Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Forschungsprojekt offenbart Oberflächenwirkung von Erdbeben

05.02.2003


Forschungsarbeiten der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Europäischen Kommission haben die Wirkung eines größeren Erdbebens in abgelegenen Regionen des indischen Subkontinents offenbart und damit entscheidendes Referenzmaterial für die Analyse künftiger Erdbeben geliefert. Die Ergebnisse der Studie werden heute veröffentlicht.



Mit Hilfe von Daten des MISR-Instruments (Multi-angle Imaging SpectroRadiometer) an Bord des NASA-Satelliten Terra konnten GFS-Wissenschaftler sowie amerikanische, französische und deutsche Wissenschaftler das Erdbeben analysieren, das am 26. Januar 2001 die indische Provinz Gujarat nahe der pakistanischen Grenze erschütterte. Die Studie belegt, dass weite Bereiche um das Epizentrum betroffen waren, einschließlich Regionen, die nicht von Untersuchungsteams besucht werden konnten.



“Das sind Informationen von zentraler Bedeutung, vor allem im Hinblick auf die humanitären und wirtschaftlichen Auswirkungen solcher Katastrophen,” erklärte Philippe Busquin, für Forschung zuständiges Mitglied der Europäischen Kommission. “Mit Hilfe fortgeschrittener Weltraumtechnologie konnten verschiedene Oberflächenwirkungen von Erdbeben exakt und wirksam erfasst werden. Die erfolgreiche Zusammenarbeit auf EU- und internationaler Ebene zeigt den Nutzen eines koordinierten Vorgehens wie bei der GMES-Initiative (Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung). Europa ist ein wichtiger Akteur in der Raumfahrt. Wir entwickeln zur Zeit in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation und nationalen Weltraumbehörden eine Raumfahrtpolitik für die EU, um weltraumgestützte Aufklärungstechnologien in den Dienst unserer politischen Ziele zu stellen.”

Verheerendes Erdbeben

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Gujarat-Untersuchung werden dazu beitragen, Erdbebenmodelle zu validieren und das Verhältnis zwischen der Stärke von Erdbeben und der Reichweite ihrer Wirkungen zu dokumentieren.

Das Erdbeben von Gujarat im Jahr 2001 richtete verheerende Schäden an. Es erreichte eine Stärke von 7,7 auf der Richter-Skala, tötete nahezu 20.000 Menschen und hinterließ über 600.000 Obdachlose. Insgesamt waren 16 Millionen Personen betroffen. Viele Gebäude wurden beschädigt, ebenso landwirtschaftliche Flächen und Infrastrukturen.

Das Erdbeben bewirkte außerdem eine plötzliche Freisetzung von Grundwasser und Sedimenten in weiten Bereichen, reaktivierte alte Flussbetten und führte zur Bildung flacher Seen. Dieses Phänomen der "Entwässerung" war von einer Bodenverflüssigung begleitet, bei der sich Sedimente eher wie Flüssigkeiten verhalten, was schwere Schäden an Gebäuden verursachen kann.

Die Erde in einem neuen Blickwinkel

Bei diesem Kooperationsprojekt werden Messungen des MISR-Instruments an Bord des NASA-Satelliten Terra verwendet. Der Satellit wurde im Dezember 1999 gestartet. Die einzigartige Fähigkeit des MISR-Systems, die der Sonne zugewandte Seite der Erde aus neun verschiedenen Winkeln und über vier Spektralbänder zu beobachten, wurde durch ein neues Verfahren voll ausgenutzt, um das plötzliche Auftreten von Oberflächenwasser in weiten Gebieten um das Epizentrum des Erdbebens zu entdecken und zu überwachen.

Derartige Anwendungen waren bei der ursprünglichen Konzeption nicht erwartet worden. Trotzdem konnten durch Sondierungsforschungen die Vorteile der fortgeschrittenen Möglichkeiten des MISR ausgenutzt werden, um Prozesse auf der Erdoberfläche in einer neuen Weise zu untersuchen.



Das Interesse der Kommission an MISR erklärt sich aus der einzigartigen Kombination von Mehrfachwinkel- und Mehrfachspektren-Fähigkeiten des Systems, das umfangreiche Analysen von Landflächen und der darüber liegenden Atmosphäre von Pol zu Pol ermöglicht. Die Kommission war besonders intensiv an der Nutzung von MISR-Daten zur Erkennung und Charakterisierung der Eigenschaften atmosphärischer Aerosole über Land beteiligt, sowie an der Beurteilung zentraler Eigenschaften von Landoberflächen aufgrund ihrer spektralen und direktionalen Profile.

EU-Forscher, die an den Tätigkeiten des MISR-Science Team beteiligt sind, wollen Originalalgorithmen entwickeln, um neue Informationen über die Beschaffenheit der Landoberflächen zu gewinnen. Zusammen mit dem Team der NASA haben sie fortgeschrittene Forschungsarbeiten durchgeführt, um die Eigenschaften von Aerosolen und Oberflächen über Land zu erfassen, was besonders schwierig ist.

An dem Projekt beteiligte EU-Wissenschaftler erhielten im Jahr 2001 den NASA Group Achievement Award für ihren Beitrag zum Erfolg der MISR-Initiative. Die Erfahrungen aus der Teilnahme am dem MISR-Wissenschaftseam waren auch nützlich für europäische Raumfahrtbehörden und sollen auch bei der GMES-Initiative weiter verwertet werden.
Die Studie wird heute in “EOS Transactions”, der Zeitschrift der American Geophysical Union, veröffentlicht.

Fabbio Fabbi | Europäische Kommission
Weitere Informationen:
http://www.jrc.cec.eu.int/more_information/specialpress/misr.htm
http://www.gsfc.nasa.gov/topstory/2003/0115gujarat.html

Weitere Berichte zu: Erdbeben MISR-Instruments NASA Oberflächenwirkung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Warum der Meeresboden in Bewegung gerät
13.02.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Erste Messung der Erdgravitation mit einer transportablen optischen Uhr
12.02.2018 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics