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Asphalt fließt aus Tiefseevulkanen

14.05.2004


Neue Vulkanart im Golf von Mexiko entdeckt


Der Fuß eines Asphaltflusses bietet den ca. 50 cm langen Bartwürmern ideale Lebensbedingungen. Links ist ungestörter Meeresboden zu erkennen.


Krebse, Bartwürmer und Asphalt: eine ungewöhnliche Kombination. Wovon sich die Organismen ernähren ist noch unbekannt.



Unterwasser-Vulkane aus denen Asphalt statt Lava quillt: Sie wurden jetzt im Golf von Mexiko auf einer Expedition mit dem Forschungsschiff SONNE entdeckt, die Prof. Gerhard Bohrmann vom DFG-Forschungszentrum Ozeanränder leitete. Sein multinationales Wissenschaftlerteam stieß dabei in 3.000 Metern Wassertiefe auf ein artenreiches und bislang völlig unbekanntes Ökosystem. Über die spektakuläre Entdeckung berichtet die Wissenschaftszeitschrift Science in ihrer Ausgabe vom 14. Mai 2004.

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Asphalt bedeckt nicht nur unsere Straßen, sondern quillt im Golf von Mexiko aus Hügeln, die sich 450 bis 800 Meter über den wüstenartigen Meeresgrund erheben. Die Forscher entdeckten die Asphalt-Vulkane während einer Ausfahrt mit dem Forschungsschiff SONNE. Was zunächst nur auf Videoaufnahmen sichtbar war, bestätigten im weiteren Verlauf der Expedition genommene Bodenproben. "Eigentlich haben wir nur nach Methanvorkommen am Meeresboden gesucht, doch stattdessen haben wir eine neue Art von Vulkanen mit einem komplexen Ökosystem gefunden", begeistert sich Prof. Gerhard Bohrmann.

Die Forscher vermuten, dass solche Asphaltvulkane nur im Golf von Mexiko vorkommen, dort aber häufig sind. Denn die Bedingungen, damit sie entstehen - große Wassertiefe, Salzstöcke im Meeresboden und Erdölvorkommen - sind nur hier gegeben.

Asphalt bleibt als Abfallprodukt übrig, wenn spezielle Mikroorganismen tief im Meeresboden Erdöl zersetzen. Kleinere Mengen davon sind nichts Ungewöhnliches, aber im Golf von Mexiko bedeckt der Asphalt stellenweise über einen Quadratkilometer Meeresboden. Einen der Hügel tauften die Forscher nach dem aztekischen Wort für Asphalt "Chapopote". Videoaufnahmen dieses Hügels zeigen deutlich, wie der Asphalt aus dem Krater den Hang hinuntergeflossen ist. Die Bilder erinnern verblüffend an Lava aus Landvulkanen. Außerdem zeigen sie jede Menge Leben: Bartwürmer, Muscheln, Fische, Krebse und - wie für Tiefsee-Oasen üblich - jede Menge Bakterien.

Asphalt gilt gemeinhin als lebensfeindlich. "Trotzdem haben wir jetzt ein ganzes Ökosystem gefunden, dass nicht nur auf Asphalt lebt, sondern sich anscheinend auch von ihm ernährt", sagt Bohrmann. Das Erstaunliche dabei ist, dass das Abfallprodukt Asphalt die sonst üblichen Grundnahrungsmittel der Tiefsee - Methan und Schwefelwasserstoff - gar nicht mehr enthält.
Fast alles Leben der Tiefsee ernährt sich von solchen chemischen Verbindungen, da Sonnenenergie nur die oberen Schichten des Meeres durchdringt. "Welche Verbindungen die Organismen an den Asphalt-Vulkanen genau nutzen, und wie das Geflecht des Lebens in diesem System gewebt ist, müssen wir jetzt herausfinden."

Der Geologe des DFG-Forschungszentrum Ozeanränder in Bremen ist fasziniert: "Nur selten hat man als Forscher die Gelegenheit völlig unbekannte Dinge zu entdecken. Auf der Erde bietet das in diesem Maße nur die Tiefsee."

Weitere Informationen:

Prof. Gerhard Bohrmann
DFG Forschungszentrum Ozeanränder
Phone: 0421-218-8639
Email: gbohrmann@uni-bremen.de

Kirsten Achenbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.gashydrate.de/projekte/omega/otega2
http://www.rcom-bremen.de

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