Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Kontinente der Erde - eine Spätgeburt?

01.09.2000


Geowissenschaftler der Universität Münster über die Entstehung der frühen Erdkruste

Die Bildung der frühen Erdkruste und damit auch die Entstehung der ersten Kontinente unseres Planeten erfolgte frühestens 50 Millionen Jahre nach der Entstehung der Erde. Dies haben Geowissenschaftler der Universität Münster herausgefunden und damit mehr Licht in die teilweise noch ungeklärte frühe Entwicklungsgeschichte der Erde gebracht. Während das Alter der Erde aufgrund von Untersuchungen an Meteoriten relativ genau auf zirka 4,56 Milliarden Jahre festgelegt werden konnte, gab es über die Entstehung einer frühen Erdkruste bislang lediglich Spekulationen.

Grund für die bislang mangelnden Informationen über die frühe Krustenbildung ist das Fehlen direkter Zeitzeugen. Das heißt, es sind keine Gesteine und Mineralien aus den ersten 450 Millionen Jahren der Erde enthalten. Die Wissenschaftler der Universität Münster haben daher einen anderen Weg gefunden, um dem Zeitpunkt der Bildung einer ersten Kruste auf die Spur zu kommen.

Wie der Geologe Dr. Carsten Münker und seine Kooperationspartner von den Instituten für Mineralogie und Planetologie der Westfälischen Wilhelms - Universität in der jüngsten Ausgabe des internationalen Wissenschaftsmagazins "Science" berichten, konzentrierten sich ihre Untersuchungen auf die radioaktiven Zerfallsprodukte eines kurzlebigen Istops des Metalls Niob. Gebildet wurde dieses Niob-Isotop laut Münker durch Kernverschmelzungsprozesse in einer Supernova kurz vor der Entstehung des Sonnensystems vor zirka 4,6 Milliarden Jahren. Bislang war der Nachweis dieses Isotops sehr schwierig, da es nach einer in Relation zur Geschichte des Sonnensystems recht kurzen Zeitspanne von rund 300 Millionen Jahren bereits wieder komplett zerfallen ist. Bei der Entstehung der Erde und der anderen Planten wurde dieses Isotop miteingebaut und ist anschließend zu einem Isotop des chemischen Elementes Zirkonium, ebenfalls ein Metall, zerfallen.

Große Variationen jenes Zirkonium-Isotops haben die münsterschen Wissenschaftler bei Untersuchungen an 4,56 Milliarden Jahre alten Meteoriten nachgewiesen. Dies bedeutet erstmals auch einen indirekten Nachweis besagten Niob-Isotops. Untersuchungen an den ältesten Gesteinen der Erde aus Grönland,
Australien , Südafrika und Indien zeigten, dass sich diese alten Kontinente erst dann gebildet hatten, als es aufgrund des weitgehenden radioaktiven Zerfalls kaum noch Spuren dieses Isotops gab. Damit haben die Münsteraner den Nachweis erbracht, dass die ersten Kontinente auf der Erde frühestens 50 Millionen Jahre nach der Entstehung der Erde entstanden und damit jünger sind als auf den anderen festen Planeten des Sonnensystems.

Nach Worten Münkers wird sich die Oberfläche der Erde im Gegensatz zu der von Mars und Mond auch in den nächsten Hunderten von Millionen Jahren durch Plattentektonik, das heißt durch die Verschiebung von Teilen der Erdkruste, noch stark verändern. Dadurch könne es zur Zerstörung der heutigen und zur Bildung neuer Kontinente kommen. Wie der münstersche Geowissenschaftler betont, hat erst die kontinuierliche Verjüngung der Erdkruste die Erde zum bewohnbaren Planeten gemacht. Die andauernde Neubildung von Kruste habe außerdem mehr Lagerstätten auf der Erde geschaffen als auf anderen Planeten. Diese speziellen geologischen Bedingungen waren laut Münker ein wichtiger Pfeiler für die hochentwickelte Zivilisation auf der Erde.

Mit Nachdruck weist er in diesem Zusammenhang aber auch darauf hin, dass die anhaltende Neuentstehung von kontinentaler Kruste auf der Erde die Menschheit nicht aus der Pflicht zum verantwortungsbewussten Umgang mit Rohstoffen entlässt. Münker: "Die Dauer des bisherigen Rohstoffabbaus auf der Erde ist mit wenigen tausend Jahren kurz gegenüber Hunderten von Millionen Jahren, die benötigt werden, um neue Rohstoffe in der Erdkruste anzureichern."

Jutta Reising | idw

Weitere Berichte zu: Erdkruste Isotop Kontinent Kruste Planet Sonnensystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

nachricht Unterschiedliche Erwärmung von Arktis und Antarktis: Forscher sieht Höhenunterschied als Ursache
18.05.2017 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten