Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sternenstaub unter dem Mikroskop

05.05.2006


Mineralogen der Universität Jena untersuchen Staubteilchen aus dem Kometen "Wild 2"



Ende April bekam Prof. Dr. Falko Langenhorst Post. Den Inhaber des Lehrstuhls für Mineralogie der Friedrich-Schiller-Universität Jena erreichte ein kleines Paket. Absender: NASA, Houston, Texas. So ungewöhnlich wie der Absender war auch sein Inhalt - winzige Staubkörnchen aus einem Kometenschweif. Auf die Erde kam die außergewöhnliche Fracht Anfang des Jahres mit der NASA Sonde "Stardust" (Sternenstaub). Die hatte sich nach einer fünf Jahre dauernden Reise im Jahr 2004 bis auf etwa 230 Kilometer dem Kometen "Wild 2" genähert und auf einem speziellen Kollektor winzige Staubteilchen aus seinem Schweif eingefangen.



"Insgesamt handelt es sich wahrscheinlich um ein paar Tausend Teilchen und die sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge gar nicht sieht", erklärt Prof. Langenhorst. Bei ihrem Aufprall auf die Sonde bohrten sich die Staubpartikel in ein so genanntes Aerogel, einen Spezialschaum auf dem Kollektor, der sie abbremste und während des Heimfluges zur Erde schützend umschloss. Nach der Landung wurden die Partikel aus dem Aerogel isoliert, in Kunstharz gegossen und in hauchdünne Stücke geschnitten. Zwei dieser geschnittenen Proben hält der Jenaer Mineraloge jetzt in den Händen. Damit ist Prof. Langenhorst und sein Team, dank der wissenschaftlichen Vorarbeiten der Arbeitsgruppe und der besonderen Ausstattung des Instituts, eines von nur vier deutschen Labors, denen die NASA die kostbaren Staubproben anvertraute. Weltweit beteiligen sich etwa 150 Forscher an der Untersuchung des Schweifstaubs von "Wild 2".

Die Winzigkeit der Staubproben bereitet den Geowissenschaftlern keine Schwierigkeiten. "Für Mineralogen ist das mehr als genug Material", stellt Langenhorst schmunzelnd fest. Schließlich verfüge das Institut für Geowissenschaften doch über eines der besten Transmissionselektronenmikroskope in ganz Ostdeutschland. Damit können die Forscher die Präparate in millionenfacher Vergrößerung betrachten und ihre chemische Zusammensetzung präzise bestimmen. Für die Untersuchungen bleibt Langenhorst und seinen Mitarbeitern jetzt ein halbes Jahr. Danach geht der Kometenstaub zurück an die NASA.

Doch bereits jetzt können die Forscher über die Fülle an neuen, unerwarteten Erkenntnissen, die andere Untersuchungen des Kometenschweifs bereits erbrachten, nur staunen: "Der Komet stammt aus der kältesten Region unseres Sonnensystems, aus der so genannten Oort’schen Wolke", weiß Langenhorst. Diese Region, noch jenseits des Planeten Pluto, enthält zahllose Kometen, die so alt sind wie unser Sonnensystem. "Trotzdem enthält der Komet ’Wild 2’ Material, das sich nur bei sehr hohen Temperaturen im inneren Bereich des Sonnensystems gebildet haben kann", beschreibt Langenhorst den überraschenden Befund. So bestehen die untersuchten Staubteilchen zum Beispiel aus aluminium-, kalzium- oder titanhaltigen Mineralen. "Irgendwie ist das Material vom Inneren des Sonnensystems ganz nach außen transportiert worden", so Langenhorst. Wie das geschehen sein könnte, diskutieren die Forscher derzeit.

Von den jetzt weltweit laufenden Forschungsarbeiten erhoffen sich die Wissenschaftler noch weitere unerwartete Entdeckungen, die einzigartige Informationen über die Entstehung des Sonnensystems liefern. Mit Blick auf die beginnenden Untersuchungen im eigenen Labor ist Langenhorst sich sicher: "Vor uns liegen spannende Monate".

Kontakt:
Prof. Dr. rer. nat. Falko Langenhorst
Institut für Geowissenschaften der Universität Jena
Burgweg 11, 07749 Jena
Tel.: 03641 / 948700, Fax: 03641 / 948602
E-Mail: falko.langenhorst@uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Komet NASA Sonnensystem Staubteilchen Sternenstaub

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen
22.08.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

6. Leichtbau-Tagung: Großserienfähiger Leichtbau im Automobil

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Turbulente Bewegungen in der Atmosphäre eines fernen Sterns

23.08.2017 | Physik Astronomie

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten