Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn der Erdboden durchsichtig wird

01.11.2000


... mehr zu:
»Erdboden »Georadar »Untergrund »Welle
Georadar erlaubt hoch auflösende Blicke in den Untergrund

Was in der Tiefe des Erdbodens verborgen liegt, ist für das Auge unsichtbar, - seien es Bodenschätze, das Grundwasser gefährdende Altlasten, Landminen oder gar verscharrte Leichen. Sie aufzuspüren, erforderte bisher einen erheblichen Aufwand. Mit dem Georadar, einem jungen Verfahren, das nur eine Handvoll Spezialisten in Europa in dieser Form beherrschen, ist es jetzt möglich, dreidimensionale Einblicke in den Untergrund zu nehmen und jede Art von Struktur oder Veränderung bis in einige Dutzend Meter Tiefe schnell und ohne Grabungen festzustellen.

Einer der wenigen, die das 3D-Georadar-Verfahren beherrschen, ist Dr. Ulrich Asprion, der als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Hannover tätig ist. Er sieht den größten Vorteil der neuen Technik darin, dass sie schnell und zerstörungsfrei hoch auflösende dreidimensionale Bilder des Untergrundes liefert. Dabei ist es egal, ob nach potenziellen Rohstoff-Lagerstätten gesucht wird oder nach archäologischen Fundstücken. Bisher mussten für solche Fragestellungen zahlreiche Probebohrungen oder Grabungen durchgeführt werden - und diese lieferten trotzdem nur ein sehr unvollständiges Bild. "Das ist so, als wolle man mit einem Apfelausstecher ein paar Löcher in einen Marmorkuchen bohren und anschließend sagen, wo genau am meisten Schokolade ist", beschreibt Dr. Asprion den Nachteil der konventionellen Vorgehensweise.

Georadar nutzt - ähnlich wie das Radar in der Flugsicherung - elektromagnetische Wellen. Eine Folge von Impulsen wird für jeweils Bruchteile einer Sekunde von einer speziellen Antenne ausgesandt, die langsam nach einem vorgegebenen Muster über den Erdboden bewegt wird. Treffen diese Wellen auf Unregelmäßigkeiten im Untergrund wie etwa auf Veränderungen im Wassergehalt, im Material oder im strukturellen Aufbau, werden sie dort teilweise zurückgeworfen und vom Georadar registriert. Ein Computer zeichnet die Signale auf. Mit einer Spezialsoftware wird aus der Laufzeit der elektromagnetischen Wellen und ihrer Intensität anschließend ein dreidimensionales Modell des Erdbodens erstellt.

Bisher wird das Georadar-Verfahren in folgenden Bereichen zweidimensional eingesetzt:
- Geologie: Vorerkundung von Rohstofflagern, Analyse der überlagernden Schichten, Vorkommen und Bewirtschaftung von Grundwasser, Ausbreitung von Schadstoffen, Planung von Sanierungsmaßnahmen u.v.a.m.
- Materialkontrolle an Bauwerken: z.B. Korrosion in Stahlbeton, Dichtigkeit von Kanälen, Stabilität von Gleiskörpern.
- Bauüberwachung: z.B. Materialdicke und Qualität, verlegte Rohre.
- Paläontologie: z.B. Eingrenzung des Grabungsortes nach einem Mammut im sibirischen Dauerfrostboden.
- Archäologie: z.B. in Troja.
- Kriminalistik: z.B. Suche nach Gräbern und Massengräbern (bei der Suche nach Opfern des Mörders von Sheffield, GB)
- Weltraumforschung: die NASA plant das Georadar bei der Erkundung von Mars und Europa einzusetzen.


Hinweis an die Redaktion
Auskünfte erteilt Dr. Ulrich Asprion, Tel. 0511/762-3673 oder 0511/762-2343, 
Email: asprion@geowi.uni-hannover.de

Monika Brickwedde | idw

Weitere Berichte zu: Erdboden Georadar Untergrund Welle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Stärkere Belege für Abschwächung des Golfstromsystems
12.04.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

nachricht Waldbrände in Kanada sorgen für stärkste jemals gemessene Trübung der Stratosphäre über Europa
12.04.2018 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics