Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entschlüsselung des einst Entsetzlichen: Greifswald forscht schon lang am Nyiragongo

21.01.2002


Die Mineralogen Prof. Stephen Foley (Tel. 03834-86-4589, Fax 86-4572, sfoley@uni-greifswald.de ) und seine Mitarbeiter Thomas Platz und Sebastian Tappe untersuchen (und untersuchten während des Ausbruchs) die chemischen Besonderheiten der Laven, um die Bildung der Schmelzen in etwa 100 km Tiefe im Erdmantel erklären zu können.

Der Vulkan Nyiragongo gehört zum Vulkanfeld Virunga im Dreiländereck Kongo, Uganda und Ruanda. Zwei aktive Vulkane, Nyiragongo etwa 15km nördlich von der Stadt Goma am Kivusee und Nyamuragira, weiter nordwestlich, sind gefährlich für den dicht bevölkerten Boden des Ostafrikanischen Grabens. In solchen Gräben weichen die Erdplatten auseinander und können über Millionen von Jahren die Geburtsstätten neuer Ozeane werden (mit dem Ostafrikanischen Graben vergleichbar ist der kleinere Rheingraben in Südwest-Deutschland, in dem der Kaiserstuhl die letzte Vulkanaktivität darstellt).

Drei Mineralogen vom Institut für Geologische Wissenschaften arbeiten an Laven des Nyiragongo Vulkans sowie anderer Vulkane weiter nördlich im Kongo-Uganda Gebiet. Prof. Stephen Foley (Tel. 03834-86-4589, Fax 86-4572, sfoley@uni-greifswald.de ) und seine Mitarbeiter Thomas Platz und Sebastian Tappe untersuchen (und untersuchten während des Ausbruchs) die chemischen Besonderheiten der Laven, um die Bildung der Schmelzen in etwa 100 km Tiefe im Erdmantel erklären zu können. Die Vulkangesteine dieses Gebiets sind ungewöhnlich reich an Natrium und Kalium, Elemente, die zu einer ausgeprägten Dünnflüssigkeit der Schmelze führen. Hierin liegt die Gefährlichkeit des Nyiragongo: der Vulkan spuckt große Mengen dünnflüssiger und deshalb sehr schnell fließender Lava aus, die wegen der Morphologie des Grabens nirgends anders fließen können als entlang des Talbodens - dem Nyiragongo und dem Nyamuragira fehlen der hohe Wassergehalt eines Mount St. Helens oder eines Pinatubo und werden nie in diesem Stil explodieren können.

Dies ist jedoch kaum Trost für die Bewohner von Städten am Boden des Ostafrikanischen Grabens. Wegen der politischen Unruhen der letzten Jahrzehnte profitiert das Virunga-Gebiet leider nicht von modernen Frühwarnprogrammen, die die am meisten gefährdeten Gebiete um die Vulkane identifizieren und die Bevölkerung aufklären könnten. Der Nyiragongo ist bekannt dafür, daß er gelegentlich einen Lavasee im Krater beherbergt. Dies passiert, wenn das Volumen der Schmelze nicht groß genug ist, um den Kraterrand zu erreichen und ein tiefer See aus Lava innerhalb des Kraters verbleibt und langsam abkühlt. Das alltägliche Leben von Hunderttausenden von Menschen in der Nähe kann so unberührt bleiben, und die Aktivität und Gefährlichkeit des Vulkans wird unterschätzt.

Der Ostafrikanische Graben besteht aus mehreren parallelen Störungen, also Rissen in der Erdkruste, die eine weitere Gefahr darstellen. Erdbeben sind die Ergebnisse von Bewegungen entlang dieser Störungen und können Erdrutsche an den Flanken der Vulkane verursachen, die ohne große Vorwarnung zu Ausbrüchen führen. Virunga ist nur eins von fünf Vulkanfeldern des westlichen Zweigs des Ostafrikanischen Grabens. Die Greifswalder Forscher untersuchen den Nyiragongo als ein Paradebeispiel für den Vulkanismus des Ostafrikanischen Grabens, das viele Geheimnisse der Vulkane entschlüsseln könnte.

Dr. Edmund von Pechmann | idw
Weitere Informationen:
http:///www.uni-greifswald.de/~geo/foley/New/FRONT/prva-d.htm

Weitere Berichte zu: Nyiragongo Vulkan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Einfluss der Sonne auf den Klimawandel erstmals beziffert
27.03.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE