Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorhersage von Vulkanausbrüchen

24.07.2006
Temperatur von magmatischem Gas liefert Hinweis

Wie sich die Messung der Temperaturänderungen von Gasen aus Erdspalten in der Nähe von Vulkanschloten, so genannten Fumarolen, für die Vorhersage von Vulkanausbrüchen nutzen lässt, erforscht Gudrun Richter vom Institut für Geowissenschaften an der Universität Potsdam im Rahmen ihrer Doktorarbeit. Ihre Untersuchungen führt die Geophysikerin in Zusammenarbeit mit Kollegen der Ludwig-Maximilian Universität München und dem GeoForschungsZentrum Potsdam an dem Vulkan Merapi durch.

Der Merapi liegt auf der indonesischen Insel Java, unweit der Stadt Yogyakarta. Er ist einer der aktivsten Vulkane der Welt und steht schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts unter durchgängiger Beobachtung. Deswegen ist er für Geowissenschaftler prädestiniert, nach geeigneten Parametern zu suchen, die die Vorhersage eines Ausbruchs ermöglichen.

Einen Hinweis darauf, was im Inneren des Berges vorgeht und ob in näherer Zukunft mit einem größeren Ausbruch zu rechnen ist, könnte die Temperatur der Gase an so genannten Fumarolen geben. Fumarolen sind Erdspalten, die an der Oberfläche als kleine Löcher im Boden sichtbar werden. Aus diesen steigt Gas vom Magma an die Oberfläche. Wenn Fumarolen in einigen Regionen des Vulkans gehäuft auftreten, spricht man auch von Fumarolenfeldern. Ziel von Gudrun Richters Forschungsarbeit ist es, eine Methode zu entwickeln, mit der die Temperaturdaten aus den Fumarolenfeldern so aufbereitet werden, dass sie als eines von mehreren Kriterien für die Bewertung der Ausbruchswahrscheinlichkeit herangezogen werden können.

Das Fumarolen-Gas besteht zum größten Teil aus Wasserdampf und Kohlendioxid. Dazu kommen in geringeren Mengen gasförmige Salzsäure und Schwefeldioxid sowie Schwefelwasserstoff. Die Gase entweichen dem Magma mit rund 1.000 Grad Celsius. Je dichter das Magma an die Erdoberfläche kommt, desto höher steigt auch die an der Oberfläche gemessene Temperatur des Gases, die bei circa 400 Grad Celsius liegt. Vor dem Ausbruch im Februar 2001 konnte Gudrum Richter mehrfach Temperaturanstiege von bis zu acht Grad innerhalb von 20 Minuten in den Daten finden. Im Herbst 2004 stieg die Fumarolentemperatur an einer Messstation über mehrere Wochen deutlich an, während in den vier Jahren zuvor kein so deutlicher Anstieg zu verzeichnen war. Das scheint ein Vorbote der letzten verstärkten Aktivität des Merapi im Mai und Juni dieses Jahres gewesen zu sein.

Probleme bei der Bewertung der Messergebnisse bereiten derzeit noch die Niederschläge. Das Regenwasser läuft in die Fumarolen und kann dadurch die Messwerte verfälschen. Hier muss die Geophysikerin noch eine Methode finden, den Einfluss des Wetters aus den Daten zu entfernen. Aber bald schon, ist sich Gudrun Richter sicher, wird die Fumarolentemperatur ein wichtiges Puzzelteil sein, dass sich mit Daten zur seismischen Aktivität und weiteren Parametern zu einem Gesamtbild zusammenfügt, welches die aktuelle Ausbruchsgefahr des Vulkans wiedergibt. Im September wird sie ihre Forschungsergebnisse auf einem Merapi-Workshop in Yogyakarta präsentieren.

Als Ansprechpartner steht Ihnen Gudrun Richter, Institut für Geowissenschaften an der Universität Potsdam, Tel.: 0331/977-5850, E-Mail: richter@geo.uni-potsdam.de zur Verfügung.

Andrea Benthien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de/pressmitt/2006/pm141_06.htm

Weitere Berichte zu: Fumarolen Magma Temperatur Vorhersage Vulkan Vulkanausbruch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Auf der Suche nach Hochtechnologiemetallen in Norddeutschland
26.06.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie