Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Whirlpool" am Nordseeboden - Kieler Wissenschaftler auf Tauchfahrt zur einer aktiven Gasquelle

30.10.2006
Mit dem Tauchboot JAGO konnten Meeresforscher des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) erstmals auf den Grund eines Gaskraters in der Nordsee abtauchen. Mit einer Reihe von videogeführten Langzeitobservatorien gelang es den Wissenschaftlern ferner, Methanaustritte in der mittleren und nördlichen Nordsee zu dokumentieren und zu beproben.

Das Forschungsschiff ALKOR des IFM-GEOMAR kehrt am Dienstag, den 31.10.06 unter der Fahrtleitung von Dr. Olaf Pfannkuche mit aufregenden Forschungsergebnissen von einer Reise in der Nordsee zurück. Ein wissenschaftlicher Höhepunkt der Ausfahrt waren Tauchgänge in einen 20m tiefen Krater, der 1990 als Folge eines missglückten Ölbohrversuchs entstanden war. Beim Anstechen eines großen, flachen Gasreservoirs hatte sich damals ein so genannter "Blowout" ereignet, eine Bezeichnung aus der Erdölindustrie für das unkontrollierte Entweichen von Gas oder Öl. Die Eruption schuf einen Krater im Durchmesser von 75m auf dem Boden der Nordsee.


Methangasquelle am Nordseeboden. Mit hohem Druck steigt Methangas auf. Die Quelle zieht auch Seelachse an. J. Schauer, IFM-GEOMAR

Während Gasaustritte auf dem Meeresboden normalerweise kein Gas direkt in die Atmosphäre entlassen, zeigten ein breiter Blasenteppich und eine stark gekräuselte Meeresoberfläche einen unmittelbaren Fluss von Methan in die Atmosphäre an. Mit dem bemannten Tauchboot JAGO gelang es den Kieler Wissenschaftlern erstmals, direkt in den geheimnisvollen Krater, aus dem ein ständiger Strom von Gasblasen aufsteigt, hinabzutauchen. Der starke Gassausstoß erschwerte ein Eintauchen in das 20 m tiefe Loch. Doch nicht nur am Meeresgrund, auch an der Oberfläche hatte die Mannschaft der ALKOR alle Hände voll zu tun, das Schiff auf Position zu halten. "Es war eine echte Herausforderung, gegen die aufsteigenden Strömungen anzukommen", kommentierte Tauchbootpilot Jürgen Schauer vom IFM-GEOMAR die ungewöhnliche Mission. Beim Abtauchen wetteiferte das Forschungstauchboot mit einem großen Schwarm an Seelachsen, die in dieser Vertiefung Schutz und Nahrung finden.

Am Boden des Kraters tat sich vor den Augen der Forscher ein atemberaubendes Szenario auf. Aus drei Hauptquellen und zahlreichen Nebenquellen schoss das Gas mit hohem Druck aus dem Boden und formte bizarre Blasenwirbel. Daneben gab es ca. 10 weitere Quellen unterschiedlicher Stärke. Der Kraterboden war in zwei, etwa 6 Meter breite Becken unterteilt und mit Steinen und Schalen von abgestorbenen Islandmuscheln bedeckt. Zahlreiche Blumentiere und andere Organismen besiedeln den Hartboden. An den langsamer strömenden Gasaustritten haben sich weiße schwefel-oxidierende Bakterienmatten gebildet. "Es war ein Tauchgang in eine andere Welt", beschreibt der Meeresforscher Dr. Peter Linke seine Erlebnisse. Trotz der Schwierigkeiten gelang es dem Forscherteam aus Kiel, ein anspruchsvolles Beprobungsprogramm durchzuführen.

... mehr zu:
»IFM-GEOMAR »Krater

Die erste Erkundung des "Blowouts" zeigt neue Perspektiven für die Langzeitbeobachtung von Gasaustritten in der Nordsee mit Hilfe von verankerten Instrumenten auf.

Ansprechpartner
Dr. Olaf Pfannkuche, Tel. 0431 600 2113, opfannkuche@ifm-geomar.de
Dr. Peter Linke, Tel. 0431 600 2115, plinke@ifm-geomar.de
Mona Botros, Dipl.-Journ. (Öffentlichkeitsarbeit), Tel. 0431 600 2807, mbotros@ifm-geomar.de

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/

Weitere Berichte zu: IFM-GEOMAR Krater

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie