Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Polarstern" beendet Arktis-Expedition

15.10.2002


Forschungsschiff "Polarstern"


Schiff legte einmillionste Seemeile für die Forschung zurück


Heute kehrt das Forschungsschiff "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) von seiner 18. Arktisreise zurück nach Bremerhaven. Rund 100 Wissenschaftler waren während der vier Monate dauernden Arktis-Expedition an Bord, um Daten über die Kontinentalverschiebungen zwischen Spitzbergen und Grönland, über die Meeresströmungen in der Framstraße und vor der Grönländischen Küste, sowie über die Lebewesen im Eis und in der Tiefsee zu erforschen. "Polarstern" legte auf dieser Fahrt ihre einmillionste Seemeile für die Forschung zurück.

Laut Angaben des Instituts war die Erforschung des Lebens im Meereis in diesem Jahr schwieriger als sonst. Das Eis hat sich weit nach Norden zurückgezogen. Die Forscher mussten lange nach geeignet großen und stabilen Eisschollen suchen, um sich dort sicher aufhalten und ihre Geräte aufbauen zu können. "Die Vermutung, dass diese Situation von der globalen Erwärmung herrührt, liegt nahe. Es kann sich aber auch um eine natürliche Schwankung in der Eisbedeckung handeln", sagte der wissenschaftliche Fahrtleiter Wilfried Jokat.


Andere Arbeiten allerdings wurden durch die Eissituation begünstigt: Ozeanografische Messungen, die Aufschluss über die Meeresströmungen geben, konnten in diesem Jahr direkt vor der Küste Grönlands begonnen werden. In den vergangenen Jahren hatte dichtes Packeis dies verhindert. In einem Langzeitbeobachtungsprogramm wurde zwischen Grönland und der Barentssee hochgenau die Verteilung von Salzgehalt und Temperatur des Wassers in unterschiedlichen Tiefen gemessen. "Die Tiefenkonvektion vom Schelf her hat überraschenderweise wieder eingesetzt", nennt Ursula Schauer, Ozeanografin am AWI, ein wichtiges Ergebnis. "Und das, obwohl der Einstrom warmen Wassers vom Atlantik in die Arktis weiter anhält."

Diese Tiefenkonvektion gehört zu den so genannten thermohalinen Prozessen, die das System globaler Meeresströmungen antreiben. Sehr salzhaltiges Wasser, das zum Beispiel bei der Eisbildung entsteht, ist schwerer und auch kälter als das Umgebungswasser. Es gleitet vom flachen Schelfmeer der Barentssee in die tiefe Norwegische See hinab. In den letzten zehn Jahren sank an dieser Stelle das kalte Wasser bis auf eine Tiefe von nur rund 1.000 Metern. Diesmal breitete sich eine kalte Zunge auf dem Meeresboden in 2.500 Metern Tiefe aus. In Zusammenhang mit Schwankungen des Klimasystems der Arktis und des Nordatlantiks wird jetzt untersucht, warum diese Konvektion eingesetzt hat.

Der Geophysiker Alfred Wegener stellte vor 90 Jahren die Theorie der Kontinentalverschiebung vor. Niemand hielt diese für möglich. Noch heute ist es für viele Nichtwissenschaftler schwer zu glauben, dass der Boden, auf dem wir stehen, nicht fest ist. Doch die Kontinentalverschiebung ist messbar, auch am Meeresboden zwischen Spitzbergen und Grönland. Hier konnten vor 70 Mio. Jahren Dinosaurier zwischen Amerika und Europa hin- und her wandern. Über das heutige Aussehen des Meeresgrundes ist kaum etwas bekannt. Mit der "Polarstern" werden vom Schiff aus mit einem Fächersonar Kartierungen des Meeresboden vorgenommen und mit vorliegenden Daten verglichen. Luftpulser und Streamer ermöglichen es darüber hinaus, bis zu 4.000 Meter tief in den Meeresboden hinein zu blicken. So können Strukturen erkannt werden, die auf die Bewegung zwischen den Kontinentalplatten hindeuten. Wissenschaftlich begründeten Zweifel an Wegeners Theorie gibt es heute nicht mehr.

Sandra Standhartinger | pressetext.deutschland

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Zeppelin, Drohnen und Forschungsschiffe untersuchen Wattenmeer und Elbe
19.09.2017 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie