Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tsunami: Bergrutsch hat Mittelmeer vor 8.000 Jahren verwüstet

06.12.2006
Zehn Prozent aller Flutwellen im Mittelmeer

Nicht nur die großen Ozeane wie der Pazifik stellen für Bewohner der Küstenregionen ein Risiko dar: Wie Forscher des National Instituts für Geophysik und Vulkanologie in Pisa nun herausgefunden haben, hat ein Bergrutsch des Vulkans Ätna vor 8.000 Jahren zu einer gewaltigen Tsunami-Katastrophe geführt. Die bis zu 50 Meter hohen Wellen haben schwere Zerstörungen bis nach Ägypten angerichtet, berichtet das Wissenschaftsmagazin Geophysical Research Letters.

Die Forscher um Maria Teresa Pareschi haben ihre Vermutungen zunächst nach Funden in einem Steinzeit-Fischerdorf in Israel geäußert. Diese Siedlung wurde vor 7.000 bis 8.000 Jahren offensichtlich in Windeseile verlassen. Die Wissenschaftler hatten gelagerte Fische unter einer dicken Schlammschicht gefunden. Den Berechnungen der Geologen zufolge wurden damals 25 Kubikkilometer Gesteinsmassen vom Ätna ins Meer geschoben. Die Wellen der darauf folgenden Tsunamis erreichten Spitzenhöhen von 50 Metern vor der Küste Süditaliens und immerhin bis zu 13 Meter Höhe vor den Küsten des heutigen Griechenlands und Libyens. Kleinere Wellen, die allerdings immer noch eine sehr hohe Zerstörungskraft hatten, stießen auf andere Küstenabschnitte des Mittelmeers.

Mit einer geschätzten Geschwindigkeit von 725 Kilometer pro Stunde brauchten die Wassermassen nur knapp mehr als dreieinhalb Stunden ehe sie im östlichen Mittelmeer zwischen Israel und Ägypten die Küste erreichten. Beweisen konnten die Forscher die gewaltigen Ausmaße dieser Naturkatastrophe anhand von Veränderungen im Sediment am Grund der Ionischen See östlich von Sizilien. Tsunamis destabilisieren vor allem die weichen Sedimente am Meeresgrund. Die Forscher haben hier eindeutige Beweise dafür gefunden, dass es sich dabei um Lehmablagerungen handelt, die vom Ätna stammen.

... mehr zu:
»Bergrutsch »Mittelmeer »Tsunami »Welle »Ätna

Die Studie der Wissenschaftler habe einen hohen Aktualitätsgrad, wie das Institut von Pareschi gegenüber pressetext mitteilte. Die Autorin hat gemeinsam mit ihren Mitarbeitern Vorträge in Rom abgehalten, um die Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Immerhin würden zehn Prozent aller weltweiten Tsunamis im Mittelmeer auftreten, berichten sie. So rutscht der östliche Teil des Ätna ins Meer. Der jüngste Tsunami im Mittelmeer wurde im Jahr 2002 verzeichnet. Auch hier war ein Erdrutsch des Vulkans Stromboli der Auslöser.

Derzeit wird ein Tsunami-Frühwarnsystem auch für den Nordost-Atlantik und für das Mittelmeer eingerichtet, das in genau einem Jahr in Betrieb gehen soll. Pareschi wagt es zwar kaum, die eventuellen Auswirkungen des Tsunami von vor 8.000 Jahren auf die Jetztzeit umzulegen, betont aber, dass die Zerstörungen verheerend wären. Vor allem im östlichen Teil des Mittelmeeres ist die Bevölkerungsdichte in Küstennähe extrem hoch. Die Tsunami-Katastrophe in Südost-Asien mit mindestens 275.000 Todesopfern nach Weihnachten 2004 wäre damit durchaus vergleichbar.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pi.ingv.it
http://www.agu.org

Weitere Berichte zu: Bergrutsch Mittelmeer Tsunami Welle Ätna

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Bisher unbekanntes Aussterben grosser Meerestiere entdeckt
27.06.2017 | Universität Zürich

nachricht Auf der Suche nach Hochtechnologiemetallen in Norddeutschland
26.06.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

27.06.2017 | Informationstechnologie