Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Weltpremiere bei der Beobachtung der Deformation des Gesteins im Erdmantel

12.05.2004


Perowskitkristall mit einer hochdruck- und hochtemperaturbedingten anisotropen Deformation


Zum ersten Mal konnten Forscher im Labor die durch die Felsen des Erdmantels hervorgerufenen Deformationen reproduzieren, die sich unter extremen Druck- und Temperaturbedingungen vollziehen, so wie sie auch im Erdmantel bei einer Tiefe von 700 Kilometern (ein Weltrekord!) herrschen. Diese Zusammenarbeit von Forschern des französischen Labors für Strukturen und Eigenschaften der Festkörper (Universität Lille), der Universität Bayreuth und der Universität Budapest wurde im renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlicht.

... mehr zu:
»Deformation »Erdmantel »Silicat

Der tiefe Erdmantel (bis 2900 km Tiefe) besteht zu 80% aus einem (Mg, Fe) SiO3 Silicat. Dieses Silicat hat die sogenannte „Perowskit“ Kristallstruktur. In situ erreicht die Temperatur mehrere Tausend Grad und der Druck liegt um mehrere Millionen höher als der atmosphärische Druck. Die Erde evakuiert ihre innere Hitze durch breite, langsame Konvektionsbewegungen ihres Mantels, die unter anderem zur Deformierung des Silicats führen.

Um die Deformationen der Perowskit zu verstehen, muss man diese extremen physikalischen Bedingungen im Labor reproduzieren. Die Nutzung der herkömmlichen Technik der Elektronmikroskopie ist in diesem Falle unmöglich, da diese Technik Störungen der zerbrechlichen Kristalle verursacht, die dann zur Verglasung (Gasbildung) neigen. Das Forscherteam nutzte eine Mehramboßdruckpresse, die es ermöglichte, eine Temperatur von 1400 °C und einen Druck von 25 GPa (das 250.000fache des atmosphärischen Drucks) zu erreichen. Dies sind die gleichen Bedingungen wie 700 km unter dem Erdboden. Die Forscher adaptierten dann eine Röntgenanalysetechnik der Metallurgie, um die von den extremen physikalischen Bedingungen verursachten Deformationsmikrostrukturen zu beobachten. Das Ergebnis: Perowskitkristalle sind tatsächlich fähig unter diesen Umständen plastisch deformiert zu werden, und die Deformierungen sind wie die Kristalldefekte (Fehlordnungen) orientiert.


Diese Arbeit kann deshalb eine frische Analyse der seismischen Daten ermöglichen und zum besseren Verständnis der Bewegungen des Erdmantels beitragen.

Kontakt:
Patrick Cordier Laboratoire de Structures et Propriétés de l’Etat Solide
CNRS - Université de Lille I), UMR 8008
Université des Sciences et Technologies de Lille, Bâtiment C6
59655 Villeneuve d’Ascq , Frankreich
Email: Patrick.Cordier@univ-lille1.fr

Jean-Michel Nataf | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.univ-lille1.fr/lspes/

Weitere Berichte zu: Deformation Erdmantel Silicat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unter hohem Druck elastisch: Bayreuther Forscher erschließen Zusammensetzung des Erdmantels
30.03.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE