Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Blick in das Innere der Wolken

19.04.2006


Am Freitag, den 21. April 2006 wird der Erdbeobachtungssatellit CloudSat von der NASA auf der amerikanischen Vandenberg Air Force Base in seine Umlaufbahn geschossen. Ausgerüstet mit spezieller Radartechnologie ermöglicht CloudSat den Blick in das Innere von Wolken und liefert Wetter- und Klimaforschern neue Erkenntnisse. An der Entwicklung der wissenschaftlichen Auswerteverfahren der durch CloudSat gewonnen Radardaten waren Mitarbeiter des GKSS-Forschungszentrums in Geesthacht beteiligt.


Beispiel eines Vertikalschnitts durch ein frontales Wolkensystem, das sich bis in zehn Kilometer Höhe erstreckt. Die Daten wurden durch ein vom Boden eingesetztes Wolkenradar erfasst. Die unterschiedlichen Farben geben einen Hinweis auf die Signalstärke der Radarrückstreuung. Foto: GKSS-Forschungszentrum Geesthacht



Wolken verteilen Wasser um und sind deshalb für den Wasserkreislauf auf der Erde von entscheidender Bedeutung. Ob und wie viel es regnet, hagelt oder schneit ist jedoch nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich.



Wetter- und Klimaforscher konnten mit Hilfe von Satelliten bisher nur bis zu den Wolkenkanten schauen. ?Mit dem Hochfrequenz-Radar auf CloudSat sind wir in der Lage, die vertikale Mächtigkeit, also die Dicke der Wolken, zu erfassen und deren Inneres besser zu erschließen?, erläutert Dr. Markus Quante, Meteorologe am Institut für Küstenforschung des GKSS-Forschungszentrums in Geesthacht und Mitglied des Wissenschaftsteams des CloudSat-Projekts. Hochfrequenz-Technologie im Gigahertz-Bereich ist besonders für die Raumfahrt geeignet, denn diese Technik benötigt relativ wenig Energie und kann sehr Platz sparend konstruiert werden. Die vom Satelliten ausgesandten Radarstrahlen dringen in die Wolken ein und treffen dort auf Tröpfchen oder Eiskristalle von unterschiedlicher Größe. Im Allgemeinen gilt: je größer die Bestandteile, desto starker ist das reflektierte Radarsignal. ?Mit diesem neuen Instrument kann beurteilt werden, unter welchen Bedingungen es zu Niederschlag kommt und welche Wassermassen die Erde treffen oder in der Wolke verbleiben. Die Kenntnisse dieser Details können unsere tägliche Wettervorhersage verbessern?, verdeutlicht Quante die Erwartungen an CloudSat.

Wolken transportieren jedoch nicht nur Wasser, sondern übernehmen auch eine weitere tragende Rolle in unserem Klimasystem, da sie die Strahlungsbilanz der Erde beeinflussen. Sie reflektieren einfallende Sonnenstrahlung in den Weltraum zurück und haben damit einen kühlenden Einfluss. Ihre Wirkung kann aber auch wärmend sein, da sie vom Erdboden abgestrahlte Wärme zurückhalten und diese nicht in den Weltraum entweicht. Zusätzlich können Wolken geschichtet auftreten, so dass eine Berechnung der Netto-Strahlungsbilanz mit herkömmlichen Satelliten nur schwer oder kaum möglich war.

CloudSat wird mit weiteren Satelliten in Formation fliegen. Dieser Zusammenschluss ermöglicht neben dem Blick in das Innere der Wolken auch die Berechnung der Wechselwirkungen mit anderen Eigenschaften der Atmosphäre, die für das Verständnis des irdischen Wasserkreislaufs und des Klimasystems von Bedeutung sind.

Die von CloudSat gelieferten Informationen über vertikal aufgeschlossene Wolkenfelder und deren Schichtung werden im Institut für Küstenforschung am GKSS-Forschungszentrum genutzt. Die Geesthachter Wissenschaftler bewerten mit Hilfe dieser Daten ihre Modelle zur Berechnung des Transports von Umweltchemikalien in der Küstenregion, da die Verteilung und Rückführung dieser Stoffe zum Boden insbesondere auch von Wolkenprozessen und Niederschlägen abhängig sind.

Bei weiteren Fragen:

Dr. Torsten Fischer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH
Max-Planck-Straße 1
21502 Geesthacht
Telefon: +49 (0) 41 52 / 87 - 1677
Email: torsten.fischer@gkss.de

Dr. Markus Quante
Umweltchemie
Institut für Küstenforschung
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH
Max-Planck-Straße 1
21502 Geesthacht
Telefon: +49 (0) 4152 / 87 - 2378
Email: markus.quante@gkss.de

Die GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH mit den Standorten Geesthacht in Schleswig-Holstein und Teltow bei Berlin in Brandenburg ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.. 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Industrie für Wissenschaft und Entwicklung in den Bereichen Küstenforschung, Funktionale Werkstoffsysteme, Regenerative Medizin sowie der Strukturforschung mit Neutronen und Photonen.

Dr. Torsten Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://cloudsat.atmos.colostate.edu/
http://photojournal.jpl.nasa.gov/gallery/snt?start=20

Weitere Berichte zu: CloudSat Küstenforschung Satellit Wolke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Einfluss der Sonne auf den Klimawandel erstmals beziffert
27.03.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz