Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Satelliten-Prüfung im arktischen Eis

11.04.2003


Meereisforscher unter der Leitung des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI) untersuchen in der Arktis zurzeit die Messgenauigkeiten des Umweltsatelliten "Envisat" und des zukünftigen Eissatelliten "CryoSat".



Hierzu hat sich der deutsche Forschungseisbrecher "Polarstern" keine 900 Kilometer vom Nordpol während seiner aktuellen Forschungsreise ARK XIX bei Lufttemperaturen bis -30°C im Eis einfrieren lassen.



"Envisat" und "CryoSat": Satelliten zur Klimaforschung

Die Eismassen der polaren Region speichern riesige Wassermengen. Ein Abschmelzen des arktischen und antarktischen Eises würde einen Anstieg des Meeresspiegels bedeuten und hätte bedeutende Folgen für die Küstenregionen und das Klima der Erde. Um den Zustand des Eises beobachten zu können, werden Satelliten eingesetzt. Der Satellit "Envisat" wurde bereits im März 2002 in seine Umlaufbahn gebracht und liefert Daten über die räumliche Verteilung (Flächenbedeckung) von polaren Eismassen. Ab 2004 soll der Satellit "CryoSat" der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) zusätzlich Auskunft über die Dicke des Eises der polaren Regionen geben. Bevor die Satelliten "Envisat" und "CryoSat" detaillierte Daten über die Eismassen der Erde liefern und so die Beobachtung von Klimaveränderungen auf der Erde ermöglichen, werden die Satelliten kalibriert bzw. deren Messungen überprüft. Diese Untersuchungen sind erforderlich, da bisher unbekannt ist, wie sich die verschiedenen Eigenschaften des Eises auf die Genauigkeit der Eisdickenmessung von "CryoSat" auswirken.

Zeitgleiche Messungen von der Eisscholle, aus der Luft und dem Weltraum

Als Forschungsplattform dient dem "CryoSat Validation Experiment" (CryoVex 2003) die "Polarstern". Das Forschungsschiff befindet sich derzeit tief im Eis der Arktis. Von Bord der "Polarstern" begeben sich die Meereisforscher auf umliegende Eisschollen und gewinnen mit speziellen Bohrern Eiskerne und Schneeproben, um deren Dicke und Dichte zu bestimmen. Um große Meereseisflächen zu kartieren oder auch sehr dünnes Eis zu analysieren, setzen die Forscher eine neuartige Schleppsonde ein, die von Hubschraubern über das Eis geflogen wird, den so genannten "EM-Bird". Die Messungen werden von Überflügen eines Flugzeugs des Dänischen Geodätischen Dienstes begleitet. An Bord der Maschine befindet sich ein Radar-Altimeter der amerikanischen John Hopkins Universität in Washington. Dieses Gerät ist in der Lage, den Abstand zwischen der Wasseroberfläche bzw. dem Eis und dem Flugzeug zu messen und erlaubt die Errechnung der Eisdicke. Dieses Messprinzip ist mit der Technik von "CryoSat" vergleichbar und so können die Messungen bereits vor dem Start dieses Satelliten simuliert werden.

"Envisat" unterstützt "Polarstern" bei der Navigation im Eis

Die Arbeiten werden maßgeblich durch drei EU-Projekte mitfinanziert (GreenICE, SITHOS, IRIS), bei denen das AWI mit Dänen, Norwegern, Engländern, Finnen und US-Amerikanern zusammenarbeitet. Innerhalb der Projekte werden Envisat- und Radarsat-Radarbilder in Echtzeit empfangen und an "Polarstern" übermittelt, um sie bei der Navigation unter den schwierigen Eisverhältnissen zu unterstützen. Der Vorteil der Radarbilder ist dabei, dass sie von Dunkelheit und Bewölkung nicht gestört werden. Die Bilder dienen aber auch dazu, besonders markante Punkte in der Nähe des Schiffes zu identifizieren, um sie aufzusuchen und die Ursachen der besonderen Radarsignaturen zu bestimmen. Die Datenübermittlung ist vor besondere Schwierigkeiten gestellt, da "Polarstern" so weit nördlich operiert, dass sie sich außerhalb der Reichweite herkömmlicher Telekommunikationssatelliten befindet.

Dipl.-Ing. Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de

Weitere Berichte zu: Arktis Eismasse Satellit Satelliten-Prüfung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Stagnation im tiefen Südpazifik erklärt natürliche CO2-Schwankungen
23.02.2018 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Birgt Mikroplastik zusätzliche Gefahren durch Besiedlung mit schädlichen Bakterien?
21.02.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics