Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Starkregen in Afrika

23.08.2006
Deutsche Einrichtungen erforschen in internationalem Großvorhaben den Monsun Westafrikas und seine Folgen

Ein internationales Wissenschaftlerteam erforscht in Westafrika die Variationen des Monsuns und dessen Folgen für die Landwirtschaft und die Gesundheit der Bevölkerung. Daran beteiligt sind Wissenschaftler des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung des Forschungszentrums Karlsruhe und der Universität Karlsruhe. Sie untersuchen in Burkina Faso die Entstehung und Ausbreitung großräumiger Gewittersysteme, der einzigen Quelle für Niederschläge in dieser Region. Die Gewittergebiete erstrecken sich dabei über mehr als 100 000 Quadratkilometer und führen zu Regenmengen von bis zu 50 Litern pro Quadratmeter in einer halben Stunde.

Die Regionen der Erde im Übergangsbereich von feuchten zu trockenen Klimaten reagieren sehr empfindlich auf Schwankungen des Klimas. Besonders deutlich wurde dies in den letzten Jahrzehnten durch die langanhaltende Trockenheit in der Sahelzone südlich der Sahara, die Millionen von Menschen betraf. Der in manchen Jahren nahezu ausbleibende, in anderen Jahren sehr intensive Regen wird durch das Monsun-Windsystem Westafrikas gesteuert, welches im Zeitraum von Juni bis September feuchte Luftmassen in das Innere des Kontinents verfrachtet. Der einsetzende Regen hat dann positive Folgen für die Landwirtschaft, bringt aber auch die Ausbreitung von Stechmücken und der Malaria mit sich. Ein zurzeit laufendes, großes europäisches Forschungsvorhaben (AMMA: Afrikanischer Monsun: Multidisziplinäre Analysen, https://www.amma-eu.org/, EU 6. Rahmenprogramm) soll die Ursachen der Veränderlichkeit des Monsuns und dessen Folgen für die Landwirtschaft und die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung klären. Das EU-Forschungsvorhaben AMMA basiert auf einer französischen Initiative und wird mit insgesamt 36 europäischen und vier afrikanischen, pannationalen Organisationen durchgeführt und von der französischen Einrichtung CNRS (Centre National Recherche Scientifique) koordiniert. Es ist in das internationale AMMA-Projekt eingebettet, an welchem sich unter anderem die Vereinigten Staaten und viele weitere afrikanische Institutionen beteiligen (http://www.amma-international.org/).

An den Messungen sind sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung des Forschungszentrums Karlsruhe und der Universität Karlsruhe beteiligt. Sie arbeiten im Sommer 2006 mehrere Monate in der Stadt Dano in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder Westafrikas.

Die Karlsruher Wissenschaftler untersuchen die intensivsten Wetterereignisse der Region. Dabei handelt es sich um einen großräumigen Zusammenschluss mehrerer einzelner Gewitterzellen zu einem großen regionalen Gewittersystem. Wie die Messungen ergaben, können diese Gebiete mehr als 100 000 Quadratkilometer umfassen und rund 18 Kilometer hoch in die Atmosphäre ragen. In lokal begrenzten aktiven Kernbereichen fallen dabei bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter in einer halben Stunde.

Diese Gewittersysteme, so genannte MCS (= Mesoscale Convective System), sind praktisch die einzige Quelle von Regenwasser in dieser Region der Erde. Während und nach dem Durchgang der MCS wurden bis zu 6 Radiosonden am Tag gestartet, um den Aufbau der Atmosphäre bis 20 Kilometer Höhe zu erfassen. Die hochreichenden Gewittersysteme werden von Luft am Boden gespeist. Die Aufwindgeschwindigkeiten erreichen dabei bis zu 80 Kilometer pro Stunde. Die für den Niederschlag notwendige Feuchtezufuhr erfolgt weitgehend durch den Monsunwind, der Luft in einer Schichtdicke von nur 800 Metern vom atlantischen Ozean herantransportiert.

Um die Verdunstung zuvor gefallenen Niederschlags zu berücksichtigen, wird im angrenzenden Bontioli-Nationalpark der Austausch von Wasser, Energie und verschiedenen Gasen zwischen der Baum-Savanne und der Atmosphäre untersucht. Auch die Bodenfeuchte wird mit neuesten Verfahren gemessen. Es zeigte sich, dass gerade die Gebiete prädestiniert für Folgeniederschläge sind, wo der durch den vorangegangenen Monsunregen feuchte Boden die Wolken- und Gewitterbildung besonders begünstigt.

Ausgangsbasis zahlreicher Untersuchungen ist die Forschungsstation der Dreyer-Stiftung in der Stadt Dano, deren wissenschaftliches Programm vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF, Universität Bonn) koordiniert wird.

Forscherinnen und Forscher deutscher Einrichtungen leisten maßgebliche Beiträge zu dem Programm AMMA mit intensiven Messungen in der Region im Jahr 2006, mit Langzeitbeobachtungen sowie mit Modelluntersuchungen. Ziel ist es, ein besseres Verständnis des Monsuns zu erreichen und die Vorhersagbarkeit mit Modellen zu verbessern, um sowohl für den Ackerbau als auch das Gesundheitswesen Vorsorgemaßnahmen zu ermöglichen sowie die Bedeutung Westafrikas für das globale Klimasystem zu untersuchen. Beteiligt sind Arbeitsgruppen der Universitäten Bonn, Bremen, Frankfurt, Karlsruhe, Kiel, Köln, Mainz und München, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Forschungszentrums Karlsruhe und des Forschungszentrums Jülich (Mitglieder der Helmholtz-Gemeinschaft) sowie des Max-Planck Instituts für Kernphysik in Heidelberg (Übersicht siehe http://www.uni-koeln.de/math-nat-fak/geomet/meteo/amma/). Die durchgeführten Messungen erfolgen eng abgestimmt mit den europäischen Partnern und afrikanischen Einrichtungen, um für einen längeren Zeitraum die Vorgänge in der Atmosphäre und über dem Atlantik im Golf von Guinea zu dokumentieren.

Neben den intensiven, temporären Messungen des Jahres 2006 werden in der gleichen Region die vom BMBF finanzierten langfristigen Forschungsprojekte GLOWA Volta, (www.glowa-volta.org), IMPETUS (www.impetus.uni-koeln.de) und BIOTA West Afrika (www.biota-africa.de) weitergeführt, die dort bereits seit einigen Jahren umfangreiche, länderübergreifende meteorologisch-hydrologische Messnetze betreiben.

Das Forschungszentrum Karlsruhe ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,1 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Dr. Joachim Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.fzk.de
http://www.uni-koeln.de/math-nat-fak/geomet/meteo/amma/

Weitere Berichte zu: AMMA Gewittersystem Monsun Niederschlag Westafrika

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Satelliten erfassen Photosynthese mit hoher Auflösung
13.10.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Erforschung des grönländischen 79°-Nord-Gletschers
12.10.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik