Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eiszeit-Test bestätigt Sorge um künftige Klimaerwärmung

25.08.2006
Wie stark wird sich das Klima durch die vom Menschen verursachte Anreicherung von Kohlendioxid in der Atmosphäre erwärmen?

Eine Gruppe Klimawissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat einen neuen Ansatz zur Beantwortung dieser Frage verfolgt: Sie richtete ihren Blick auf die letzte große Eiszeit (vor zirka 21.000 Jahren), um einen entscheidenden Test durchzuführen. Er ergab, dass eine Verdoppelung der Kohlendioxid-Konzentration einen globalen Temperaturanstieg um die 3°C bewirken würde. Dieses Ergebnis bestätigt Schätzungen anderer Modelle und Methoden.

Eiszeiten werden durch kleine Änderungen in der Erdumlaufbahn ausgelöst. Verantwortlich für die dabei auftretenden großen Abkühlungen sind jedoch mehrere Faktoren. Hierbei spielt die Absenkung der Kohlendioxid-Konzentration eine entscheidene Rolle. Wenn man alle Faktoren quantifiziert, kann man aus der Eiszeit lernen, wie stark Kohlendioxid das Klima beeinflusst. Um diese Information herauszufiltern, haben Thomas Schneider von Deimling, Hermann Held, Andrey Ganopolski und Stefan Rahmstorf aufwändige Klimasimulationen mit einer Reihe von Datensätzen des Eiszeitklimas kombiniert. Die Ergebnisse ihrer Studie erscheinen diesen Monat in der Fachzeitschrift Climate Dynamics.

Die Wissenschaftler haben in ihrer Arbeit auch Modellunsicherheiten berücksichtigt, indem sie einen Satz von 1.000 Versionen eines Klimamodells konstruiert haben. Jedes dieser einzelnen Modelle weist ein etwas unterschiedliches Verhalten der Wolken, der Ozeanströmungen oder anderer, nur mit Unsicherheitsmargen berechenbarer Prozesse auf. Für jedes dieser 1.000 Modelle wurde ein globales Erwärmungsszenario mit einer Verdoppelung der CO2-Konzentration berechnet. Die Stärke der globalen Erwärmung (die Reaktion auf eine CO2-Verdoppelung nennt man die "Klimasensitivität") fiel wie erwartet für die verschiedenen Modelle unterschiedlich aus - so wie dies auch bei Klimamodellen unterschiedlicher Forschergruppen der Fall ist. Die entscheidende Frage lautet: Wie empfindlich reagiert das Klima tatsächlich auf CO2? Anstatt darauf zu warten, dass die Zukunft die endgültige Antwort liefert, können wir einen Blick auf die klimageschichtliche Vergangenheit werfen.

Zu diesem Zweck wurden alle Modellversionen einem kritischen Test unterzogen, um die Spreu vom Weizen zu trennen: Wie gut können diese Modelle das Klima der letzten großen Eiszeit simulieren? Bei den Modellen, die zu empfindlich auf CO2-Konzentrationsänderungen reagieren, fällt auch das Eiszeitklima zu kalt aus, und umgekehrt. Nach einer sorgfältigen Analyse aller Unsicherheiten kamen die Forscher zu dem Schluss, dass sich eine Klimasensitivität von weniger als 1,2°C oder mehr als 4,3°C nicht mit den Daten aus der letzten Eiszeit vereinbaren lässt - wobei ein Wert von ungefähr 3°C als am wahrscheinlichsten einzustufen ist. Die Klimasensitivität ist wohlgemerkt ein einfaches Maß für die zu erwartende Langzeit-Klimaerwärmung nach einer Verdoppelung der CO2-Konzentration. Diese Größe sollte also nicht verwechselt werden mit der globalen Klimaerwärmung zu einem bestimmten Zeitpunkt (beispielsweise im Jahr 2100), welche von der zeitlichen Entwicklung der CO2-Konzentration und von anderen das Klima beeinflussenden Antriebsfaktoren abhängt.

"Ein positives Ergebnis unserer Studie ist, dass wir eine extrem hohe Klimasensitivität von sechs, sieben oder sogar noch mehr Grad Celsius so gut wie ausschließen können - Zahlenwerte, die andere Wissenschaftler als durchaus plausibel einstufen", sagt Thomas Schneider von Deimling, Erstautor der Studie.

Die Unsicherheit der zukünftigen Klimawirkung unserer Kohlendioxid-Emissionen wird durch zwei Fragen bestimmt. Erstens: Welche zukünftige Kohlendioxid-Konzentration stellt sich infolge einer bestimmten Emissionsmenge ein? Zweitens: Wie viel Erwärmung erfolgt bei einer bestimmten Kohlendioxid-Konzentration? Die neue Studie hat den zweiten Aspekt untersucht und ergänzt somit eine weitere, kürzlich erschienene Arbeit zur ersten Frage, welche sich ebenfalls auf Klimadaten der Vergangenheit stützt, um den Kohlenstoffkreislauf zu untersuchen (Scheffer, M., V. Brovkin, and P. Cox (2006), Geophys. Res. Lett., 33; siehe unsere PM vom 22 Mai). Die Ergebnisse beider Studien legen nahe, dass die Schätzung des wahrscheinlichsten Wertes für die künftige globale Erwärmung in bisherigen Studien etwas zu gering ausgefallen ist - und zwar nicht, weil die Klimasensitivität unterschätzt wurde, sondern weil der Kohlenstoffkreislauf die Erwärmung gegen Ende des Jahrhunderts verstärken könnte.

Kontakt:

thomas.schneider@pik-potsdam.de, Tel.: +49-331-288-2630
stefan.rahmstorf@pik-potsdam.de, Tel.: +49-331-288-2688
Originalartikel:
Thomas Schneider von Deimling, Hermann Held, Andrey Ganopolski and Stefan Rahmstorf: Climate sensitivity estimated from ensemble simulations of glacial climate, Climate Dynamics (2006), Vol. 27, 149-163.

Margret Boysen | Potsdam Institute for Climate Im
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de
http://www.springerlink.com/content/a70n722515243682/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics