Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antarktisforschung im Zeichen des Internationalen Polarjahres IPY 2007/2008

20.12.2006
Die diesjährige Forschungssaison in der Antarktis beginnt mit der 27. Sommerkampagne des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft in Bremerhaven.

Das Institut kooperiert mit 20 Forschungsinstituten und zehn logistischen Einrichtungen aus 14 Ländern. Die Neumayer-Station dient als logistische Basis für umfassende Flugzeugmessungen. Als Teil des globalen "Census of marine life" ist der Forschungseisbrecher Polarstern an der Antarktischen Halbinsel auf Expedition und am Dallmann-Labor steht der Lebensraum Antarktis im Klimawandel im Mittelpunkt. Der antarktische Sommer dauert von November bis April. Viele Projekte bilden den Auftakt zum Internationalen Polarjahr 2007/2008.

Wissenschaft und Logistik: die Neumayer-Station

Die ganzjährig besetzte Forschungsstation Neumayer (70°39?S, 08°15?W) des Alfred-Wegener-Instituts dient als Zentrum deutscher Antarktisforschung. 42 Wissenschaftler und Techniker werden in dieser Saison an der Station arbeiten. Personal und Fracht werden per Flugzeug transportiert und in einem internationalen Netzwerk von elf Forschungsinstituten (DROMLAN: Dronning Maud Land Air Network) gemeinsam organisiert. Mitte Dezember ist die neue Überwinterungsgruppe an der Neumayer-Station eingetroffen. Die Gruppe besteht in diesem Jahr aus vier Frauen und fünf Männern, die für den Stationsbetrieb sowie für die Fortführung der meteorologischen, geophysikalischen und luftchemischen Langzeitmessungen verantwortlich sind.

Census of Antarctic marine life (CAML)

Als Teil des weltweiten Forschungsprojektes "Census of Marine Life" (CoML) ist der Forschungseisbrecher Polarstern derzeit an der Antarktischen Halbinsel auf Expedition. Ein Seegebiet, das erstmals durch das Abbrechen eines großen Teiles des Larsen-B-Schelfeises für die Wissenschaft zugänglich geworden ist. 47 Wissenschaftler aus zwölf Ländern sind bei diesem Projekt der biologischen Vielfalt auf der Spur. Als eines der Hauptprojekte des Internationalen Polarjahres ist "Census of Antarctic Marine Life" das größte meereswissenschaftliche Programm im Bereich der Antarktis.

Aerosole und Spurengase

Am 15. Dezember ist das Forschungsflugzeug Polar 2 an der Neumayer-Station gelandet. Damit beginnt das deutsch-japanische Projekt ANTSYO II (Antarctic trace gas and aerosol airborne measurement campaign). Bis Ende Januar 2007 werden Flugzeugmessungen durchgeführt, die zur Bestimmung von feinsten Luftpartikeln, so genannten Aerosolen, und verschiedener Spurengase dienen. Dabei sind die physikalischen, optischen und chemischen Eigenschaften von Aerosolen im antarktischen Sommerhalbjahr im Fokus der Messkampagne. Darüber hinaus sollen die wichtigsten Transportwege der Aerosolteilchen in die Antarktis identifiziert werden.

Antarktische Unterwasserklänge

Seit einem Jahr unterhält die Arbeitsgruppe Ozeanische Akustik des Alfred-Wegener-Instituts nahe der Neumayer-Station die Messstation PALAOA (PerenniAL Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean). PALAOA (70°31?S, 8°13?W) besteht aus vier Unterwassermikrofonen, so genannten Hydrophonen, die für 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche die Geräuschkulisse des Antarktischen Ozeans aufzeichnen. Anhand der Daten erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Kommunikation mariner Säugetiere wie Robben und Wale. Auch über den Einfluss vom Menschen erzeugter Geräusche auf das Verhalten der Tiere sollen die Daten Auskunft geben. Einen Livestream von PALAOA finden Sie im Internet unter: http://www.awi.de/acoustics

Vielfältiges Leben in der Kälte

Am Dallmann-Labor (62°14?S, 58°40?W), das nur im antarktischen Sommer betrieben wird, steht biologische Forschung im Vordergrund. Im besonderen Fokus der Forscher: Die Artenvielfalt verschiedener Organismen und deren Anpassung an Klimawandel und extreme Lebensbedingungen. So untersuchen zum Beispiel Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts und des Instituts für Polarökologie in Kiel das Wachstum von Algen in hohen Lichtintensitäten bei gleichzeitig sehr niedrigen Temperaturen. Welchen Einfluss Eisbewegungen auf die Lebensgemeinschaften am Meeresboden haben, ist ein weiterer Schwerpunkt am Dallmann-Labor. Im IPY-Projekt ClicOpen (Impact of CLImate induced glacial melting on marine and terrestric COastal communities on a gradient along the Western Antarctic PENinsula) untersuchen Wissenschaftler den Einfluss von klimatisch bedingtem Gletscherschmelzen auf Küstenlebensgemeinschaften der Westantarktischen Halbinsel.

Detaillierte Informationen zu allen deutschen Forschungsprojekten im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/2008 finden Sie im Internet unter: http://www.polarjahr.de

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.polarjahr.de
http://www.awi.de/acoustics

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie