiologischen Prozesse der Fische auswirkt. Am Beispiel der Aalmutter (Zoarces viviparus) aus der Nordsee konnten die Forscher deutlich zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der wärmebedingten Sauerstofflimitierung und den Veränderungen der Bestandsdichte der Fische gibt. Das berichteten die AWI-Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science.

"Ziel der Untersuchung war es, jene physiologischen Prozesse der Fische zu ermitteln, die als erstes auf Temperaturveränderungen reagieren und die ökologischen Veränderungen bewirken", so Studien-Autor Hans-Otto Pörtner im pressetext-Interview. Dass die Verschiebungen des Weltklimas vor allem in den flachen Randmeeren der Ozeane zu einer Veränderung der Artenzusammensetzung führen, war bekannt. Ebenso auch die Tatsache, dass davon auch die Fischbestände betroffen sind. Die bisherigen Untersuchungen haben sich jedoch lediglich auf statistische Daten gestützt. "Wir wollten die Klimavariabilität und die Abundanz - die Bestandsdichte - der Arten mit den Temperaturschwellenwerten vergleichen", erklärt der Experte. Dazu hatte das Team um Pörtner untersucht, welchen Belastungen die Tiere ausgesetzt sind, wenn sich das Wasser erwärmt.

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Aufnahme und Verteilung von Sauerstoff über Atmung und Blutkreislauf die Toleranz der Tiere ganz wesentlich bestimmen und nur in einem begrenzten Temperaturfenster optimal funktionieren. "Das bedeutet, dass sich bei steigenden Temperaturen zunächst die Sauerstoffversorgung des Organismus verschlechtert, bevor andere biochemische Stressmechanismen reagieren. Schließlich bricht die Sauerstoffversorgung zusammen, der Organismus ist dann nur noch befristet lebensfähig", erklärt Pörtner. "In den warmen Sommertemperaturen sterben zunächst die größeren Individuen." Die Forscher konnten auch feststellen, dass die Wärmetoleranz von Lebewesen in der Nordsee ohnehin größer ist als in den polaren Meeren. "Wenn es nach den Szenarien der Klimaexperten geht, werden sich die Temperaturen in den kommenden 50 bis 100 Jahren um drei bis vier Grad nach oben bewegen. Das bedeutet, dass Fische wie die Aalmutter aus diesen Regionen verschwinden werden."

Durch den Vergleich der ökologischen Felddaten mit den Untersuchungen im Labor konnten die Forscher den Nachweis erbringen, dass die wärmebedingte Sauerstoffunterversorgung bei Fischen der entscheidende Faktor ist, der die Bestandsdichte beeinflusst. Diese Erkenntnisse sind ein wichtiger Schritt in der Erklärung klimatisch bedingter Veränderungen in den Ökosystemen der Meere.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.awi.de
http://www.sciencemag.org

Weitere Berichte zu: Aalmutter Bestandsdichte Fisch Fischbestand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie