Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Auslösung des Wetterphänomens El Niño wird durch eine untermeerische

20.02.2003


Seit Ende 2002 ist El Niño zurück. Diese Wetteranomalie wurde nach dem Christkind benannt, weil sie sich im Durchschnitt alle zwei bis sieben Jahre um Weihnachten herum bemerkbar macht. Jedoch beschränkt sich ihre Ähnlichkeit mit dem zarten Kind nur auf das Datum. El Niño ist nämlich ein Monster. Er verursacht verheerende meteorologische Störungen, die, besonders in den tropischen Ländern, aber auch auf der ganzen Erde, manchmal dramatische menschliche und ökonomische Folgen haben. Zurzeit weiß die Forschung noch zu wenig über das El Niño Phänomen, als dass sie mit größter Zuverlässigkeit seine Auslösung vorhersagen könnte. Sicher ist, dass starke Westwinde, verbunden mit der Wanderung heisser Wassermassen nach Osten, für seine Auslösung mitverantwortlich sind.

Unter normalen Bedingungen häufen die von Osten wehenden Passatwinde eine enorm warme ( mind. 29°C ) Wassermasse im westlichen Teil des äquatorialischen Pazifik an. Durch den hohen Energiegehalt dieser Wassermasse kommt es zu gewaltigen Verdampfungen. Heftige Niederschläge, die das Salzwasser an der Oberfläche verdünnen, sind die Folge. Im zentralen und östlichen Teil des äquatorialischen Pazifik ist die Situation umgekehrt. Durch die Wasserdrift nach Westen, steigt kaltes und salzreiches Meerwasser aus den Tiefen des Ozeans nach oben. Dies alles hat zur Folge, dass die Thermokline (die obere Grenze zwischen dem kalten Wasser der Tiefe und dem darüberliegenden warmen Wasser) im östlichen Pazifik näher an der Oberfläche liegt, als im westlichen Teil des riesigen Ozeans. Sobald ein El Niño Phänomen entsteht, nimmt die Kraft der Passatwinde ab. Die bezüglichen Westwinde sowie die Meeresströmungen gewinnen im Verhältnis an Kraft und schieben die warmen und salzarmen (aufgrunddessen auch leichten) Wassermassen nach Osten. Dadurch sinkt die Thermokline im östlichen Teil des Pazifiks in die Tiefe und erhebt sich im westlichen Teil.

Wie wichtig die Thermokline bzw. eine dünne “Salzschicht“, die direkt über der Thermokline liegt, ist, haben Forscher des IRD (Institut de Recherche pour le Développement – Forschungsinstitut für Entwicklung) dank eines von ihnen entwickelten Modells jetzt bewiesen. Die wissenschaftlichen Arbeiten haben gezeigt, dass die Salzschicht sich wie ein Isolierstoff verhält, in dem sie die vertikale Mischung der Wassermassen begrenzt. Dies bedeutet also, dass die Driftkraft der Winde sich nur auf die Oberfläche des Ozeans auswirkt. Aus diesem Grund schließen die Forscher daraus, dass die Salzschicht den Wasserdrift nach Osten beschleunigt und so im wesentlichen das El Niño Phänomen stärkt.

Das IRD konnte also aufzeigen, welche wichtige Rolle das Salz für die Auslösung der Wetteranomalie spielt. Wie so oft in der Wissenschaft bringen neue Erkenntnisse auch neue Fragen mit sich, die die Forscher wiederum zwingen Neuland zu betreten. In diesem Fall müssen zweifellos die Charakteristiken der Salzschicht im westlichen Pazifik besser untersucht werden, um die Vorhersagemodelle des El Niño noch zu verbessern.



Kontakt: Cristoph Maes, IRD UR 065


Observatoire Midi-Pyrénées, 18 avenue Edouard Belin, F-31401 Toulouse cedex
+33 5 61 33 30 07

Christophe.Maes@cnes.fr

Quelle: Pressemitteilung des IRD, Januar 2003
Redakteur: Pierre Merkling, pierre.merkling@diplomatie.gouv.fr

lle:
Wissenschaft-Frankreich 25, 19.02.2003
Französische Botschaften in Deutschland und in Österreich
Kostenloses Abonnement durch E-Mail : sciencetech@botschaft-frankreich.de

Pierre Merkling | Wissenschaft-Frankreich 25
Weitere Informationen:
http://www.ird.fr

Weitere Berichte zu: Auslösung IRD Nino Pazifik Thermokline Wassermasse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie