Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Überraschende Entdeckung über dem Amazonas

25.02.2004


Mainzer Max-Planck-Forscher entdecken große Mengen unerwarteter organischer Aerosole über dem Regenwald des Amazonasbeckens


Emission von Isopren aus dem Amazonasregenwald und Oxidation zu 2-Methyl-Tetrol-Verbindungen. Die hellgrauen Kreise stellen Kohlenstoffatome, die hellgrünen Kreise Wasserstoff- und die großen dunkelgrünen Kreise Sauerstoff-Atome dar.
Bild: Max-Planck-Institut für Chemie/ Universitäten São Paulo und Antwerpen



Atmosphärische Aerosole spielen als Wolkenkondensationskeime eine wichtige Rolle im Wetter- und Klimageschehen. Bisher hatte man angenommen, dass Isopren - eine organische Verbindung, die in großen Mengen von der Vegetation emittiert wird - nicht an ihrer Entstehung beteiligt ist. Doch jetzt hat ein internationales Wissenschaftlerteam des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz, der Universitäten Antwerpen und Gent, Belgien, sowie der Universität São Paulo, Brasilien, bei Luftmessungen über dem Amazonas überraschend herausgefunden, dass Isopren möglicherweise eine wichtige Rolle bei der Bildung von Aerosolen spielt. Die Forscher stellten bei ihren Untersuchungen fest, dass natürliche Aerosole in dieser Region zwei bisher unbekannte chemische Verbindungen enthalten, die bei der Photooxidation von Isopren erzeugt werden. Diese Verbindungen sind wasserlöslich und könnten die Wolkenbildung, den Niederschlag und das Klima beeinflussen (Science, 20 February 2004).

... mehr zu:
»Aerosol »Amazonas »Isopren »Photooxidation


Isopren ist eine flüchtige organische Verbindung, die weltweit von den Wäldern in großen Mengen abgegeben wird. Die jährliche Emission wird auf etwa 500 Millionen Tonnen geschätzt. Doch obwohl Isopren leicht unter Bildung flüchtiger Produkte oxidiert, war man bisher der Meinung, dass diese Oxidationsprodukte nicht zur Aerosolbildung beitragen. Bei intensiven Messungen über dem Amazonasbecken hat das internationale Forscherteam jedoch das Vorkommen von zwei neuen 2-Methyl-Tetrol-Verbindungen nachgewiesen. Diese Verbindungen entstehen in der Atmosphäre durch die Reaktion von Isopren mit Hydroxyl-Radikalen.

Die Wissenschaftler führten ihre Messungen während der Regenzeit in einem entlegenen Gebiet des Amazonasbeckens durch, um anthropogene Einflüsse auszuschließen. Untersuchungen der Windtrajektorien zeigten, dass die Luft mehrere Tausend Kilometer über unberührtem tropischem Regenwald zurückgelegt hatte, bevor sie eingesammelt und analysiert wurde. Die Wissenschaftler schätzen, dass die Photooxidation von Isopren jährlich zu etwa zwei Millionen Tonnen der neuen Verbindungen führt. Diese Menge entspricht zwischen 5 und 25 Prozent aller organischen Aerosole, die in der Atmosphäre durch photochemische Reaktionen aus biogenen Vorläufern entstehen.

Diese Entdeckung stellt einen wichtigen Durchbruch in der Atmosphärenforschung dar, denn erstmals konnte damit nachgewiesen werden, dass zwischen dem von der Waldvegetation emittierten Isopren und der Bildung wasserlöslicher kleiner Aerosolteilchen eine Verbindung besteht. Die Aerosolteilchen führen zur Bildung von Dunst und verringern damit die Sicht in bewaldeten Gebieten. Darüber hinaus beeinflussen sie Wolkenbildung, Niederschlag und Klima in ihrer Region und damit auch das weltweite Klima.

Das Projekt wurde unterstützt durch das Belgian Federal Science Policy Office, die Universität Antwerpen, den Fonds voor Wetenschappelijk Onderzoek-Vlaanderen, die Europäische Kommission, die Max-Planck-Gesellschaft sowie durch die Fundacão de Apoio a Pesquisa do Estado des São Paulo und den Conselho Nacional de Desemvolvimento Cienbtidifo e Technológico, Brasilien.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Prof. Meinrat O. Andreae
Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz
Tel.: 06131 305-421, Fax: -487
E-Mail: andreae@mpch-mainz.mpg.de

Prof. Meinrat O. Andreae | Max-Planck-Gesellschaft

Weitere Berichte zu: Aerosol Amazonas Isopren Photooxidation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Die Ostsee als Zeitmaschine
14.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Erste Bohrung in einen aktiven Unterwasservulkan
09.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics