Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warnung vor Stürmen mit Hilfe von Radardaten und Künstlicher Intelligenz

31.10.2002


Das Handy von Autohändler Hollfelder piepst: Per SMS wird ein Hagelsturm angekündigt. Noch ist Zeit genug, um die im Freien stehenden Vorführwagen in Sicherheit zu bringen. Den Prototypen für ein so funktionierendes Sturm-Informationssystem hat der Würzburger Diplom-Geograph Peter Löwe entwickelt. Das Resultat ist offenbar sehr eindrucksvoll, denn die Stiftung "Umwelt und Schadenvorsorge" (Stuttgart) hat ihm dafür ihren mit 15.400 Euro dotierten Ersten Stiftungspreis zugesprochen.



Als Grundlage für sein System nutzt Löwe, der an der Uni Würzburg Geographie und Informatik studiert hat und zurzeit an seiner Dissertation arbeitet, meteorologische Radardaten. Diese fließen in ein professionelles Geoinformationssystem ein: Dabei handelt es sich um ein Werkzeug, mit dem sich verschiedene geowissenschaftliche Datenquellen integrieren, verwalten und für ein breiteres Publikum verständlich darstellen lassen. Löwe hat dem System GRASS GIS - eine Freie Software, deren Programmcode frei zugänglich ist - eine Komponente zum Import von Radardaten hinzugefügt und, darauf aufbauend, ein Verwaltungs- und Analysesystem erstellt.

... mehr zu:
»Geograph »Radardaten


Um die Radardaten richtig aufbereiten zu können, musste der Würzburger Geograph zudem Methoden aus der Künstlichen Intelligenz anwenden. Grund: Radardaten sind vieldeutig. Sie können zum Beispiel ein sinnloses Rauschen enthalten und müssen darum von erfahrenen Radar-Meteorologen interpretiert werden, bevor sie nutzbare Informationen über das Wetter liefern.

Also hat Löwe für sein Sturmwarnungssystem das Wissen eines Radar-Fachmanns in einem so genannten Expertensystem abgelegt. Dieses beurteilt die eingehenden meteorologischen Daten anhand seiner Wissensbasis. Löwe: "Dieses System kann aus vielen isolierten Eigenschaften einer Sturmzelle eine Gesamtbeurteilung der Lage ableiten."

Die Radardaten eines herannahenden Sturms werden also EDV-technisch erfasst, von einem "künstlichen Experten" interpretiert und dann laiengerecht aufbereitet, zum Beispiel als einfache Karte oder Textbotschaft. Jetzt geht es darum, all diejenigen zu informieren, die sich für drohende Unwetter interessieren. Nach Einschätzung von Löwe sind das vor allem Versicherungswirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus.

Falls in einem begrenzten Gebiet eine überschaubare Zahl von Anwendern möglichst umgehend informiert werden muss, sei eine E-Mail oder deren Weiterleitung als SMS an das Handy eine effektive und preiswerte Lösungsmöglichkeit, wie der Geograph sagt. Für ein größeres Publikum biete sich das Internet an, um zum Beispiel interaktive Karten zu übermitteln. Für Regionen ohne Internet-Anbindung gibt es die Alternative des Digitalen Radios: Die Daten werden dann über einen Satelliten zu einem Radioempfänger in einen PC übertragen.

Den von der Stiftung "Umwelt und Schadenvorsorge" zum Thema "Risiko Sturmschäden: Vorsorge, Vermeidung, Nachsorge" ausgeschriebenen Preis erhielt Löwe im Oktober 2002. Gegründet wurde die satzungsgemäß mit der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg verbundene Stiftung 1998 von der SV Gebäudeversicherung (Stuttgart). Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und soll Arbeiten honorieren und fördern, die zu einer "Verbesserung der Schadenssituation im Rahmen der Versicherung gegen Elementarschäden" beitragen, wie die Stiftung mitteilt.

Peter Löwe, 1969 in Michelstadt im Odenwald geboren, wird bei seiner Doktorarbeit von dem Geographen Prof. Dr. Detlef Busche von der Uni Würzburg betreut. Mit dem Spezialisten für Methoden der Künstlichen Intelligenz, dem Informatiker Prof. Dr. Frank Puppe von der Uni Würzburg, kooperiert Löwe seit seiner Diplomarbeit 1997: Schon damals ging es um die Verknüpfung von Satellitendaten mit "künstlichem Expertenwissen".

Weitere Informationen: Peter Löwe, T (0931) 888-5585, E-Mail: loewe@fukengrueven.com

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://ki.informatik.uni-wuerzburg.de/~loewe/

Weitere Berichte zu: Geograph Radardaten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unter hohem Druck elastisch: Bayreuther Forscher erschließen Zusammensetzung des Erdmantels
30.03.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie

Europaweite Studie zu „Smart Engineering“

30.03.2017 | Studien Analysen