Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bergluft macht leicht

23.02.2005


Forscher der Universität Hannover und der Technischen Universität München untersuchen die Schwerkraft auf der Zugspitze



Am höchsten Punkt Deutschlands, der Zugspitze, ist nicht nur die Luft dünner, auch der Mensch wird leichter. Der Grund dafür liegt in der Schwerkraft, die am Gipfel um ein halbes Promille geringer ist als im Tal bei Garmisch-Partenkirchen, nämlich 9,8005 m/s² anstatt 9,8058 m/s². Ein Bergsteiger von 80 Kilogramm Körpergewicht wiegt auf der Zugspitze also bei einem Höhenunterschied von circa 2.200 Metern 40 Gramm weniger als im Tal. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Erdmessung der Universität Hannover und des Lehrstuhls für Astronomische und Physikalische Geodäsie der Technischen Universität München haben im September 2004 erstmals Messungen mit einem hochempfindlichen Freifall-Absolutgravimeter auf der Zugspitze durchgeführt. Diese Messungen erlauben Rückschlüsse auf die Zusammensetzung des Gebirges und könnten sogar die Hebung der Alpen nachweisen.



Die Mitarbeiter des Instituts für Erdmessung der Universität Hannover arbeiten weltweit in geodynamisch (Tektonik) und seismisch (Erdbeben) aktiven Gebieten oder auch in Zusammenhang mit dem Meeresspiegelanstieg (Klimaänderung) in den Küstenregionen Nordeuropas. Die dafür benötigten Feldgravimeter können nur dann für die hochgenaue Überwachung von Erdmassenverlagerungen eingesetzt werden, wenn deren Eichung sehr präzise bekannt ist. Deshalb wurden im Jahre 2004 vier wissenschaftliche Absolutschwerestationen in den deutschen Alpen eingerichtet. Zwei Stationen befinden sich auf der Zugspitze, eine oben auf dem Wank und eine am Fuße des Wanks (Garmisch-Partenkirchen). Damit wurde eine Eichlinie mit möglichst großen Gravitationsunterschieden und mit möglichst kurzen Fahrzeiten eingerichtet.

Die Schwerkraft oder Gravitation der Erde verändert sich besonders stark mit der Höhe und hat oben auf der Zugspitze den niedrigsten Wert Deutschlands. Dieser Punkt hat somit eine einzigartige Bedeutung für die Eichung von Schweremessinstrumenten. Wissenschaftlich interessant ist der Zugspitzengipfel auch deshalb, weil sich dort über lange Zeit kleine Schwerkraftveränderungen bestimmen lassen, die mit dem Abschmelzen der Alpengletscher und mit dem langsamen Wachstum des Faltengebirges Alpen verbunden sind.

"Der wesentliche Beitrag der Universität Hannover bei diesen Messreihen war die Absolutschweremessung, die nicht direkt auf dem Gipfel, sondern in einem benachbarten Gebäude durchgeführt wurde", erläutert Prof. Jürgen Müller vom Institut für Erdmessung. "Dieser Wert wurde durch Relativschweremessungen auf den Gipfel übertragen, GPS-Messungen dienen der Positionsbestimmung, damit genau nachgeprüft werden kann, wo welcher Schwerewert gemessen worden ist."

Die hochgenaue Bestimmung der Schwerkraft auf den Stationen wurde erst durch den Einsatz eines neuartigen Freifall-Absolutgravimeters möglich, das Ende 2002 mit Unterstützung vom Bund und Land Niedersachsen über die VolkswagenStiftung für das Institut für Erdmessung der Universität Hannover beschafft werden konnte. Für jede Stationsbestimmung sind mehrere tausend Freifallversuche erforderlich. Dabei wird ein Glaskörper entlang eines Laserstrahls im Hochvakuum fallengelassen, um dabei die zurückgelegte Fallzeit und den Fallweg mit einem Bruchteil einer Nanosekunde bzw. eines Nanometers (1 nm = 1 Millionstel eines Millimeters) zu messen.

Dr. Stefanie Beier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Berichte zu: Erdmessung Freifall-Absolutgravimeter Schwerkraft Zugspitze

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie