Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweite Inventur der Wälder

17.08.2006
ESA-Projektbüro an der Universität Jena zur Kartierung der Landoberfläche setzt Arbeit fort

Für den Laien scheint die Frage "Was ist ein Wald?" leicht zu beantworten: ein Gebiet, in dem Bäume wachsen. Doch für Geografen wie Dr. Martin Herold ist der Begriff nicht so eindeutig zu klären. "Je nach Klimazone, Artenvielfalt, Zustand der Bäume bzw. der Waldnutzung, gibt es weltweit mehr als 300 Definitionen von 'Wald'", macht der Experte für Fernerkundung von der Friedrich-Schiller-Universität Jena das Problem deutlich. "Bis heute meinen Europäer, Amerikaner oder Chinesen zum Teil ganz unterschiedliche Ökosysteme, wenn sie von 'Wald' reden." Und diese Unterschiede spiegeln sich auch in den entsprechenden geografischen Karten und nationalen Forstinventuren wider.

Doch um globale Veränderungen im Waldbestand, etwa durch Klimaveränderungen und Abholzung zu erfassen, sind gemeinsame Definitionen Voraussetzung. "Und dazu brauchen wir einheitliche Standards, nach denen die Landoberfläche erfasst und beurteilt wird", so Dr. Herold weiter. Diese einheitliche Grundlage innerhalb der internationalen Wissenschafts- und Anwendergemeinde zu entwickeln und mit Hilfe von Satellitendaten umzusetzen, das ist eines der Ziele, mit denen Fernerkundungsexperten und Raumfahrtbehörden das Programm GOFC-GOLD ("Global Observation of Forest Cover - Global Observation of Land Dynamics") ins Leben gerufen haben. Das hauptsächlich durch die europäische Raumfahrtbehörde ESA finanzierte europäische Projektbüro ist seit Anfang 2004 an der Universität Jena angesiedelt. Hier sammeln und bewerten die Geografen seither die unterschiedlichen Daten und Satellitenaufnahmen, die die Landbedeckung unseres Planeten und deren Veränderungen darstellen. Diese Arbeiten erfolgen insbesondere im Europa-übergreifenden GMES-Programm ("Global Monitoring for Environment and Security") sowie der globalen Umsetzung im Rahmen der "Group on Earth Observation" (GEO).

"Jena ist damit zum Knotenpunkt eines globalen Forschungsnetzwerkes geworden", sagt Prof. Dr. Christiane Schmullius, Professorin für Fernerkundung an der Jenaer Universität. Sie leitet das Projektbüro, das die Arbeit mit so renommierten Partnern wie der NASA, der ESA oder der Welternährungsorganisation FAO koordiniert. Und das ist Prof. Schmullius und ihren Kollegen in den vergangenen zweieinhalb Jahren offensichtlich gut gelungen. Denn der Hauptsponsor des Projektbüros, die Raumfahrtbehörde ESA, hat jetzt eine Verlängerung der Finanzierung bis Anfang 2010 angekündigt. Damit können die Jenaer Wissenschaftler ihre Arbeit auch in Zukunft fortsetzen.

... mehr zu:
»ESA »Fernerkundung »Geograf

"Jetzt folgt der Praxistest", freut sich Projektkoordinator Dr. Herold auf die bevorstehenden Aufgaben. So werden die Geografen aktiv an neuen und besseren Weltkarten mitarbeiten, u. a. im Rahmen des GLOBCOVER-Projektes der ESA. Weiterhin sollen z. B. ab dem Jahr 2010 für die alle fünf Jahre von der FAO veröffentlichten Daten über den weltweiten Waldbestand ("Forest Ressource Assessment") erstmals weltweit Satellitendaten im großen Stile genutzt werden - nach den Kriterien und Methoden, die in Jena mit ausgearbeitet wurden. Dazu werden auch Daten des neuen deutschen Erdbeobachtungssatelliten TERRASAR-X (geplanter Start Oktober 2006) eingesetzt.

Kontakt:
Prof. Dr. Christiane Schmullius / Dr. Martin Herold
Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948880, 03641 / 948887
Fax: 03641 / 948832
E-Mail: c.schmullius[at]uni-jena.de, m.h[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.gofc-gold.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: ESA Fernerkundung Geograf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unter hohem Druck elastisch: Bayreuther Forscher erschließen Zusammensetzung des Erdmantels
30.03.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE