Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Dingen auf den Meeresgrund gehen - Deutsche Tiefseebohrer diskutieren neueste Ergebnisse

21.02.2001


Was die Welt im Innersten zusammenhält - um das herauszufinden, bohren Forscher Löcher in den Meeresgrund. Vom Mittwoch, 28. Februar, bis Freitag, 2.
März, treffen sich etwa 200 deutsche Wissenschaftler in Karlsruhe, um über die Ergebnisse des internationalen Tiefseebohrprogramms ODP (Ocean Drilling Program) zu sprechen. Beim jährlichen Berichtskolloquium diskutieren die Experten die Proben und Daten, die sie bei Bohrfahrten ermittelten. Gastgeber ist das Institut für Petrographie und Geochemie der Universität Karlsruhe, das bereits seit 20 Jahren an dem Programm beteiligt ist.

Über die Resultate des Kolloquiums informieren wir bei einer

Pressekonferenz
am Donnerstag, 1. März, 14.00 Uhr,
im Kollegiengebäude am Ehrenhof,
Seminarraum -116,

statt, zu der wir die Vertreterinnen und Vertreter von Presse, Rundfunk und Fernsehen herzlich einladen.

Das "Ocean Drilling Program" betreibt das einzige ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke eingesetzte Bohrschiff "JOIDES Resolution". Durchschnittlich sechs mal im Jahr finden zweimonatige Bohrkampagnen statt, bei denen die Eigenschaften des Ozeanbodens anhand von Probenmaterial und durch geophysikalische Messungen im Bohrloch erfasst werden. Die dabei gewonnenen häufig kilometerlangen Kerne von Meeressedimenten und Ozeankruste werden in drei Kernlagern deponiert. Eines davon befindet sich in Bremen. Dort steht das Kernmaterial für eine spätere Beprobung zur Verfügung.

Seit 1968 werden die Ozeanböden mit Hilfe von Tiefseebohrungen systematisch erforscht, bis 1983 zunächst durch das "Deep Sea Drilling Project" und seitdem durch das "Ocean Drilling Program". Wissenschaftliches Tiefseebohren ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Erforschung unseres Planeten geworden. Für die wichtigsten geowissenschaftlichen Theorien der neueren Zeit, die von der Meeresbodenneubildung und -ausbreitung (seafloor spreading) sowie von der Existenz eines Mosaiks beweglicher Erdkrustenplatten (Plattentektonik) lieferte das Tiefseebohren die wesentlichen Beweise. Meeressedimente und darin enthaltene Relikte früherer Lebewesen bieten ein einmaliges Archiv und Abbild vergangener Meeresströmungen sowie der Variabilität des Klimas und der Zusammensetzung der Atmosphäre während der Erdgeschichte. Wichtige Erkenntnisse für die Rohstoffexploration konnten aus den Tiefseebohrungen gewonnen werden.

Seit 1975 beteiligen sich auch die deutschen Geowissenschaftler in großem Umfang an diesem Forschungsprogramm. Der jährlich 44 Millionen US-Dollar kostende Bohrbetrieb und die dazugehörige Logistik wird zu etwa 60 Prozent von den USA getragen. Für einen Jahresbeitrag von drei Millionen US-Dollar, der je zur Hälfte von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung aufgebracht wird, ist eine Teilnahme von zwei deutschen Forschern je Bohrfahrt garantiert. Ebenso der freie Zugang zu allen Proben und Daten. Die Bohrfahrten folgen einem wissenschaftlichen Plan, der von den Wissenschaftlern der beteiligten Länder gemeinsam ausgearbeitet wird. Zur Zeit sind am ODP neben den USA und Deutschland noch Frankreich, Großbritannien, Japan und China sowie zwei Konsortien weniger finanzstarker Länder beteiligt. Dies sind Australien, Kanada, Südkorea, und Taiwan und zwölf europäische Länder unter der Schirmherrschaft der European Science Foundation.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat für die begleitende Forschung ein Schwerpunktprogramm, an dem sich etwa 200 Wissenschaftler beteiligen, eingerichtet. Es wird von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover koordiniert. Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung unterstützt die deutsche Mitarbeit zudem mit Mitteln für Arbeiten zur Vorerkundung von Bohrlokationen mit geophysikalischen Meßmethoden.

Während der vergangenen zwölf Monate waren die Zielgebiete der "JOIDES Resolution" das Südpolarmeer (Indik) und der westliche Pazifik. Die Bohrungen sollen zu einem möglichst kompletten Bild vom System Erde beitragen, von den Wechselwirkungen zwischen der festen Erde, dem Ozean, der Atmosphäre, den Eiskappen, orbitalen Kräften und der Biosphäre. Ablagerungen am Meeresboden haben die integrierten Signale der Umweltveränderungen aus vielen Millionen Jahren gespeichert: Tiefseebohrungen helfen sie zu entziffern.

Nähere Informationen
zum Ocean Drilling Program:

Internet: http://www.bgr.de/odp
E-Mail: odp@bgr.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | idw

Weitere Berichte zu: Bohrfahrt Meeresgrund Tiefseebohrungen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein neuer Index zur Diagnose einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Cockpit für Kühlgeräte

20.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Der Hausschwamm als Chemiker

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie