Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bedeutende Fortschritte in Atmosphärenforschung erwartet: Forschungsflugzeug dringt in neue Höhe vor

18.02.2003


Bundesforschungsministerium gibt grünes Licht für "HALO" - Schwerpunkt der Atmosphären- und Klimaforschung künftig in den Tropen.


Die Atmosphärenforschung und die Untersuchungen zum weltweiten Klimawandel werden durch das neue Forschungsflugzeug "HALO" bedeutende Fortschritte erzielen. Univ.-Prof. Dr. Stephan Borrmann von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erwartet insbesondere in der Wolken- und Spurengasforschung in den Tropen wichtige neue Erkenntnisse, die Aufschluss über die globale Klimaentwicklung geben dürften. "Die gesamte deutsche Atmosphärenforschung wird durch das neue Forschungsflugzeug neuen Schub bekommen", sagte der Atmosphärenphysiker. Das Bundesforschungsministerium hatte Anfang Februar bekannt gegeben, dass für das Forschungsflugzeug HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) Mittel bereitgestellt werden.

HALO soll die seit über 25 Jahren im Einsatz befindliche Falcon 20 ersetzen und zu einer Stärkung der deutschen und europäischen Atmosphärenforschung im internationalen Kontext beitragen. Das Projekt, an dem universitäre und außeruniversitäre Atmosphärenforscher beteiligt sind und das unter der Führung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen und des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz steht, soll vor allem der weiteren Erforschung der Troposphäre und der unteren Stratosphäre - d.h. in Höhen von zehn bis 15 Kilometern - sowie der Erdbeobachtung dienen. Dazu wird ein Flugzeug mit großer Reichweite von zumindest 8.000 Kilometern, einer Gipfelflughöhe bis 15 Kilometern und einer Nutzlast von ungefähr drei Tonnen benötigt. Die Nutzfläche soll 20 bis 30 Quadratmeter betragen. Derzeit gibt es weltweit kein Forschungsflugzeug, das diesen Anforderungen entspricht. Die Investitionskosten für das Forschungsflugzeug, das auf der Basis eines großen Geschäftsreisejets erstellt wird, werden auf knapp 100 Millionen Euro veranschlagt.


Mit dem neuen Flieger soll unter anderem die Chemie und der Transport von Spurenstoffen in der Troposphäre und unteren Stratosphäre sowie die Ozonzerstörung in der Stratosphäre untersucht werden. Nach Ansicht von Borrmann kommt den Luftschichten über den Tropen dabei besondere Bedeutung zu. "Ozonkiller wie FCKW gehen von Europa den Umweg über die Tropen, wo sie in die Stratosphäre hineingepumpt werden und sich dann global verteilen", erklärt der Atmosphärenforscher. Dabei spielen neben der immer in den Tropen vorherrschenden Aufwärtsbewegung der Luft auch die Gewitterwolken, die einen Durchmesser von bis zu 200 Kilometern erreichen können, zusätzlich die Rolle eines Staubsaugers, der die belastete Luft in große Höhen trägt. "Diese Wolken befinden sich oft in einer Höhe von bis zu 17 Kilometern über der Erde und können künftig mit dem neuen Flugzeug untersucht werden", beschreibt Borrmann ein neues Forschungsfeld. Auch der menschliche Einfluss auf das Klimasystem durch die Verbrennung von Biomasse könnte genauer erforscht werden. "Beispielsweise werden in Indonesien oder Brasilien durch Brandrodungen Aerosole und Gase freigesetzt, deren Auswirkungen auf das Klima wir noch nicht kennen." Borrmann hat schon konkrete Projekte im Sinn, um durch Messungen in den tropischen Wolken festzustellen, welche Schadstoffe durch den Menschen in die Luft gelangt sind und welche Teilchen natürlichen Ursprungs sind. "Der Schwerpunkt der Atmosphärenforschung wird künftig in den Tropen liegen und mit dem neuen Forschungsflugzeug können diese Gebiete erreicht werden."

Kontakt und Informationen:

Univ.-Prof. Dr. Stephan Borrmann
Institut für Physik der Atmosphäre
Tel. 06131 - 39-22861
Fax 06131 - 39-23532
E-Mail: borrmann@mail.uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mainz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie