Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Ökosystem des Brachiosaurus

07.08.2001


Nicht erst seit Jurassic Park faszinieren Dinosaurier die Menschen. Über das Aussehen, das Verhalten und sogar über die Biologie von Dinosauriern ist eine Fülle von Informationen vorhanden. Doch in welcher Umwelt lebten die Riesen der Vorzeit? Wissenschaftler der TU Berlin wollen in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Gemeinschaftsprojekt mit dem Naturkundemuseum Berlin mehr über die Lebensbedingungen vor Millionen von Jahren erfahren.

Anfang des 20. Jahrhunderts stößt man bei der Suche nach Mineralien auf die Knochen eines vorzeitlichen Giganten. Es sind Überreste eines Brachiosaurus, eines der größten Tiere, das je auf der Erde gelebt hat: 23 Meter lang, 12 Meter groß, 80 Tonnen schwer. Der Ort: Tendaguru in Deutsch-Ostafrika. Was man fand, wurde zu einer der weltweit bedeutendsten Dinosaurier-Lagerstätten. Von 1909 bis 1913 wurden in mehreren Expeditionen des Museums für Naturkunde über 250 Tonnen Knochen und Skelette ins kaiserliche Berlin gebracht. Noch heute ist im Lichthof das fast vollständig erhaltene Skelett eines Brachiosaurus zu bestaunen. Die Wissenschaftler Anfang des letzten Jahrhunderts waren hauptsächlich an den spektakulären Knochen interessiert, heute suchen die Forscher in dem umgebenen Gestein Antworten auf die Frage nach dem Lebensraum der Dinosaurier.
"Ziel des Gesamtprojekts ist es, ein möglichst umfassendes Bild des damaligen Ökosystems zu gewinnen", so Dr. Robert Bussert, der für die TU Berlin an dem Projekt beteiligt ist. Seine Aufgabe ist es, ein geologisches Modell für die Entstehung der Dinosaurier-Lagerstätte zu entwerfen. Wie sah die Landschaft aus? Lag das heute im Landesinneren befindliche Tendaguru an einer Lagune? Warum sind die Dinosaurier umgekommen und warum sind die Knochen so gut erhalten geblieben? Dies sind einige der Fragen, die Robert Bussert hofft, mit seiner Arbeit beantworten zu können.


Auf einer ersten Expedition im vergangenen Jahr nach Tendaguru, das heute zu Tansania gehört, konnte er ein Detailprofil der Sedimentabfolge in Tendaguru erstellen. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Tendaguru-Folge aus einem Wechsel von marinen und kontinentalen Schichten besteht. "Das bedeutet, dass sich die Umgebung der Fundstelle vor 150 Millionen Jahren mehrmals stark veränderte, mal war es Meeresboden, mal war es Festland", erklärt Robert Bussert. Verantwortlich für diesen Wechsel sind Schwankungen des Meeresspiegels in der Geschichte der Erdentwicklung. "Wenn wir den Einfluss der Meeresspiegelschwankungen und des Paläoklimas auf die Entstehung der Lagerstätte verstehen, sind wir einen Schritt weiter bei der Rekonstruktion des Ökosystems zur Zeit des Brachiosaurus", so Robert Bussert. Die Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin und des Naturkundemuseums Berlin kooperieren mit Kollegen der Universität in Dar Es Salaam.
Spuren der alten Ausgrabungen finden sich an vielen Stellen in Tendaguru und Tansania. 1909 gruben zeitweise über 500 einheimische Arbeiter unter Leitung von Professor Werner Janensch im afrikanischen Boden nach Dinosaurier-Knochen. Zu Fuß mussten die teilweise meterlangen Knochen von Trägern zur 110 Kilometer entfernten Küste gebracht und dann mit dem Schiff nach Deutschland transportiert werden. Die Arbeit war eine logistische und wissenschaftliche Herausforderung.
Dr. Robert Bussert will zusammen mit seinen Kollegen vom Naturkundemuseum erneut nach Tendaguru fahren. In der Feldarbeit sollen vor Ort Untersuchungen durchgeführt und Proben genommen werden, um mehr Informationen zu erhalten, in welcher Umwelt der riesige Brachiosaurus gelebt hat.

Alexander Schlichter


Datenbank
Ansprechpartner: Dr. Robert Bussert, TU Berlin, Institut für Angewandte Geowissenschaften
Fachgebiet: Sedimentologie und Quartärgeologie
Forschungsprojekt: Die strukturelle und sedimentologische Entwicklung eines passiven Kontinentalrandes und ihr Einfluss auf die Entstehung der Dinosaurier-Lagerstätte Tendaguru (Mandawa-Becken, Tansania, Ostafrika)
Kontakt: Ernst-Reuter-Platz 1, 10587 Berlin, Tel.: 030/314 - 26296, E-Mail: robert@geosys.bg.tu-berlin.de

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/fb9/sedimentologie/Bussert/Tendaguru.htm
http://www.tu-berlin.de/forschung-aktuell
http://www.tu-berlin.de/presse/wissenschaftsdienst/

Weitere Berichte zu: Brachiosaurus Knochen Tendaguru Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops