Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Der Vulkan im Vorgarten

08.06.2004

Anzeige


Das Rodderberg-Maar ist als kreisrunde Senke noch heute gut zu erkennen


Vor 300.000 Jahren kam es am Rodderberg im Bonner Stadtteil Mehlem zu einer ganzen Serie von Vulkanausbrüchen - nach 250.000 Jahre Ruhe. Geowissenschaftler der Universität Bonn erforschen momentan die Eruptionsgeschichte des nördlichsten bekannten Eifelvulkans. Ihr Fazit: Der Rodderberg ist ein ganz ungewöhnlicher Fall.

Das Rodderberg-Maar ist als kreisrunde Senke noch heute gut zu erkennen.
Vor etwa 550.000 Jahren traf dicht unter dem Rodderberg eine mehr als 1.000 Grad heiße Gesteinsschmelze mit Grundwasser zusammen - eine explosive Mischung: Durch die Hitze verdampfte das Wasser und dehnte sich schlagartig auf das mehr als tausendfache Volumen aus. Die Explosion schleuderte Magmafetzen und Gesteinstrümmer Hunderte von Metern in die Luft und ließ einen über 50 Meter tiefen kreisrunden Sprengtrichter zurück, der noch heute als Bodensenke sichtbar ist: Das Rodderberg-Maar. Durch Niederschläge füllte es sich bald mit Wasser, verlandete dann jedoch mit der Zeit.

"Der Rodderberg war nie ein besonders gefährlicher Vulkan", sagt Dr. Holger Paulick vom Mineralogisch-petrologischen Institut der Universität Bonn. Ganz anders als ein naher Verwandter, dessen Ausbruch vor 12.900 Jahren den Laacher See schuf: "Diese Eruption war so gewaltig, dass eine kilometerhohe Säule aus Asche und Bimsen in den Himmel stieg. Aschen vom Laacher See sind heute noch in Schweden nachweisbar." Dennoch sei der Rodderberg spannend, so der Vulkanforscher: "Die meisten Eifelvulkane stehen über 40 Kilometer weiter südlich; wie kommt es, dass sich einer von ihnen in den Vorgarten von Bonn verirren konnte?"

"Heißer Finger" verirrte sich nach Mehlem

Normalerweise entstehen Vulkane an den Grenzen der Erdplatten. Hier wird der Erdmantel teilweise aufgeschmolzen, und Magma steigt an die Erdoberfläche. Die Vulkane der Eifel sind dagegen - wie auch die in Hawaii - so genannte "Intraplattenvulkane", die an lokale Hitzeanomalien im Erdinneren gebunden sind. An diesen "hot-spots" steigt heißes Mantelgestein unabhängig von den Bewegungen der Erdplatten pilzförmig aus großen Tiefen auf und "brennt" sich durch die überlagernde Erdkruste.

Irgendwie scheint sich ein "heißer Finger" (O-Ton Paulick) vom Eifel-Hot-Spot nach Norden verirrt zu haben - und das gleich zweimal: Etwa 250.000 Jahre nach der Maareruption erwachte der Rodderberg erneut zum Leben, diesmal mit einer Serie von Schlackeneruptionen. Durch detaillierte Gelände- und Laboruntersuchungen konnten Dr. Paulick und seine Diplomandin Christine Ewen nachweisen, dass während dieser jüngeren Phase mehrere Krater entlang einer Nord-Süd orientierten Spalte tätig waren. Davon zeugt beispielsweise ein etwa sechs Meter hoher Basaltzipfel im Norden des Rodderberg-Maars - die verwitterungsresistente Füllung eines inzwischen erodierten Vulkanschlots.

Das Alter der Eruptionen lässt sich mittels "Thermolumineszenz-Messungen" bestimmen, die am Geographischen Institut in der Arbeitsgruppe Professor Dr. Ludwig Zöller durchgeführt wurden. "Das Verfahren gibt darüber Aufschluss, wann das Material zum letzten Mal stark erhitzt wurde", erklärt Henrik Blanchard, der diese Datierungen im Rahmen seiner Diplomarbeit anfertigte. Ergebnis der Untersuchung: Vor etwa 300.000 Jahre war der Rodderberg-Vulkan zum letzten Mal aktiv.

Dr. Paulick schließt nicht aus, dass es in der Bonner Gegend vor einigen hunderttausend Jahren noch weitere Vulkane gegeben hat. "Möglicherweise hat sich ein solcher ’heißer Finger’ noch mehrmals in unsere Gegend verirrt." Dass das Rodderberg-Maar nach so langer Zeit noch sichtbar ist, hält er ohnehin für einen besonderen Glücksfall: "Normalerweise sedimentieren die Bodensenken mit den Jahren komplett zu. Wenn es also in Wachtberg oder Meckenheim noch weitere alte Maare gäbe, würden wir sie wahrscheinlich gar nicht bemerken."

Das Rodderberg-Maar ist auch ein Anlaufpunkt der diesjährigen Georallye, die am 27. Juni stattfinden wird. Die weiteren Ziele werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Ansprechpartner:
Dr. Holger Paulick
Mineralogisch-petrologisches Institut
der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-6818
E-Mail: Holger.Paulick@uni-bonn.de

Frank Luerweg | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2004/245.html

Weitere Berichte zu: Rodderberg Vulkan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Hessen in 3 D - Virtuelles Modell des Untergrunds erleichtert Rohstoffnutzung
09.02.2012 | Technische Universität Darmstadt

nachricht NASA Satellite Sees Tropical Storm Cyril a Strong, Compact Storm
08.02.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

Alle Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler machen Eisen durchsichtig


Erstmals gezeigt, dass Atomkerne transparent werden

Einem Team von DESY-Wissenschaftlern um Dr. Ralf Röhlsberger gelang es an der hochbrillanten Synchrotronlichtquelle PETRA III, Atomkerne mit Hilfe von Röntgenlicht transparent zu machen. Sie entdeckten dabei gleichzeitig ein neues Prinzip, um einen optisch gesteuerten Schalter für Licht herzustellen, also Licht mit Licht zu beeinflussen, ein wichtiger Baustein auf dem ...

Im Focus: Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert


Wissenschaftler beobachten, wie Oxytocin zentrale Schaltstellen im Gehirn erreicht und das Verhalten beeinflusst

Kuschelhormon, Treuehormon, Angstlöser – häufig gebrauchte Schlagwörter für das Neuropeptid Oxytocin, das sich in den letzten Jahren als ein Stoff erwiesen hat, der unser Verhalten in zentralen Regionen des Gehirns positiv beeinflussen kann. Was jedoch bisher völlig unklar war: Wie gelangt dieser Botenstoff aus dem Hypothalamus in die Hirnbereiche, die ...

Im Focus: Datenspeicher mit Lachs-DNA und Nano-Silber


Ein neuartiger Biopolymer-Film aus Lachs-DNA mit Silber-Nanopartikeln speichert Informationen kostengünstig und umweltverträglich.

Entstanden ist das organische System in fächer- und länderübergreifender Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des DFG-Centers for Functional Nanostructures (CFN) am KIT und des Institute of Photonics Technologies an der National Tsing Hua University in Taiwan. Der DNA-Datenspeicher eignet sich unter anderem für biotechnische Anwendungen, etwa als Bauteil in Biosensoren.

Das System ...

Im Focus: VLT liefert detailreichstes Infrarotbild des Carinanebels


Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO haben das bislang detailreichste Infrarotbild der Sternkinderstube des Carinanebels aufgenommen. Es zeigt vor dem spektakulären Hintergrund einer himmlischen Landschaft auf Gas, Staub und jungen Sterne zahlreiche nie gesehene Details und zählt zu den atemberaubendsten VLT-Bildern überhaupt.

Im Herzen der südlichen Milchstraße, im Sternbild Carina (Der Schiffskiel, [1]), befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren die Sternkinderstube des Carinanebels. Diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist von der Erde aus gesehen eine der nächstgelegenen Geburtsstätten massereicher Sterne.

Der Nebel beinhaltet einige der hellsten und ...

Im Focus: Automatisch Lücken im Funkspektrum erkennen


Auf der embedded world identifizieren Wissenschaftler der Fraunhofer ESK Lücken im Funkspektrum, um diese für zusätzliche Übertragungen zu nutzen.

Der in Halle 5, Stand 5-228, vorgestellte Prototyp zeigt das Funkspektrum in einem 3D-Spektrogramm, markiert die prognostizierten Lücken und prüft deren Eintreffen. Diese Methode, Cognitive Radio, verbessert die Übertragungsqualität in einem bereits vollen Funkspektrum ohne aufwändiges, statisches Koexistenzmanagement. Ziel ist eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Funk für die Automatisierung.
...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Kaltwasserkorallen als Anpassungskünstler?

09.02.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Wandel der Hochschulbildung in Deutschland und Professionalisierung

09.02.2012 | Studien Analysen

Ocean warming causes elephant seals to dive deeper

09.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

7. Mannheimer Arbeitsrechtstag am 14. März mit Experten aus Theorie und Praxis

09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

International Forum on Terahertz Spectroscopy and Imaging

09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Teams aus neun Ländern treffen sich an der Leibniz Universität zum 6th Hanover PreMoot

09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp