Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Himmel über Beijing und Guangzhou

15.09.2006
Jülicher Wissenschaftler untersuchen die atmosphärische Waschkraft in China

Vor wenigen Tagen wurden die Messungen in Beijing beendet und die Jülicher Messgeräte in zwei Containern auf die Rückreise geschickt. Zwei Monate lang erfassten Jülicher Atmosphären-forscher damit erstmals Daten in zwei chinesischen Megacitys zur Selbstreinigungskraft der Atmosphäre. Ein Ziel dabei ist, zusammen mit ihren asiatischen Kollegen herauszufinden, wie sich die Luftqualität für die olympischen Spiele 2008 in Beijing verbessern lässt.

Die Messungen waren Teil zweier Kampagnen der Jülicher Forscher zusammen mit Kollegen aus Leipzig, sowie Forscherteams aus China, Taiwan, Japan und Korea. Die Wissenschaftler untersuchten die Luft in den Ballungsräumen Beijing und im Pearl River Delta. "Wir haben uns dabei auf Daten konzentriert, die eine Aussage über die Selbstreinigung der Luft zulassen", sagt Dr. Theo Brauers vom Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre (ICG). Dazu haben die Forscher beispielsweise die Menge des so genannten Waschmittels der Atmosphäre, des Hydroxyl (OH)-Radikals, bestimmt. Es leitet den Abbau der meisten Schadstoffe ein, seine Konzentration wurde in China bisher aber noch nicht gemessen.

"Es ist offen, ob die natürliche Selbstreinigungskraft in China genauso effizient ist wie in Europa", sagt Brauers. Aber nicht nur die Konzentration des natürlichen Waschmittels interessiert die Wissenschaftler: "Atmosphärenchemisch betrachtet ist Südostasien bisher unbekanntes Terrain. Wir wollen daher auch herausfinden, inwieweit die Modelle der Atmosphärenchemie gelten, die bisher im wesentlichen für die Bedingungen in Europa oder Nordamerika überprüft wurden", so der Atmosphärenchemiker.

Welche Reinigungskraft das OH-Radikal in den Megacitys haben muss, um für klare Luft zu sorgen, werden Daten der asiatischen Kollegen von der Peking Universität (PKU) zeigen. Sie bestimmten, welche Schadstoffe in welchen Mengen in der Atmosphäre der Industriegebiete treiben. "Besonders neugierig sind wir auch auf die Ergebnisse unserer Kollegen vom Leipziger Leibniz-Institut für Troposphären-forschung", ergänzt Dr Andreas Hofzumahaus vom ICG. "Die Leipziger Kollegen haben Feinstaub und andere Kleinstpartikel in der Luft der Megastädte erfasst, sowie die chemischen und physikalischen Eigenschaften dieser Partikel." Die winzigen Partikel sind Keime für die Wolkenbildung, an ihren Oberflächen können sich zudem Moleküle sammeln, die beim Abbau mit OH-Radikalen entstehen. Sie sind damit sowohl für Aussagen über das Klima, als auch für Aussagen über die Atmosphärenchemie interessant. Auch für die Reinigungskraft der Atmosphäre spielen die Partikel eine Rolle: In großer Zahl verringern sie die Menge des Sonnenlichts, das auf die Erdoberfläche gelangt. Sonnenlicht ist aber entscheidend für die Produktion des atmosphärischen Waschmittels.

Anfang kommenden Jahres werden sich die Forscher treffen, um die ausgewerteten Daten zu diskutieren. "Aus der Summe der Messdaten können wir dann erkennen, welche chemischen und physikalischen Prozesse Transport und Abbau der Schadstoffe in den Megacitys steuern, und - falls nötig die Modelle zur Atmosphärenchemie anpassen", sagt Brauers. Mit solchen Modellen ließe sich dann beispielsweise auch für die olympischen Spiele vorhersagen, welche Maßnahmen die Luftqualität tatsächlich verbessern.

Über das Forschungszentrum Jülich Das Forschungszentrum Jülich ist mit rund 4 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das größte multidisziplinäre Forschungszentrum in Europa. Seine Themen spiegeln die großen Herausforderungen der Gesellschaft wider: Erhalt von Gesundheit, Umgang mit Information, Schutz der Umwelt sowie Versorgung mit Energie. Langfristige, grundlagenorientierte und fächerübergreifende Beiträge zu Naturwissenschaft und Technik werden ebenso erarbeitet wie konkrete technologische Anwendungen für die Industrie. Charakteristisch für Jülich ist, dass sich die Forscher zwei zentraler Schlüsselkompetenzen bedienen: der Physik und des wissenschaftlichen Rechnens mit Supercomputern. Das 1956 gegründete Forschungszentrum Jülich ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft, dem Verbund der 15 nationalen Forschungszentren, die - bis auf wenige Ausnahmen - jeweils zu 90 % vom Bund und zu 10 % vom Sitzland finanziert werden.

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Berichte zu: Atmosphärenchemie Beijing Partikel Schadstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Ursuppe in Dosen
21.06.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie