Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regen als Auslöser für Erdbeben

23.10.2006
Deutsche Forscher: "Ein nasses Wochenende reicht dafür aus"

Ein ordentlicher Regenguss ist nach jüngsten Forschungsergebnissen in der Lage, ein Erdbeben auszulösen. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam um Sebastian Hainzl von der Universität Potsdam und Toni Kraft vom GeoForschungsZentrum Potsdam in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Geophysical Research Letters.

Das Forscherteam um Hainzl hatte den Hochstaufen, einen 1.775 Meter hohen Berg in Bayern genau untersucht und festgestellt, dass es jährlich tausende kleine Erdbeben in der Region um das Bergmassiv gibt. "Interessanterweise häuften sich diese Beben während des feuchteren Sommers, insbesondere in den beiden niederschlagreichsten Monaten März und August", so Kraft im pressetext-Gespräch. Der Hochstaufen besteht aus Kalkstein und gehört zu den nördlichen Kalkalpen. "80 Prozent der Mikrobeben in dem Gebiet, das etwa fünf mal fünf Kilometer in der Fläche misst, werden durch solche Niederschläge hervorgerufen", erklärt der Experte. Das gelte auch für so genannte saisonale Starkregen. Ähnliche Vermutungen habe es bereits aus Frankreich oder der Schweiz gegeben, erklärt Kraft. "Bisher war das allerdings nicht nachweisbar." Die Forscher konnten sogar ein Modell entwickeln, das nach Niederschlägen die seismische Aktivität definierte.

Nach den geschichtlichen Aufzeichnungen habe es in den vergangenen Jahrhunderten auch immer wieder stärkere Erdbeben in den Alpen gegeben. "Die Beben rund um den Staufen haben allerdings kaum zerstörerische Gewalt. Sie sind aber trotzdem deutlich spürbar", so der Wissenschaftler, der auch bemerkt, dass dies darauf hindeute, dass die Alpen immer noch in Bewegung sind. "Bruchlinien entsprechen im Prinzip dem Reibungsgesetz. Das Wasser wirkt diesem Druck praktisch entgegen", erklärt Kraft.

... mehr zu:
»Alpen »Beben »Erdbeben

Bisher hatten Geophysiker zwar angenommen, dass Wasser in porösem Gestein Veränderungen hervorrufen kann, einen Beweis konnten die Forscher jedoch noch nicht erbringen. Auch Druckveränderungen etwa durch Schneeschmelze sind in der Lage Erdbeben auszulösen. "Es kommt darauf an, wie die aufgeladene Spannungsenergie abgebaut wird", meint der Experte. Dass der Druck eines künstlichen Wasserreservoirs zu einem Erdbeben führen kann, war ebenfalls bekannt. Die schlimmste Katastrophe dabei ereignete sich 1967 am westindischen Koyna Damm, der fünf Jahre zuvor errichtet worden war. Der Damm hatte ein Erdbeben der Stärke sieben ausgelöst. Mehr als 200 Menschen sind an den Folgen dieses Bebens gestorben.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de
http://www.gfz-potsdam.de
http://www.agu.org

Weitere Berichte zu: Alpen Beben Erdbeben

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Winzige Eisverluste an den Rändern der Antarktis können Eisverluste in weiter Ferne beschleunigen
11.12.2017 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

nachricht Was macht Korallen krank?
08.12.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik