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Experten bei Klimatagung einig: Globaler Klimawandel macht weltweite politische Neuorientierung nötig

12.10.2001


Eine drastische Reduktion der Kohlendioxidemissionen und der Einstieg in ein neues solares Zeitalter stehen nicht im Gegensatz zu einer hohen Lebensqualität der Menschen. Dies ist zusammengefaßt das Ergebnis einer fachübergreifenden Tagung mit namhafte Fachleuten aus ganz Deutschland zum Thema "Das 21. Jahrhundert im globalen Klimawandel", die - organisiert von der Universität Bayreuth und Evangelische Kirche der Stadt - am 8./9. Oktober in Bayreuth stattfand. Es ging dabei um eine Bestandsaufnahme der Klimasituation, eine ethische Reflexion und zugleich die Diskussion über technologische Neuansätze der Industrie. Dabei zeigte sich sehr bald, dass dieses Thema einen höchst aktuellen Bezug zur derzeitigen politischen Situation hat.



Die Referenten, so u. a. Professor Hartmut Graßl (Hamburg), der Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung "Globale Umweltveränderungen", machten klar, dass man neben den natürlichen Klimaschwankungen deutliche vom Menschen verursachte (anthropogene) Effekte durch den erhöhten Anteil von Treibhausgasen erkennen kann, die in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zu einem kräftigen Temperaturanstieg führten. Europa ist dabei der Kontinent mit der prozentual höchsten Verschiebung von Klimazonen, die mehr als 8 % der Fläche betrifft. In Oberfranken gibt es einige Bereiche, z. B. den Tourismus und das Kurwesen, auf die bereits der bisherige Temperaturanstieg nachweisliche negative Auswirkungen hat.



Dramatischer betrifft der Klimawandel die Entwicklungsländer. Dies zeigt sich in der Zunahme von Dürren, Stürmen, Überschwemmungen und Krankheiten sowie an der Bedrohung der Inselstaaten durch den steigenden Meeresspiegel. Prekär ist diese Situation besonders unter dem ethischen Aspekt, weil diese Länder Opfer des gigantischen Energieverbrauchs der Industrieländer werden. Die Referenten betonten, dass gerade deshalb das Aufweichen des Kyoto-Protokolls und besonders das Aussteigen der USA aus dem Vertrag ein Affront gegenüber den Entwicklungsländern sind. Hier wurde auf der Tagung auch im Lichte der Ereignisse der letzten Wochen deutlich eine neue Außen- und Entwicklungspolitik der Industrieländer gefordert. Entsprechende Vorschläge werden am 18. Oktober durch Prof. Graßl in einer Pressekonferenz in Bonn in Vorbereitung der Klimakonferenz 2002 in Johannesburg vorgestellt werden.

Hoffnung versprechen dagegen die energetischen Perspektiven, die u.a. von Prof. Michael Jisha (Clausthal, Präsident des Club of Rome Deutschland) erörtert wurden. So wird die Zukunft der Solarenergie gehören, die entweder direkt oder mittels des Wasserstoffs (als Speicher) als Hauptenergiequelle zum Tragen kommen wird. Bis zur Umsetzung dieser Perspektive in wohl noch einigen Jahrzehnten, ist es die Aufgabe, in allen Bereichen unserer Industrieländer umfassend den Ausstoß an Treibhausgasen zu reduzieren. Erfolgt eine solche Reduzierung nicht, so wird der notwendige Einstieg ins solare Zeitalter zu spät kommen, denn die einmal in die Atmosphäre gelangten Treibhausgase bleiben für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte wirksam.

Erforderlich ist eine Änderung des Lebensstils jedes Einzelnen, sowie ein verantwortlicher Umgang mit Energie in der Wirtschaft und gezielte Entscheidungen der Politik. Nahegelegt wurde, das Kreditprogramm der Bundesregierung zur Wärmedämmung bei Altbauten zu nutzen, da sich hier das größte Einsparungspotential befindet. Die Einführung eines Tempolimits auf den deutschen Autobahnen sei sinnvoll. Auf der Tagung wurde das Energieeinspeisungsgesetz gewürdigt und die positive Wirkung der Ökosteuer hervorgehoben; in Analogie dazu sind politische und finanzielle Maßnahmen gefordert, um dem 3-Liter-Auto kurzfristig zum Durchbruch zu verhelfen.

M. A. Jürgen Abel | idw

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