Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aufbauarbeiten für das Tsunami-Frühwarnsystem verlaufen erfolgreich

20.12.2006
Rachel: "Warnkette reicht vom Ozeanboden bis zu den Menschen"

Forscher aus Deutschland machen beim Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems für Südostasien weitere Fortschritte. "Ich bin zuversichtlich, dass wir wie geplant Ende 2008 den Betrieb starten können", sagte Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), am Mittwoch in Berlin. Kurz vor dem zweiten Jahrestag der Tsunami-Katastrophe in Südostasien am 26. Dezember 2004 berichtete der Staatssekretär über den Stand der Entwicklungs- und Aufbauarbeiten in Indonesien gemeinsam mit Professor Rolf Emmermann, Vorstandsvorsitzender des Geoforschungszentrum Potsdam und Vorsitzender des deutschen Konsortiums für den Aufbau des Tsunami-Frühwarnsystems.

Rachel betonte, dass das Ministerium die gesamte benötigte Technologie fördere: "Ich freue mich besonders, dass unsere Frühwarntechnik die komplette Warnkette abdeckt - von der Sensorentechnologie am Meeresboden und an Land bis hin zur Weiterleitung der Tsunami-Warnung zu den gefährdeten Menschen vor Ort." Das Konsortium deutscher Forschungseinrichtungen hat nach den Worten Rachels unter Federführung des Geoforschungszentrums Potsdam in den vergangenen eineinhalb Jahren intensiv daran gearbeitet, das Konzept für ein Tsunami-Frühwarnsystem in Indonesien umzusetzen.

Dazu haben die Experten aus Deutschland gemeinsam mit ihren indonesischen Kollegen die ersten Erdbebenstationen aufgebaut und mit in der Region (Thailand, Malaysia, Australien) bereits vorhandenen Stationen (rund 60) zu einem Netz zusammengeführt. Dieses beliefert bereits jetzt das vorläufige Warnzentrum der meteorologischen und geophysikalischen Agentur Indonesiens in Jakarta und erlaubt eine noch schnellere und präzisere Ortung im Erdbebenfall. Waren es vor einem Jahr noch mehr als 100 Minuten, die für die Ortung benötigt wurden, gelingt dies nun bereits nach weniger als fünf Minuten.

Als weitere Messstationen haben die Forscherinnen und Forscher Küstenpegel und GPS-Stationen installiert. Der Aufbau der Sensorstationen läuft kontinuierlich weiter. Die erste der beiden Testbojen zur Echtzeitbeobachtung des Meeresspiegels wurde für eine weitere Messphase vor Sumatra verankert. Im Rahmen des Capacity-Building-Programms haben die Experten aus Deutschland indonesische Stellen bei der Umsetzung von Ausbildungs- und Warnmaßnahmen beraten, zum Beispiel in der Stadt Padang auf Sumatra. Außerdem wurden Doktoranden-Stellen besetzt und ein Post-doc-Programm ausgeschrieben.

Das BMBF hat seine Tsunami-Hilfe inzwischen auf die so genannte letzte Meile ausgeweitet. Das Ministerium unterstützt eine Kooperation des Flensburger Unternehmens 2wcom mit dem indonesischen Forschungsministerium RISTEK. "Mit dieser Technologie stellen wir sicher, dass die Warnungen auch an die betroffenen Menschen weitergeleitet werden", sagte Rachel. Die Technik, die auf dem Prinzip des Verkehrsfunks mit Textmeldungen (UKW-RDS) im Autoradio basiert und für Tsunami-Warnungen in Südostasien weiterentwickelt wurde, wird zunächst in drei Modellregionen auf Sumatra, Java und Bali installiert.

Die Bundesregierung hat im Rahmen ihrer Wiederaufbauhilfe in der betroffenen Region 45 Millionen Euro für den Aufbau des Tsunami-Frühwarnsystems bereitgestellt. Der Aufbau erfolgt in enger Kooperation mit der UNESCO/IOC, die die Koordination eines übergreifenden Frühwarnsystems für den Indischen Ozean übernommen hat.

Unter Federführung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, vertreten durch das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ), arbeiten verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen in enger Kooperation: das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Alfred-Wegener-Institut (AWI), das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), das Forschungszentrum Geesthacht (GKSS), das Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM), die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Universität der Vereinten Nationen in Bonn (UNU).

| BMBF Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Grazer Forscher stellen Methode zur dreidimensionalen Charakterisierung vulkanischer Wolken vor
14.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Rest-Spannung trotz Megabeben
13.12.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Carmenes“ findet ersten Planeten

Deutsch-spanisches Forscherteam entwirft, baut und nutzt modernen Spektrografen

Seit Januar 2016 nutzt ein deutsch-spanisches Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen den modernen Spektrografen „Carmenes“ für die Suche nach...

Im Focus: Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

Heute verfügbare Ionenfallen-Technologien eignen sich als Basis für den Bau von großen Quantencomputern. Das zeigen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler haben für Ionenfallen maßgeschneiderte Protokolle entwickelt, mit denen auftretende Fehler jederzeit entdeckt und korrigiert werden können.

Damit die heute existierenden Prototypen von Quantencomputern ihr volles Potenzial entfalten, müssen sie erstens viel größer werden, d.h. über deutlich mehr...

Im Focus: Error-free into the Quantum Computer Age

A study carried out by an international team of researchers and published in the journal Physical Review X shows that ion-trap technologies available today are suitable for building large-scale quantum computers. The scientists introduce trapped-ion quantum error correction protocols that detect and correct processing errors.

In order to reach their full potential, today’s quantum computer prototypes have to meet specific criteria: First, they have to be made bigger, which means...

Im Focus: Search for planets with Carmenes successful

German and Spanish researchers plan, build and use modern spectrograph

Since 2016, German and Spanish researchers, among them scientists from the University of Göttingen, have been hunting for exoplanets with the “Carmenes”...

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Konfenzreihe in Berlin: Landscape 2018 - Ernährungssicherheit, Klimawandel, Nachhaltigkeit

18.12.2017 | Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Lipid-Nanodisks stabilisieren fehlgefaltete Proteine für Untersuchungen

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Von Alaska bis zum Amazonas: Pflanzenmerkmale erstmals kartiert

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Krebsforschung in der Schwerelosigkeit

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie